Monatsarchiv: März 2016

Unreife Abiturienten

Anfang März hat es in der Innenstadt von Köln Schlachten zwischen Abiturienten verschiedener Gymnasien gegeben, die völlig aus dem Ruder liefen. Hunderte Schüler gingen mit Böllern, Farbbeuteln, Eiern und selbst gebastelten Wurfspießen so heftig aufeinander los, dass es zahlreiche Verletzte gab. Als die Polizei eingriff, wurde auch sie angegriffen, so dass auch einige Beamte verletzt wurden. Im Internet hatten sich die Abiturienten mit aggressiven Videos für die Attacken aufgeputscht. Dort sah man eine Horde mit schwarzen Masken vermummter Kämpfer martialische Gesten vollführen und wilde Kampfschreie ausstoßen.

Hintergrund der Gewaltentladungen ist die sog. Motto-Woche, die Abiturienten vor einigen Jahren in ganz Deutschland eingeführt haben, um vor dem schriftlichen Abitur die letzte reguläre Schulwoche in Verkleidung zu begehen. In den meisten Schulen der Republik geht diese Maskerade gewaltfrei über die Bühne. Man sieht Prinzessinnen mit glitzernder Krone, als Frosch verkleidete Märchenprinzen und strenge Burgfräulein die Schulflure entlangflanieren. Von den unteren Jahrgängen werden diese Kreationen bestaunt und bewundert. Auch die Lehrkräfte erfreuen sich an Verwandlungskunst und schöpferischer Phantasie, die ihre Schüler, von denen sie sich bald für immer verabschieden müssen, an den Tag legen. Als harmloses Abschiedsritual   gegründet, häufen sich neuerdings Vorfälle, die den Schulen nicht gefallen können: systematische Unterrichtsstörungen, laute Musikbeschallung und Verschmutzung der Gebäude.   Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern

Nachlässiger Umgang mit pädagogischen Fakten

Als Lehrer muss man immer wieder erleben, dass in der Presse in einer Weise über die Schule geschrieben wird, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen. So geschah es jüngst in der Titelstory des SPIEGEL (11/2016): „Die geteilte Nation“. Dort finden sich folgende Pauschalurteile über Lehrer und über unser Schulsystem: „Wer aus einem Hartz IV-oder einem Migrantenviertel stammt, hat bei den Lehrern oft schlechte Karten.“ / „…ein Bildungssektor, der Unterschichtskinder pauschal zu Verlierern stempelt.“

Als Lehrer mit langer Berufserfahrung bin ich verwundert darüber, wie wenig die Redakteure ihre Behauptungen durch Recherchen an den Schulen oder durch die Auswertung von Statistiken untermauert haben. Den Redakteuren des SPIEGEL genügt es anscheinend, wenn sie über die Schule schreiben, eine starke Meinung zu haben. Wenn man der Frage, wie Schulversagen entsteht, nachgeht, stößt man auf eine Fülle an Material. Man muss nur die Statistiken der Schulbehörden und auch der Kriminalpolizei (Schulversagen korreliert mit Delinquenz) einsehen, um die nötige Auskunft zu bekommen. Schulversagen beginnt in aller Regel mit Schulschwänzen. Es gibt Abgänger ohne Abschluss, die summa summarum ein ganzes Schuljahr geschwänzt haben. In allen Bundesländern gibt es, weil man um das Problem inzwischen weiß, ein Frühwarnsystem und eine Meldepflicht an unterschiedliche Behörden. In Berlin gibt es sogar eine spezielle Polizeieinheit, die morgens um 10 Uhr durch die Einkaufszentren streift, um Schulschwänzer einzufangen und in die Schulen zu bringen. Trotzdem konnte das Schwänzen nicht nennenswert eingedämmt werden. Wenn Bußgelder verhängt werden, weigern sich die Familien, es zu zahlen. Bei Hartz-IV-Familien wird es von der Arbeitsagentur übernommen. Dann zahlt eine staatliche Behörde das Bußgeld, das eine andere Behörde gegen eine Familie verhängt hat. Absurder geht´s nimmer. Am Schwänzen hat all dies wenig geändert. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized