Archiv der Kategorie: Leistungsbereitschaft

Bei vielen Menschen hat sich die Haltung verfestigt, dass Leistung in der Schule unmenschlich sei. Sie sprechen von „Leistungsdruck“ und „Drill“, wodurch die Kinder in ihren menschlichen und sozialen Fähigkeiten „verbogen“ würden. Stimmt das?

Pädagogischer Befreiungsschlag für Berlins Schulen?

Am 07. 10. 2020 stellte die   „Qualitätskommission“, die seit September 2019 unter  Vorsitz des Kieler Bildungsforschers Prof. Olaf Köller getagt hatte, ihre Ergebnisse vor. Vieles  an den Vorschlägen  ist  durchaus  bemerkenswert, vor allem wenn man die jahrelange Ignoranz des Bildungssenats in der Praxis  miterlebt hat. Auffällig ist, dass das Wort Leistung, das  Schulsenatorin  Sandra  Scheeres und ihr Mitarbeiterstab bisher eher  gemieden haben, im Abschlussdokument der Kommission mehrfach  vorkommt.

Dass die sprachliche Grundbildung in der Kita dringend verbessert werden muss, wird von Experten seit Jahren gefordert. Gescheitert ist  dieses Vorhaben bislang  an der Weigerung vieler Eltern, ihre Kinder an der vorgeschriebenen Sprachstanderhebung teilnehmen zu lassen. Für Kita-Kinder findet dieser Test  15 Monate vor der  Einschulung statt. Wenn  Bedarf festgestellt wird, wird das Kind in einem Sprachentwicklungsprogramm gezielt gefördert. Wenn  Kinder zu Hause erzogen werden, was vor allem  Eltern mit Migrationsgeschichte tun, fallen sie   durch den Rost. Dann werden Kinder eingeschult, die nur mangelhaft Deutsch sprechen.  Wenn die Basiskompetenz in Deutsch fehlt, wenn Alltagsfertigkeiten nur ungenügend ausgebildet sind und wenn das Kind zu Hause die für das Lernen wichtige Selbstregulierung nicht gelernt hat, führt das zur Benachteiligung in allen Unterrichtsfächern. Was fordert die Kommission?  Man solle „alle Nicht-Kita-Kinder auffinden und bedarfsgerecht fördern.“ –  Wie das  gelingen kann, wird nicht ausgeführt.  Wenn man Berlins Laisser-faire-Haltung  kennt, muss  man die Befürchtung hegen, dass   alles beim alten bleibt.

Bei der Bewertung der Unterrichtsqualität  legt  der Bericht einen  Mangel  bloß, bei dem Berlin gegenüber den anderen Bundesländern einen traurigen Rekord hält: In Berlins Klassenzimmern gibt es die meisten Unterrichtsstörungen. Wenn der Unterricht durch Disziplinlosigkeiten ständig  unterbrochen werden muss, muss  der  geistige Prozess,  den der Lehrer in Gang gesetzt hat,  Schaden nehmen.  Der Verlust von zehn  Minuten pro Unterrichtsstunde summiert sich im  vierstündigen Fach Deutsch  im ganzen  Schuljahr  auf ein Defizit von 26,6  Stunden. In den anderen Fächern mag es ähnlich aussehen.  Muss  man sich da noch wundern, dass Berlins Schüler bei Leistungsvergleichen schlecht abschneiden? Ich habe als Lehrer  pädagogische Konferenzen erlebt, in denen über die Regeln  des Unterrichts gestritten wurde. Immer gab es Pädagogen, die der Selbstregulierung der Schüler das Wort geredet haben. Das Pochen auf  Regeln wurde als autoritäre Disziplinierung abgetan.   Manche Lehrkräfte  wollten nicht einsehen, dass die Konzentration auf ein geistiges Problem und der ruhige Austausch darüber  eine Kulturleistung darstellt, ohne die Unterricht schlechterdings nicht möglich ist. Ich will nicht ausschließen, dass es auch Lehrkräfte gibt, die vom Unterricht im multikulturellen Hotspot  Schule überfordert sind. In Berlins Sekundarschulen sitzen mitunter Schüler aus 15 Nationen in einer Klasse. Hier stoßen  kulturelle und religiöse  Prägungen, Jugendstile und pubertäres Gebaren hart  aufeinander. Damit umgehen zu können, erfordert Einfühlungsvermögen, Durchsetzungskraft  und  die fachliche Kompetenz,  auch lernunwillige  Schüler für den Lernstoff zu begeistern. Künftig sollte ein   Schwerpunkt der Lehreraus- und Fortbildung auf dem Umgang mit solchen Ausdrucksformen von Diversität  gelegt werden.

Im Kapitel „Unterrichtsqualität“  findet sich die wohl revolutionärste Einsicht des ganzen Dokuments: Maßgeblich für die Qualität von Unterricht seien nicht die „Oberflächenstrukturen, z.B. die Frage, ob Stationenlernen oder Klassengespräche den Unterricht bestimmen, sondern die sogenannten Tiefenstrukturen.“ Damit ist das gemeint, was der Bildungsforscher John Hattie „kognitive Aktivierung“ nennt. Mit diesem Satz wird die Heilige Kuh  „schülerzentrierte Unterrichtsmethoden“ abgeräumt und die Frage in den Fokus gerückt, die man an  jeden  Unterricht stellen muss:  Gelingt es der Lehrkraft, den Stoff so anschaulich und spannend zu vermitteln, dass die Schüler am Ende der Stunde einen messbaren Wissenszuwachs, vielleicht sogar  ein kleines Bildungserlebnis erfahren? Berlin hat  den Referendaren jahrelang  vorgeschrieben, dass sie den Schwerpunkt auf schülerzentrierte Lernmethoden legen sollen. Der Fragebogen der Berliner  Schulinspektion ist so gestaltet, dass die Schulen, die noch das Unterrichtsgespräch (Schimpfwort:   Frontalunterricht) pflegen, durch  schlechte Bewertungen bestraft  werden. Dabei ist  unerheblich, ob die  favorisierten  „schülerfreundlichen“ Lernmethoden tatsächlich   einen Lernzuwachs erbringen. Unter den negativ bewerteten Schulen waren auch solche, die bei  Leistungstests wie MSA und Vera 8  besonders  gut abgeschnitten haben. Ich habe Unterrichtsstunden von Referendaren gesehen, die vor Methodenwechsel und Medieneinsatz nur so sprühten. Als ich am Ende der Stunde einen Schüler fragte, was er heute über die Novemberrevolution  gelernt habe, wusste er nichts zu sagen. An einer Schule, die die kollegiale Hospitation der Lehrkräfte pflegt, habe ich die Biologiestunde eines älteren Kollegen erlebt.  Fachlich hoch qualifiziert erzählte er im Gestus des dozierenden Professors, warum bei den Bonobo-Schimpansen die Weibchen das Sagen haben. Die Schüler hingen an  seinen Lippen. Dieser Lehrer konnte durch sein immenses Fachwissen und durch die Begeisterung, die er für „sein“ Fach versprühte, die Schüler mitreißen. Die Kognitionsforschung hat herausgefunden, dass man sich Sachverhalte  besonders gut merkt, wenn sie mit einem emotionalen Reiz verbunden sind.  Deshalb lieben Schüler  einen  fesselnden Unterricht, der sie in die aufregende  Welt des Wissens mitnimmt. Wenn es den Lehrkräften gelänge, in ihrem Fach das spannende Potential freizulegen, das in den Lerngegenständen schlummert,  wäre für die Unterrichtsqualität  viel gewonnen. Man darf gespannt sein, wie die Schulverwaltung die geforderte „kognitive Aktivierung“ im Klassenzimmer umsetzt. Die meisten Handreichungen für einen methodenzentrierten Unterricht, für Stationenlernen, Fishbowl und Karussellgespräch, müssten wohl  in der Versenkung verschwinden.

Um eine Heilige Kuh macht die Kommission einen großen Bogen. Vermutlich hat die Partei, der die Senatorin angehört, hier eine „rote“ Linie gezogen. Das Berliner Schulgesetz schreibt vor, dass in den integrativen Schulformen der leistungsdifferenzierte Unterricht  in Mathematik und Englisch ab Klasse sieben beginnen muss. In  Deutsch dürfen  sich die Schulen  bis Klasse  neun  Zeit lassen. Problematisch ist, dass das Gesetz den  Schulen  freie Hand lässt, die Differenzierungsmethode  selbst  zu bestimmen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Kollegien, denen die soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt, die Binnendifferenzierung bevorzugen. Sie gehört aber zu den schwierigsten Handwerkstechniken einer Lehrkraft. Es ist äußerst anspruchsvoll, alle Stoffe in drei oder mehr Anspruchsniveaus aufzubereiten und sie dann in Form von  Gruppenarbeit erarbeiten zu lassen. Der Lerneffekt in Gruppen ist nach meiner Erfahrung selten optimal.  Besser wäre es, wenn den Sekundarschulen vorgeschrieben würde, die  Differenzierung in Form von  Fachleistungskursen vorzunehmen. Dieses Prinzip wird  an den Gesamtschulen bis heute erfolgreich angewendet. Wenn die schwachen Schüler in kleinen  homogenen Gruppen unterrichtet werden, erzielen sie deutlich bessere Leistungen, als wenn sie in der ganzen Klasse ständig mit den geistigen Überfliegern konfrontiert  sind, deren Geistesblitze sie als demütigend erleben. Nach meiner Erfahrung gehen viele Unterrichtsstörungen auf solche Versagenserlebnisse zurück. Es ist fatal, dass die Gesamtschule, die zu den erfolgreichsten sozialdemokratischen Erfindungen im Bildungssektor gehört,   inzwischen auch unter Selektionsverdacht gestellt wird.

Wenn es wirklich das wichtigste Anliegen der Kommission  ist, nur  das ins Werk zu setzen, was die Lernleistungen der Schüler verbessert, könnte ein  Leistungsvergleich  der unterschiedlichen Differenzierungskonzepte Klarheit schaffen. Man müsste nur die Lernleistungen an einer klassischen Gesamtschule mit denen einer Sekundarschule vergleichen: Kurssystem versus Binnendifferenzierung. Um diesen entscheidenden Qualitätstest  drücken  sich allenthalben  Schulpolitiker und leider auch Bildungsexperten. Vielleicht ahnen sie, wie das Ergebnis ausfallen würde.

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Sozialer Aufstieg durch Bildung – passe´?

Unserem Schulsystem gelingt es immer weniger, die Verheißung des sozialen Aufstiegs durch Bildung  zu ermöglichen. Schuld ist eine Didaktik, die das Leistungsprinzip immer mehr in den Hintergrund drängt.

Jedes Jahr verlassen ca. 50.000 Schüler unsere Schulen ohne Abschluss. Das sind knapp sieben Prozent eines Schülerjahrgangs. Die Zahl entspricht der Einwohnerschaft von Goslar. Gleichzeitig brechen 840.000  Studenten der Bachelor-Studiengänge ihr Studium ab. Das sind rund 30 Prozent eines Studentenjahrgangs. Für beide Gruppen beginnt ein sozialer  Abstieg. Während Studienabbrecher noch relativ weich  fallen, weil sie in unserer boomenden Wirtschaft mit Sicherheit einen Job finden, sieht die Perspektive  für Schüler ohne Schulabschluss düster aus. Sie können keine Berufsausbildung beginnen und landen im Sektor der prekären Beschäftigungsverhältnisse: als Paketboten oder  Hilfsarbeiter in der Logistikbranche. Für beide Gruppen hat sich die Verheißung sozialen Aufstiegs durch Bildung nicht erfüllt. Es ist verwunderlich, dass unsere Bildungsgesellschaft dieses ureigene Versprechen nicht mehr uneingeschränkt zu erfüllen  vermag, obwohl noch nie so viel Geld für Bildung ausgegeben wurde wie heute. Weiterlesen

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Journalistische Schulschelte

In den letzten drei  Monaten mussten viele Eltern notgedrungen als Hilfslehrer der Nation fungieren. Ihre Kinder saßen zu Hause fest und erhielten – mehr oder weniger zuverlässig – von ihren Lehrern Aufgaben zugeschickt.  Manchmal  wurden sie auch in  kleine  Video-Konferenzen eingebunden. Man kann sich vorstellen, dass manche Eltern damit überfordert waren, sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit  im Homeoffice auch noch um die quengelnden Sprösslinge zu kümmern.  Auch einige  Journalisten  scheinen damit  schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.   In Artikeln  haben sie   ihrer   Frustration Luft gemacht. Im SPIEGEL schrieb  ein Redakteur, „keine anderer Bereich unserer Gesellschaft [habe] in der Coronakrise annähernd so versagt wie das Schulsystem“. In der ZEIT forderte ein Autor   „gewisse Minimalstandards“, die man von „Schulen beim Lernen erwarten dürfte“. Im  Homeschooling ist sicher nicht alles rund gelaufen.  Da es in den Bundesländern  für die Schulen keine einheitlichen digitalen Standards gibt, blieb bei der digitalen Unterrichtsversorgung der Schüler vieles dem Zufall und dem persönlichen Engagement  der  Lehrkräfte  überlassen. Mich ärgert allerdings  der Zeitpunkt der harschen Schulkritik.  Geht man als Journalist  schulischen Mängeln nur auf den Grund, wenn man  persönlich davon  betroffen ist?  Wenn spätestens nach den Sommerferien die Schulen aller Bundesländer  wieder zum Normalbetrieb zurückkehren, werden die  Forderungen  nach mehr Schulqualität  wieder verstummen. Niemand wird sich  dann noch  um „Minimalstandards“ kümmern, die  doch  auch  der Präsenzunterricht  allzu selten erfüllt. Weiterlesen

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Nur Mittelmaß wird gefördert

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 10. 01. 2020

 Die jüngste PISA-Studie zeigt, dass  leistungsschwache Schüler weiter abgehängt werden. Aber auch die  Zahl der  leistungsstarken Schüler stagniert. Die  Unterrichtskonzepte gehören  auf den Prüfstand. 

Alle drei Jahre schaut  die Nation gebannt auf die Zahlen, die die aktuelle PISA-Studie zutage fördert. Am 3. Dezember 2019 war es wieder so   weit. Trösten können wir uns mit den Ergebnissen nicht.  Zwar landen die deutschen Schüler  in den drei getesteten Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften wieder über dem OECD-Durchschnitt,  in  allen drei Disziplinen sind sie aber  gegenüber den Ergebnissen von 2016 abgerutscht. Alarmierend ist vor allem, dass der Anteil der „Risikoschüler“  steigt.  Ein Fünftel der Schüler  schafft  es nicht, einfachste  Texte zu lesen und zu verstehen. Unter den Schülern mit Migrationsgeschichte ist es jeder vierte.  Besonders schlecht schneiden die  nichtgymnasialen Schulformen ab. Hier versagen  29,2 Prozent der Schüler beim Lesen. Die Autoren der Studie  sprechen von einem „besorgniserregenden Befund“.

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Pädagogische Moden bringen Schüler nicht weiter

Inklusion, Selbstlernen, ein freundlicher Umgang miteinander – das allein bringt niemanden zum Abitur. Das konservative Leistungsprinzip ist besser als sein Ruf.  

 Wenn man sich heutzutage  im Lehrerzimmer zu einer konservativen Pädagogik bekennt, hat man einen schweren Stand. Den vorwiegend jungen Kollegen gehen die Floskeln einer  linken Pädagogik flüssig von den Lippen: Kinder aller Begabungen in einer Klasse? Kein Problem!  Das Leistungsprinzip im Unterricht? Wichtiger ist ein freundliches Lernklima! Der  pädagogische  Mainstream, der seit Jahren den gesellschaftlichen Diskurs über Bildung prägt, hat sich auch in den Köpfen vieler  Lehrkräfte  eingenistet. In den täglichen Gesprächen im Lehrerzimmer kann man dann aber Erstaunliches vernehmen. Wenn ein Mathelehrer erschöpft aus der 8 b kommt und klagt: „Wie haben die es nur aufs Gymnasium geschafft?“, gerät die Verheißung  vom „längeren gemeinsamen Lernen“ offensichtlich  an ihre Grenzen. Spätestens beim Mittleren Schulabschluss und vor allem im Abitur kehrt auch  das Leistungsprinzip mit Macht zurück. Freundlicher Umgang mit Schülern  – eigentlich  eine  Selbstverständlichkeit – hilft den  Schülern nicht über diese Hürden hinweg. Viel Unaufrichtigkeit  ist  im Spiel, wenn Lehrer  eine „fortschrittliche“ Pädagogik verteidigen. Oft klingt es, als wolle man sich partout  zu den angesagten  pädagogischen Moden   bekennen, weil es als anstößig gilt,  als konservativ wahrgenommen zu werden. Mich amüsiert diese Schizophrenie: In der Theorie tickt man links, in der Praxis neigt man dann doch zur altbewährten Praxis. Vielleicht hatte der große konservative Denker Joachim Fest recht, als  er sagte: „Die Wirklichkeit ist immer konservativ.“ Weiterlesen

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Sackgasse Berlin

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 25. Sept. 2019

Seit Jahren landen die Schüler der Hauptstadt beim Vergleich der Länder auf dem letzten Platz.  Die Schulverwaltung weigert sich hartnäckig, die Rezepte erfolgreicher Bundesländer zu übernehmen. Eine Abrechnung.

Auswärtige Expertise soll es jetzt richten: Eine Kommission unter Prof. Olaf Köller vom Leibniz-Institut für die  Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel hat die Arbeit aufgenommen, um die Misere des Berliner Schulsystems zu durchleuchten und auf Abhilfe zu  sinnen. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sah sich zu diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen, weil  sich zu Beginn des neuen Schuljahres die Katastrophenmeldungen über die Berliner Schule häuften.  Aktuelle Schulleistungsdaten verweisen Berlins Schüler wieder einmal auf den letzten Platz.  Im „Bildungsmonitor 2019“ der Neuen Initiative Soziale Markwirtschaft (NISM) erreicht die Hauptstadt bei der Schulqualität nur 10 von möglichen 100 Punkten, der Sieger Sachsen glänzt mit 85 Punkten. Beim „Vera 3“- Vergleichstest, der die Leistungen der Grundschüler misst,  erfüllen in Deutsch  52 Prozent  nicht den durchschnittlichen Standard, in Mathematik sind es 56 Prozent. Von 2015 bis 2017 ist die Anteil der Schüler ohne Abschluss von 9,3 Prozent auf 11,7 Prozent gestiegen. Im bundesdeutschen  Durchschnitt beträgt die Quote nur 6,9 Prozent. Die Bildungsverwaltung musste zu Schulahrbeginn zugeben, dass bis zum Schuljahr 2021/2022  bis zu  9.500 Schulplätze  fehlen. Wegen all dieser schlechten Nachrichten legte der  „Landeselternausschuss Berlin“ der Schulsenatorin indirekt den Rücktritt nahe, weil er ihr  nicht mehr zutraut, Berlins Schulen aus der Misere herauszuführen.  Diese Attacke hat die SPD kalt erwischt, hatte sie doch gerade finanzielle Wohltaten unters Wahlvolk gestreut: kostenlose Kita, Freiticket im Öffentlichen Nahverkehr, freies Essen in der Schule. Diese Spendierfreudigkeit bestätigt wieder einmal, dass für die SPD  Schulpolitik  letztlich Sozialpolitik ist. Sie ist auch eine  Form von Ablasshandel: Geld soll den Unmut der Eltern über die schlechten Schülerleistungen besänftigen. Der Elternverband schreibt sarkastisch,  das durch die Freitickets eingesparte Geld  müsse  locker wieder ausgegeben werden, um Nachhilfe oder  eine  Privatschule zu bezahlen. Weiterlesen

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Auch schwierige Schüler haben Potential

Abgedruckt in der WELT vom 14. 08. 2019

In vielen Problemschulen kapitulieren Lehrkräfte und lassen sich an „leichtere“ Schulen versetzen. Exzellenz gibt es bei uns nur in der Beletage des Bildungssystems.  Warum nicht auch im Souterrain?

Jedes Jahr  verlassen in Deutschland knapp 50.000 Schüler die Schule ohne  Abschluss.  Diese Zahl ist wie in Stein gemeißelt.  Dabei sind die Ursachen für  Schulversagen   gut erforscht. Dauerhaftes Schwänzen steht  an erster Stelle.   Schulbehörden greifen inzwischen durch.  Gegen uneinsichtige Eltern  verhängen sie Bußgelder. Säumige  Kinder werden  auch schon mal  von der Polizei zur Schule gebracht. In vielen Großstädten gibt es Polizeistreifen, die morgens um 10 Uhr   in den Elektronikmärkten Jugendliche  „einsammeln“ und zur Schule bringen. Wer über einen längeren Zeitraum den Unterrichtsstoff versäumt, hat über kurz oder lang so große Lücken, dass er sie kaum noch ohne fremde Hilfe  füllen kann. Ein Teufelskreis beginnt: Um der Schmach des Versagens im Unterricht zu entgehen, bleibt der Schüler lieber ganz der Schule fern. Funktionale Analphabeten berichten, dass sie schon in der Grundschule wegen  Schwänzens den Anschluss verloren hätten. Aus Scham und Frust hätten sie nur noch  versucht, sich bis zur Ausschulung ohne Schreiben  durchzumogeln.  Sich die Schreibhand zu verbinden, ist dabei ein beliebtes  Täuschungsmittel. Weiterlesen

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Den Schaden haben die Schwächsten

Veröffentlicht in der Zeitung DIE WELT vom 26. 07. 2019.

Das egalitäre Bildungskonzept der Grünen negiert die unterschiedlichen Begabungen der  Schüler. Und der Wunsch  nach individualisiertem Lernen  führt zu einer Benachteiligung  bildungsferner Kinder.

Seit ihrer Niederlage bei der Bundestagswahl 2017 arbeiten die Grünen an einem Imagewechsel.  Sie wollen das Bild von der  Bevormundungs- und Verbotspartei vergessen machen und sich als politische Kraft präsentieren, die für die großen Zukunftsprobleme  mehrheitsfähige, „bürgerliche“ Lösungen anbietet. Das gegenwärtige Hoch bei den Meinungsumfragen scheint den grünen Strategen recht zu geben. Es lohnt sich, nicht nur den schön klingenden Losungen zu vertrauen, sondern einen Blick in das Kleingedruckte zu werfen.  In der Schulpolitik sind die Grünen  immer noch mit fragwürdigen linken Konzepten unterwegs. So findet sich im Grundsatzprogramm  das linke   Glaubensbekenntnis: Die Schüler sollen „länger miteinander und voneinander lernen“. Ungeachtet ihrer intellektuellen Voraussetzungen, Begabungen und Lerneinstellungen sollen alle Schüler möglichst lange  in derselben  Klasse unterrichtet werden. Begabung als Grundlage des Schulerfolgs von Kindern  wird explizit angezweifelt und stattdessen auf den Lernprozess vertraut, der alle Schüler  schon auf den gleichen Stand bringen werde. Die Grünen fordern sogar  „eine längere gemeinsame Grundschulzeit“, obwohl das Beispiel Berlins, wo die Grundschule sechs Schuljahre umfasst, nur abschrecken kann. Sechs Grundschuljahre verkürzen die Verweildauer am G8-Gymnasium auf sechs Schuljahre, was nicht ausreicht, um die Schüler verlässlich  auf das Studium vorzubereiten.   Das Wort „Leistung“ kommt im  Schulprogramm der Grünen ohnehin nicht vor. Weiterlesen

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Jugend muss forschen

Veröffentlicht in der WELT vom 04. Juni 2019

Bei den Patenten liegt Deutschland abgeschlagen hinter den USA und China. Unsere Schulen sollten sich mehr um Hochbegabte kümmern, damit sie die Erfindungen von morgen machen – und unseren Wohlstand sichern.

Beim PISA-Test 2015 befanden sich unter den 12 Ländern, die die Leistungstabelle anführten, acht  asiatische Länder. Seit Einführung dieses Ländervergleichstests  haben sie sich kontinuierlich  an die Spitze vorgearbeitet. Deutschland rangierte 2015 nur  auf dem 16. Platz von 70 teilnehmenden Ländern. Seit 2012 ist  beim PISA-Test im Fach Mathematik  der Anteil der besonders leistungsstarken deutschen  Schüler, die die höchste  Kompetenzstufe 6 erreichen,   von 18% auf 13% zurückgegangen, während er im OECD-Durchschnitt nur um 2% gesunken ist. Auch in Kompetenzstufe 5 ist ein Rückgang zu verzeichnen.  Im Jahr  2017 hat China 1.306.000 internationale Patente angemeldet, die USA 526.000. Deutschland ist mit 176.000 Patenten weit zurückgefallen. Unter den 20 führenden  Hightech-Unternehmen der Welt gibt es  mit  SAP  nur eine einzige deutsche Firma. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Hochbegabte, Leistungsbereitschaft, Schülerleistungen, Stärkung des Gymnasiums

Rote Laterne auf ewig?

Berlin entwickelt sich  zum Italien der Schulpolitik, wenn es sich weiterhin weigert, von den erfolgreichen Bundesländern zu lernen. Einschneidende  Reformen sind unumgänglich.

In der  Bildungspolitik hat es noch nie geschadet, wenn der dafür verantwortliche Minister oder Senator vom Fach ist. Die Komplexität des  Kosmos Schule   kann nur jemand voll verstehen, der in der Schule als Lehrkraft oder – besser noch –  als Schulleiter gewirkt hat. Fehlt einem Verantwortlichen diese profunde Kenntnis, neigt er gerne dazu, sich an ideologischen Vorgaben seiner Partei  festzuhalten, die ihm Sicherheit versprechen. Pragmatische Problemlösungen  sind dann kaum zu erwarten.  Dass die Berliner Schule im Leistungsvergleich der Bundesländer  seit Jahren den letzten Platz belegt, hat auch etwas mit dem beruflichen Hintergrund der Schulsenatoren zu tun. In den letzten 40 Jahren  waren  nur zwei Bildungssenatoren  Lehrer:  Hanna-Renate Laurien (CDU) und Sybille Volkholz (Grüne). Alle  anderen hatten eine andere Profession. Es gab  Juristen (Klemann), Politologen (Böger), Chemiker (Zöllner) und  Sozialpädagoginnen (Stahmer, Scheeres). Wenn in einem  Krankenhaus eine bahnbrechende  neue Operationstechnik entwickelt wird, werden alle Krankenhäuser bemüht sein, die Erfindung zum Wohl der Patienten baldmöglichst einzuführen. Bei der  Berliner Bildungsbehörde muss man  hingegen den Eindruck gewinnen, dass sie es partout vermeidet, von den erfolgreichen Bundesländern zu lernen. Lieber will man  die Rote Laterne behalten,  als  sich einzugestehen, dass man jahrelang   falsche Konzepte verfolgt hat. Weiterlesen

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