Archiv der Kategorie: Leistungsbereitschaft

Bei vielen Menschen hat sich die Haltung verfestigt, dass Leistung in der Schule unmenschlich sei. Sie sprechen von „Leistungsdruck“ und „Drill“, wodurch die Kinder in ihren menschlichen und sozialen Fähigkeiten „verbogen“ würden. Stimmt das?

„Di Foirwer retete eine oile aus dem Stal“ – Wie unsere Schüler das Schreiben verlernen

Veröffentlicht in   „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Bildungswelten)                                       

06. 04. 2017

Am 4. Mai 2017 werden sich in  400 Berliner Grundschulen 28.000 Schüler der dritten Klassen über ein Aufgabenblatt beugen, das ihnen eine einheitliche Schreibaufgabe abverlangt.  An diesem Tag  findet der  landesweite  Test „VERA 3“ im Fach Deutsch statt. Schüler und Eltern werden der Veröffentlichung der Ergebnisse mit Interesse entgegensehen. Die Berliner Schulverwaltung wird diesen Tag eher mit Bangen erwarten. Die Besorgnis hat gute Gründe. Beim „VERA 3“-Test im Schuljahr  2014/2015 waren die Ergebnisse für die Berliner Grundschüler verheerend. Die Hälfte der Drittklässler erfüllte nicht die Mindestanforderungen an die Rechtschreibung, die die Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegt hatte. Sie können, wie es im Kommentar des Instituts für Schulqualität (ISQ) hieß, gerade einmal „lautgetreu“ schreiben. Im Klartext heißt das: Die Schüler bringen Wörter so  zu Papier, wie sie  sie hören, nicht aber,  wie sie korrekt geschrieben werden. Auch in den Folgejahren verbessern sich die  Schreibleistungen der Schüler nicht, wie die schlechten Ergebnisse   beim  Deutsch-Test „VERA 8“  belegen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Lehrplanverfehlungen, Leistungsbereitschaft, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

Ideologie oder Kindeswohl?

Wie   eine  unsoziale  Schulpolitik unseren Kindern schadet

Im beschaulichen Kleve, nahe  an der niederländischen Grenze gelegen, ist der Schulkampf ausgebrochen. Es kämpfen nicht Schüler gegen unbeliebte Lehrer, wie dies ab und zu vorkommt  – nein, Eltern gehen auf die Barrikaden, weil sie ihre Kinder durch die von oben verordnete Zuweisung zu einer weiterführenden Schule benachteiligt sehen. Am 21. Februar wollen sich die Eltern mit ihren Kindern vor dem Gebäude des Rats der Stadt zum Protest versammeln. Was war geschehen? Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte

Kulturkampf gegen PISA

 Kritik an den von der OECD organisierten PISA-Studie hat es immer schon gegeben. Anfänglich kam sie von den Bildungspolitikern, die sich nicht in die Karten schauen lassen wollten, weil die Testergebnisse für die Schulen, für die  sie zuständig waren, schlecht ausfielen. Das waren in Deutschland vor allem die von der SPD regierten Bundesländer. Ihnen war es unangenehm, durch die Testergebnisse auf Versäumnisse – vor allem auf abgesenkte Leistungsstandards – hingewiesen zu werden. Die PISA-Ergebnisse waren in dieser Hinsicht eindeutig: Die Länder mit einem gegliederten Schulsystem schnitten erheblich besser ab als die Länder, in denen egalitäre Schulformen überwiegen. Schon 1999 hatte die „Arbeitsgemeinschaft für Bildung“ in der SPD gefordert, auf einen innerdeutschen PISA-Vergleich zu verzichten: „Es ist ohne Test vorherzusagen, dass Länder mit selektiven Schulsystemen, die den Schulstrukturreformen der letzten 30 Jahre widerstanden haben, bessere Schülerleistungen in allen Schulformen haben werden.“ Das Unbehagen der SPD-Kultusminister hatte damals einen Grund: Die Vergleichstests für Mathematik und Naturwissenschaften (TIMSS) für die 7. und 8. Klassen hatten einen Leistungsabstand von anderthalb Schuljahren zwischen den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen  ergeben. Gesamtschulen hatten dabei  deutlich schlechter als Realschulen und weit schlechter als Gymnasien abgeschnitten. Weiterlesen

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Rote Laterne für Berlin

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Bildungswelten, 17. 11. 2016

Rote Laterne für Berlin

von Rainer Werner

Lernbüros, Stationenlernen, Freiarbeit und offener Unterricht gelten als schülerfreundliche Methoden – auf ihre Wirksamkeit überprüft wurden sie aber nie. Berlin praktiziert sie dennoch weiter und muss bei Leistungsvergleichen eine Niederlage nach der anderen einstecken.

Seit Jahren belegt das Land Berlin im bundesweiten Schulvergleich den letzten oder vorletzten Platz. In diesem Jahr haben gleich zwei Studien diese trostlose  Platzierung   am Ende der Länderskala bestätigt: die Studien des „Instituts der Deutschen Wirtschaft“  und des „Instituts für Qualitätsentwicklung im  Bildungswesen“. Das Deprimierende dieser Befunde liegt darin, dass eine Besserung der Schulqualität nicht in Sicht  ist. Teilweise haben sich die schulischen Leistungen sogar  verschlechtert, wie die Erhöhung der Zahl der Schüler ohne   Schulabschluss von 9%  (2014) auf 11%  (2015) zeigt.

Die neue Legislaturperiode des Berliner Abgeordnetenhauses und des Senats von Berlin bietet die Gelegenheit, endlich die Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um aus dem „Tal der Tränen“ herauszukommen. Dabei sollte der neue Senat das beherzigen, was der pädagogische Sachverstand für die Qualitätssteigerung  einer Schule als besonders wirksam herausgefunden hat. In der Medizin gilt  es als  selbstverständlich, dass  nur Therapien und Medikamente zur Anwendung kommen, deren Wirksamkeit eindeutig erwiesen ist. In der Pädagogik kann man oft den Eindruck gewinnen, dass das   politisch Wünschenswerte an die Stelle dessen tritt, was wirklich Qualität verspricht.  Weiterlesen

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Eingeordnet unter Leistungsbereitschaft, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

Bessere Bildung durch mehr Geld?

Über die Sozialdemokratie gibt es das Bonmot, wonach sie für jedes gesellschaftliche Wehweh ein passendes Pflaster parat hält: ein Geldgeschenk. Für eine Partei der Solidarität, die eigentlich ein kritisches Verhältnis zum Geld haben sollte, ist das zumindest eine merkwürdige Haltung. Als wollte die SPD das Vorurteil bestätigen, ihr gehe es nur ums Geld, wurde jüngst publik, dass sie folgende Forderungen ins „Wahlprogramm 2017“ schreiben wolle: Beitragsfreiheit für alle Kitas, neun Milliarden Euro für die Sanierung der Schulen, hohe Finanzmittel für die flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen und hohe Beträge für die „digitale Aufrüstung“ der Schulen. Eine bessere Bildung durch höhere finanzielle Aufwendungen erzwingen zu wollen, ist gut gemeint, geht aber an der Problematik unseres Schulsystems vorbei. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsqualität

Verteidigung der Gesamtschule

Das deutsche Erbrecht kennt die Regelung, dass man ein  Erbe   ausschlagen kann. Dies ist  vor allem dann ratsam, wenn man von dem Verstorbenen Schulden erbt, die man mit dem eigenen Vermögen nicht begleichen kann. In der Politik kommt es selten vor, dass man das politische oder moralische Erbe negiert, das von einem früheren Heros der Partei überkommen ist. So sonnt sich die  CDU  heute noch im Glanze  Konrad Adenauers. In der SPD ist Willy Brandt fast zur Heiligenfigur aufgestiegen. Mit der Sachpolitik früherer Parteiführer geht man schon etwas vorsichtiger um. Manches Erbteil wird auch schlicht verweigert.  So distanzieren sich heute große Teile der  SPD  von der Agenda 2010 von Gerhard Schröder, obwohl diese Reform die Grundlage für unser heutiges Wirtschaftswachstum gelegt und den Sozialstaat vor dem Kollaps bewahrt hat. Schändlich geht die SPD heute mit einer Schulform um, die sie einst erfunden hat und die auf eine lange, ehrwürdige Geschichte zurückblicken kann: die Gesamtschule. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

Rote Laterne – auf ewig?

Deprimierendes Zeugnis  für das Berliner Schulsystem

Seit Jahren schon belegt Berlin im innerdeutschen Ländervergleich des Schulsystems unter 16 Ländern den letzten Platz. Auch die neueste Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft („Bildungsmonitor 2016“) weist Berlin wieder die Rote Laterne zu. Nur im Hochschulbereich liegt Berlin über dem bundesweiten Durchschnitt. In der Schulqualität rangiert Berlin weit abgeschlagen auf dem letzten Rang. Dies erscheint auf den ersten Blick verwunderlich, belegt Berlin doch bei den Betreuungsbedingungen (Unterrichtsstunden je Klasse, Lehrer-Schüler-Relation) den 2. Platz und bei der Förderinfrastruktur (Kitabesuch, Anzahl der gebundenen Ganztagsschulen) den 4. Platz. Es muss also an etwas liegen, was in Berlin ganz selten diskutiert wird, ja fast zum Tabu erklärt worden ist: Es liegt an den Defiziten in der  Unterrichtsqualität. Weiterlesen

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