Monatsarchiv: Mai 2015

Wie Sozialpolitik als Bildungspolitik ausgegeben wird

Journalisten schreiben gerne über Bildung. Bei diesem Thema können sie sich der Aufmerksamkeit des lesenden Publikums sicher sein. Viele Menschen finden sich im Dschungel der oftmals konfusen   Bildungspolitik nicht zurecht. Ständig werden neue Schulformen gegründet, modische didaktische Konzepte kreiert und neue Rahmenlehrpläne verfasst. Kein Laie kann ergründen, ob all diese pädagogischen Wundermittel auch helfen. Auch die häufigen Bildungsstudien verwirren mehr, als sie aufklären. Denn jeder Bildungspolitiker liest aus ihnen das heraus, was seiner Politik schmeichelt. Das Negative wird zumeist schamhaft verschwiegen. Angesichts dieser Verunsicherung fühlen sich Journalisten dazu berufen, aufzuklären und den Menschen Orientierung zu geben. Die Frage ist nur, ob sie dazu fähig sind, über Bildungsfragen kompetent Auskunft zu geben. Seit ihrer Schulzeit kennen sie die Schule nur noch von außen. Das Innenleben des komplizierten schulischen Kosmos muss ihnen deshalb fremd sein. Manche Autoren flüchten sich deshalb in weltanschauliche Debatten (welche Schulform ist die richtige?). Andere pflegen ihr spezielles Steckenpferd (z.B. die Schule sei unterfinanziert). Viel Erhellendes kann man aus solchen Artikeln nicht erfahren. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Leistungsbereitschaft, Sozialer Aufstieg durch Bildung

Individualisiertes Lernen – Anspruch und Wirklichkeit

In Baden-Württemberg wird seit dem Machtantritt der grün-roten Landesregierung im Jahre 2011 das (bisher besonders erfolgreiche) Schulsystem grundlegend umgestaltet. Ziel ist eine „Schule für alle“ – die Gemeinschaftsschule, in der Kinder aller Begabungen gemeinsam unterrichtet werden. Um die extreme Heterogenität, die in den Lerngruppen herrscht, pädagogisch handhaben zu können, setzen die Bildungsplaner auf das in Fachkreisen umstrittene Konzept des „individualisierten Lernens“. Es wird auch als „selbstorganisiertes Lernen“ bezeichnet. Jeder Schüler arbeitet für sich einen passgenauen Lernplan ab, wobei die Lehrkraft nur noch als „Lernbegleiter“ fungiert.

Das didaktische Konzept des individualisierten Lernens ist zu jung, um schon von der Wissenschaft seriös bewerten werden zu können. In Internetforen findet man allerdings viele Stellungnahmen von Eltern, deren Kinder der Segnungen dieser Unterrichtsform teilhaftig geworden sind. Und diese Urteile sind alles andere als ermutigend. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

Pädagogik des Neids

Im Bremer Stadtteil Horn-Lehe legen 85 eines Schülerjahrgangs das Abitur ab. Im Stadtteil Gröpelingen hingegen nur 15%. Nicht-Bremer werden die beiden Stadtteile nicht kennen. Deshalb ist es ratsam, sich Expertise von der Politik einzuholen. Die Partei „Die Linke“ klärt uns auf: Nirgends sei der Bildungserfolg der Kinder so stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig wie in Bremen. Also wissen wir jetzt: In Horn-Lehe wohnen die Reichen, in Gröpelingen die Hartz-IV-Empfänger. Man fragt sich weiter: Was hat der Schulerfolg der Kinder mit dem „Geldbeutel der Eltern“ zu tun? In Deutschland ist der Besuch staatlicher Schulen und Universitäten kostenlos. Für minderbemittelte Eltern gibt es das sog. Bildungspaket, in dem Geld für Bücher, Unterrichtsmaterial und das Mittagsessen in der Schulmensa enthalten ist. Für Klassenfahrten kommt entweder das Job-Center oder der Sozialfonds der Schule auf. Wo spielt das Geld also noch eine Rolle? Weiterlesen

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Eingeordnet unter Lehrplanverfehlungen, Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität