Monatsarchiv: April 2015

Odenwaldschule am Ende

Zum Ende des laufenden Schuljahres stellt die ehrwürdige Odenwaldschule in Ober-Hambach den pädagogischen Betrieb ein. Seit der Aufdeckung des Missbrauchsskandals im Jahre 1998 waren die Schülerzahlen stetig gesunken, so dass die Schule immer mehr in die roten Zahlen rutschte. Alle Versuche, die Schule durch eine seriöse Aufarbeitung der Affäre und durch effektive Präventionsmaßnahmen zu stabilisieren, waren letztlich vergeblich. Zuletzt besuchten noch 114 Schüler das Internat – viel zu wenige für einen kostendeckenden Betrieb. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Privatschulen

Was ist eine „chancengerechte“ Schule?

Die Gesamtschule, an der ich meine erste feste Lehrerstelle erhielt, wollte eines Tages wissen, was aus den Schülern geworden ist, die die Schule ohne Abschluss (damals war der Hauptschulabschluss der niedrigste Schulabschluss) verlassen hatten. Haben sie sich trotzdem im Leben bewährt? Sind sie beruflich doch noch erfolgreich gewesen? Unsere Recherchen förderten über zwanzig Menschen zutage, die ihr Leben meisterten und – wir registrierten es mit Verblüffung – beruflich außerordentlich erfolgreich waren.  Ein Fall ist mir besonders im Gedächtnis haften geblieben, weil er so bemerkenswert ist. Klaus (so nenne ich ihn) war in der Schule völlig „daneben“, ein renitenter Störer, wie er im Buche steht. Er verließ die Gesamtschule ohne Abschluss und schlug sich dann jahrelang als Hilfsarbeiter durch. Plötzlich fing sich der junge Mann, machte an der Abendschule alle schulischen Abschlüsse nach, studierte Medizin und wurde schließlich Chefarzt in einer Universitätsklinik. Diese Biographie verdeutlicht exemplarisch, was Lehrern manchmal einzusehen schwer fällt: Schule ist nicht alles. Der formale Schulabschluss sagt vor allem nicht alles über die Person aus, die ihn erwirbt oder die an ihm scheitert. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Privatschulen, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode

Kopftuchurteil mit Folgen

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Kopftuchstreit hat bei der Abwägung zwischen der Neutralitätspflicht staatlicher Institutionen und der freien Glaubensausübung auch für Staatsbedienstete zugunsten der individuellen Freiheit der Lehrkraft entschieden. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren, wie zu erwarten war, gemischt. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky nannte das Urteil eine „Katastrophe“ und das Kopftuch ein „Besitzzeichen des Mannes“. Für die muslimische Journalistin Kübra Gümüsay hingegen ist das Kopftuch „Ausdruck ihrer Spiritualität“ und demzufolge unbedingt zu erlauben – auch auf dem Kopf einer Lehrerin. Die Soziologin Necla Kelek sieht in dem Urteil eine indirekte Ermunterung zum „Kopftuchzwang“. Die Journalistin Iris Radisch schrieb in einem Leitartikel der ZEIT ein flammendes Plädoyer gegen das Urteil der Richter: „Nicht mit mir!“. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Lehrplanverfehlungen, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität