Archiv der Kategorie: Sozialer Aufstieg durch Bildung

Viele Kinder und Jugendliche sehen sich auf der Verliererstraße. Durch häusliche Defizite benachteiligt, werden sie schon früh – in der Kita und in der Grundschule – abgehängt. Dabei bietet Bildung die einzige Möglichkeit, aus einem problematischen Milieu aufzusteigen.

Das Bildungsroulette

Ich kann mich noch gut an den Brief einer Schülerin erinnern, die mit ihren Eltern von Berlin nach München gezogen war. Sie klagte darüber, dass sie, die ehemals gute Schülerin, in München nur im Mittelfeld landete. In zwei wichtigen Fächern (Englisch und Mathematik) war die Klasse im Stoff  über ein ganzes Schuljahr weiter als ihre Berliner Klasse. Sie beschrieb den Unterricht als straff geführt, die gestellten Aufgaben als absolut verbindlich – kurzum: Es handelte sich um die Leistungskultur, die die Berliner Schulen – auch die Gymnasien – allzu oft vermissen lassen. Die Schülerin schaffte, wie sie mir später mitteilte, mit großen Anstrengungen den Anschluss und bald darauf auch das Abitur. Sie konnte sich damit trösten, dass das bayerische Abitur unter der Hand mehr wert ist als das anderer Bundesländer. Bei Bewerbungsgesprächen gilt es als besonderes Qualitätssiegel. Weiterlesen

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Integration auf Vietnamesisch

In Deutschland leben  ca. 150 000 Vietnamesen. Es sind die Nachfahren der sog. Boat-People, die in den späten 1970er Jahren aus humanen Gründen in unserem Land aufgenommen wurden. Es sind auch die Nachkommen der Vietnamesen, die die ehemalige DDR als „Vertragsarbeiter“ aus dem kommunistischen Nordvietnam aufgenommen hatte. Im Unterricht habe ich viele Kinder mit vietnamesischem Hintergrund unterrichtet und mit ihnen nur gute Erfahrungen gemacht.  Im Lehrerzimmer haben die Kollegen manchmal gefeixt: Die lieben Vietnamesen machen etwas falsch. Sie sind nicht aufsässig, verstoßen nicht gegen die Regeln, beschimpfen die Lehrerinnen nicht als „deutsche Schlampen“, sie sind höflich und zuvorkommend – und leistungsorientiert. Und deshalb stehen sie nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit, wie das z.B. türkische oder arabische Jugendliche ständig zu tun pflegen. Weiterlesen

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Ein Schritt vorwärts – zwei Schritte zurück

Alarmierender  Rückschritt in der Schulqualität

Mitte August 2017 wurde der „Bildungsmonitor 2017“ veröffentlicht, der vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ in Köln jedes Jahr herausgegeben wird. Diese Studie untersucht die Qualität von Bildung in Schule und Hochschule  und erstellt daraus ein Ranking der Bundesländer. Wie  zu erwarten war, belegen auch dieses Jahr  die Länder Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg  die vordersten Plätze. Die drei Länder Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin rangieren am Ende  der Tabelle. Studiert man die Ergebnisse der Studie im einzelnen, fallen einige Verbesserungen ins Auge. So nahm die Qualität in den Handlungsfeldern Internationalisierung um 16,5 Punkte, bei der  Förderinfrastruktur um 10,7 Punkte und bei den  Betreuungsbedingungen um 8,8 Punkte zu. Alarmierend ist hingegen die Abnahme der Schulqualität um 7,3 Punkte. Diese Verschlechterung ist deshalb besorgniserregend, weil die Schulqualität den Kernbereich der Bildung betrifft. Weiterlesen

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Ist die Schule daran schuld?

 Immer wieder kann man in der Zeitung  lesen, in Deutschland gehe es deshalb ungerecht zu, weil die Aufstiegserwartungen junger Menschen aus der sozialen Unterschicht nicht erfüllt würden. Selbst begabten Schülern falle es zunehmend schwer, in höhere Regionen –  Abitur oder Hochschulabschluss – aufzusteigen.  Die Schuld daran wird fast immer der Schule zugewiesen, die es nicht schaffe, die sozial benachteiligten Schüler ausreichend zu motivieren. Unterstützung bekommen diese Kritiker stets von Organisationen wie der OECD und der Bertelsmann-Stiftung, die seit Jahren  beklagen, dass bei uns der schulische Erfolg  der Kinder noch zu sehr vom Geldbeutel der Eltern abhänge. Weiterlesen

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Zeit für das Leistungsprinzip

Alle politischen Beobachter sind sich darüber einig, dass die  SPD-geführten Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen auch deshalb abgewählt wurden, weil ihre  Schulpolitik gravierende Mängel aufweist, die den Eltern nicht verborgen bleiben konnten. Ich spreche hier nicht von den Dauerbaustellen „G8 oder G9?“  oder „Inklusion“, die vor allem in NRW negativ zu Buche schlugen, weil sich die grüne Bildungsministerin Sylvia Löhrmann nicht sehr professionell anstellte. Wenn ich von Defiziten spreche, meine ich die grundsätzliche Ausrichtung der Schulpolitik auf das  ewige  SPD-Ziel  „Mehr Gerechtigkeit“. Wenn man dieses Prinzip in der Schule nämlich überstrapaziert, muss es zwangsläufig mit einem anderen Prinzip kollidieren: mit der Leistungsfähigkeit der Schule, also  mit den schulischen Leistungen der Schüler und mit der Qualität der Abschlüsse, die sie erreichen. Weiterlesen

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Alternative Fakten im Bildungsdiskurs

Als Lehrer bin ich immer wieder aufs Neue irritiert, wenn ich Artikel in seriösen Presseerzeugnissen lesen muss, die von „Bildungsexperten“ verfasst worden sind und die dennoch der Komplexität des Themas in keiner Weise gerecht werden. So erging es mir, als ich den Artikel „Auslese fürs Gymnasium / So sortiert Deutschland seine Kinder aus“ in der Online-Ausgabe des  SPIEGEL lesen musste (13. 05. 2017). Autorin ist Silke Fokken, ihres Zeichen freischaffende Autorin mit dem Schwerpunkt Bildung. Schon die Überschrift des Artikels  ist auffallend reißerisch. Die Begriffe „Auslese“ und „sortieren“ erzeugen die Assoziation  einer kalten Sortiermaschine, mit  deren Hilfe faules Obst oder angeschlagene Eier aussortiert und anschließend entsorgt werden. Wie die  Zwischenüberschriften zeigen („Wir haben ein schreiend ungerechtes Schulsystem“), sind solche Konnotationen durchaus gewollt. Es hätte mich auch gewundert, wenn in dem Artikel die Lieblingsvokabel rot-grüner Schulkritik – Selektion – gefehlt hätte. Weiterlesen

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Gefühlte Wahrheiten statt Fakten

Es ist kein gutes Zeichen, wenn selbst Medien, die sich aufklärerischem Denken verpflichtet fühlen, die Analyse von Fakten durch suggestiv dargebotene „gefühlte Wahrheiten“ ersetzen. So geschah es in der Titelgeschichte des SPIEGEL „So gut /so  schlecht geht es den Deutschen“ (Heft 9/2017). Da liest man folgenden Satz:

„Noch immer studieren hierzulande vor allem Kinder, deren Eltern selbst Akademiker sind.“

Die Aussage des Satzes ist richtig, trotzdem erklärt er so gut  wie nichts. Er soll auch nichts erklären, sondern ein Gefühl bedienen: So ungerecht geht es zu in Deutschland. Nicht einmal das „Aufstiegsversprechen im Wirtschaftswunderland“ (SPIEGEL) werde eingelöst. Schuld sei der Neoliberalismus, der in  seinem Effektivitätsdenken die Schwachen – die Arbeiterkinder – zurücklässt. Damit stimmt der SPIEGEL in den Gerechtigkeitssound ein, den  zur Zeit Martin Schulz (SPD) landauf, landab anstimmt. Merkwürdig, dass sich selbst  Journalisten, die der kühlen Analyse verpflichtet sind, vom Erlösungsversprechen eines Politikers anstecken lassen. Weiterlesen

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