Archiv der Kategorie: Bildungserlebnisse

Jeder gute Unterricht sollte für die Schüler ein Bildungserlebnis bereit halten. Der „Mehrwert“ des Unterrichts ist also ein Art von geistig-kultureller Bereicherung der Schüler.

Thomas Mann als Bildungsexperte

Jeder Thomas-Mann-Freund kennt das berühmte Kapitel 11 aus seinem Erfolgsroman „Buddenbrooks“ (1901), in dem er das Leiden des kleinen Johann („Hanno“) Buddenbrook an der Wilhelminischen Schule erzählt. Der feinsinnige, künstlerisch begabte Knabe durchschaut die Hohlheit des Pauksystems und verachtet die Lehrkräfte, die  ihre Autorität nur mit Hilfe ihres Amtes und der damit verbundenen Strafgewalt aufrecht erhalten können.

Weniger bekannt sind die Passagen aus dem Roman „Doktor Faustus“ (1947), die sich mit Pädagogik befassen. Der Komponist Adrian Leverkühn verschreibt sich dem Teufel (dies geschieht in einer Art Fieberphantasie während eines Italienaufenthalts), der ihm 24 Jahre höchster Produktivität im musikalischen Schaffen verspricht. Als Gegenleistung muss er darauf verzichten, Menschen zu lieben, weil er hinfort  mit Kälte geschlagen sein wird.

Die pädagogischen Einsichten des Ich-Erzählers Serenus Zeitblom, der als Altphilologe an einem Gymnasium unterrichtet,  finden sich in den Anfangskapiteln des Romans, in denen die gemeinsam mit Adrian verlebte Schulzeit in Kaisersaschern und  Studienzeit in Halle geschildert werden. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern

„Wann machen Sie wieder einmal Ihren begnadeten Frontalunterricht?“

Veröffentlicht in:    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. 01. 2016 (Bildungswelten)

Wie „moderne“ Unterrichtsmethoden dazu beitragen, die intellektuelle Substanz des Unterrichts zu untergraben

 Kluge Schüler helfen Lehrern manchmal auf die Sprünge. Als ich an einer Berliner Gesamtschule unterrichtete, öffnete mir eine Schülerin die Augen darüber, was im Unterricht dieser Schule im Argen liegt. Sie fragte mich zum Beginn der Stunde: „Müssen wir heute schon wieder das machen, was wir machen wollen?“ – Hintergrund dieser erstaunlichen Frage war die Angewohnheit einiger Lehrer, schwierige Klassen dadurch „ruhig zu stellen“, dass sie ihnen eine „stille Selbstbeschäftigung“ – natürlich mit dem laufenden Stoff – gestatteten. Dieser gönnerhafte Verzicht auf Unterricht war in Wahrheit eine Form der Kapitulation vor den disziplinarischen Schwierigkeiten, die in Schulklassen immer wieder auftreten – auch am Gymnasium. Diese Lehrer gingen selbstverständlich von der Annahme aus, den Schülern dadurch einen Gefallen zu tun, dass sie ihnen die Konfrontation mit dem anstrengenden Stoff ersparten. Allzu oft erweckt das aufmüpfige Gebaren der Schüler, der Gestus des hinhaltenden Widerstandes den Anschein, sie wollten nur eines: das Lernen vermeiden. Das mag für einige Schüler in einer Klasse durchaus zutreffen, keineswegs aber für die Mehrheit. Die aufgeweckte Schülerin, die diesen bemerkenswerte Satz sagte, sprach für diejenigen, die etwas lernen wollten und die von der Lehrkraft zurecht erwarteten, dass sie in der Lage ist, eine ruhige Lernatmosphäre herzustellen, auch wenn es einer Kraftanstrengung bedarf und mit Konflikten verbunden ist. Weiterlesen

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Utopie: „digitale Schule“: Der Computer wird´s nicht richten!

 Die Hoffnung der Technik-Optimisten, der Einsatz des Computers im Klassenzimmer werde den Unterricht verbessern, hat sich als Illusion erwiesen.

 Technische Neuerungen lösen oft gesellschaftliche Befreiungsphantasien aus. So auch die Erfindung von PC und Internet. Pädagogen knüpften daran die Hoffnung, die Schule von den Zwängen des mühsamen Lehrens und Lernens im Klassenzimmer erlösen zu können. Sie schrieben sich die  Überwindung der „Kreidezeit“ auf die Fahnen und versprachen das goldene Zeitalter der Didaktik. Weiterlesen

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