Archiv der Kategorie: Unterrichtsmethoden

Unterrichten ist ein Handwerk. Das dazu nötige Werkzeug nennt die Fachwissenschaft, die Didaktik, die Unterrichtsmethoden. Nicht jede ist gleich erfolgreich. Es gibt aber Methoden, die – richtig angewendet – den Unterrichtserfolg verbürgen.

Das Bildungsroulette

Ich kann mich noch gut an den Brief einer Schülerin erinnern, die mit ihren Eltern von Berlin nach München gezogen war. Sie klagte darüber, dass sie, die ehemals gute Schülerin, in München nur im Mittelfeld landete. In zwei wichtigen Fächern (Englisch und Mathematik) war die Klasse im Stoff  über ein ganzes Schuljahr weiter als ihre Berliner Klasse. Sie beschrieb den Unterricht als straff geführt, die gestellten Aufgaben als absolut verbindlich – kurzum: Es handelte sich um die Leistungskultur, die die Berliner Schulen – auch die Gymnasien – allzu oft vermissen lassen. Die Schülerin schaffte, wie sie mir später mitteilte, mit großen Anstrengungen den Anschluss und bald darauf auch das Abitur. Sie konnte sich damit trösten, dass das bayerische Abitur unter der Hand mehr wert ist als das anderer Bundesländer. Bei Bewerbungsgesprächen gilt es als besonderes Qualitätssiegel. Weiterlesen

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Ein Schritt vorwärts – zwei Schritte zurück

Alarmierender  Rückschritt in der Schulqualität

Mitte August 2017 wurde der „Bildungsmonitor 2017“ veröffentlicht, der vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ in Köln jedes Jahr herausgegeben wird. Diese Studie untersucht die Qualität von Bildung in Schule und Hochschule  und erstellt daraus ein Ranking der Bundesländer. Wie  zu erwarten war, belegen auch dieses Jahr  die Länder Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg  die vordersten Plätze. Die drei Länder Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin rangieren am Ende  der Tabelle. Studiert man die Ergebnisse der Studie im einzelnen, fallen einige Verbesserungen ins Auge. So nahm die Qualität in den Handlungsfeldern Internationalisierung um 16,5 Punkte, bei der  Förderinfrastruktur um 10,7 Punkte und bei den  Betreuungsbedingungen um 8,8 Punkte zu. Alarmierend ist hingegen die Abnahme der Schulqualität um 7,3 Punkte. Diese Verschlechterung ist deshalb besorgniserregend, weil die Schulqualität den Kernbereich der Bildung betrifft. Weiterlesen

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Tropfende Dächer sind schuld

Die SPD will im Bundestagswahlkampf auch mit der Bildung punkten. In Anzeigen, die in Magazinen wie SPIEGEL oder „Stern“ platziert wurden, kann man lesen: „Wenn es in den Schulen ins Dach reinregnet oder die Kinder nicht zur Toilette gehen können, brauchen Sie…Handwerker.“ Gleichzeitig wurde bekannt, dass im rot-grün regierten Hamburg 5,1 Prozent der Abiturienten (das sind 500 Schüler) das Abitur nicht geschafft haben. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte. Hinzu kommt, dass schon im Vorfeld 7,9 Prozent der Schüler von allein aufgegeben hatten oder wegen schlechter Vorzensuren nicht zum Abitur zugelassen worden waren. Die schlechten Abiturleistungen erklären sich damit, dass zum ersten Mal Aufgaben aus dem bundesweiten Abituraufgaben-Pool verwendet wurden, mit  denen Hamburgs Abiturienten offensichtlich überfordert waren. Im Umkehrschluss kann man schlussfolgern, dass das Abitur in Hamburg  im Vergleich der Bundesländer  in den letzten Jahren zu leicht war. Angesichts der Hamburger Abiturergebnisse müsste die  SPD eigentlich  ihren Slogan ändern: „Wenn fünf Prozent der Abiturienten das Abitur nicht bestehen, muss dringend die Didaktik des Unterrichts  geändert werden.“ Eine solche Forderung wird man wohl vergeblich lesen. Für die SPD, die in den 1960er Jahren die Partei der bildungspolitischen Innovation schlechthin war, hat Bildung nur noch mit „mehr Geld“ zu tun. Was in den Klassenzimmern passiert, die schön saniert worden sind, interessiert sie weniger. Dabei gäbe es dafür Anlass genug. Weiterlesen

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Rote Laterne für Berlin

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Bildungswelten, 17. 11. 2016

Rote Laterne für Berlin

von Rainer Werner

Lernbüros, Stationenlernen, Freiarbeit und offener Unterricht gelten als schülerfreundliche Methoden – auf ihre Wirksamkeit überprüft wurden sie aber nie. Berlin praktiziert sie dennoch weiter und muss bei Leistungsvergleichen eine Niederlage nach der anderen einstecken.

Seit Jahren belegt das Land Berlin im bundesweiten Schulvergleich den letzten oder vorletzten Platz. In diesem Jahr haben gleich zwei Studien diese trostlose  Platzierung   am Ende der Länderskala bestätigt: die Studien des „Instituts der Deutschen Wirtschaft“  und des „Instituts für Qualitätsentwicklung im  Bildungswesen“. Das Deprimierende dieser Befunde liegt darin, dass eine Besserung der Schulqualität nicht in Sicht  ist. Teilweise haben sich die schulischen Leistungen sogar  verschlechtert, wie die Erhöhung der Zahl der Schüler ohne   Schulabschluss von 9%  (2014) auf 11%  (2015) zeigt.

Die neue Legislaturperiode des Berliner Abgeordnetenhauses und des Senats von Berlin bietet die Gelegenheit, endlich die Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um aus dem „Tal der Tränen“ herauszukommen. Dabei sollte der neue Senat das beherzigen, was der pädagogische Sachverstand für die Qualitätssteigerung  einer Schule als besonders wirksam herausgefunden hat. In der Medizin gilt  es als  selbstverständlich, dass  nur Therapien und Medikamente zur Anwendung kommen, deren Wirksamkeit eindeutig erwiesen ist. In der Pädagogik kann man oft den Eindruck gewinnen, dass das   politisch Wünschenswerte an die Stelle dessen tritt, was wirklich Qualität verspricht.  Weiterlesen

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Verteidigung der Gesamtschule

Das deutsche Erbrecht kennt die Regelung, dass man ein  Erbe   ausschlagen kann. Dies ist  vor allem dann ratsam, wenn man von dem Verstorbenen Schulden erbt, die man mit dem eigenen Vermögen nicht begleichen kann. In der Politik kommt es selten vor, dass man das politische oder moralische Erbe negiert, das von einem früheren Heros der Partei überkommen ist. So sonnt sich die  CDU  heute noch im Glanze  Konrad Adenauers. In der SPD ist Willy Brandt fast zur Heiligenfigur aufgestiegen. Mit der Sachpolitik früherer Parteiführer geht man schon etwas vorsichtiger um. Manches Erbteil wird auch schlicht verweigert.  So distanzieren sich heute große Teile der  SPD  von der Agenda 2010 von Gerhard Schröder, obwohl diese Reform die Grundlage für unser heutiges Wirtschaftswachstum gelegt und den Sozialstaat vor dem Kollaps bewahrt hat. Schändlich geht die SPD heute mit einer Schulform um, die sie einst erfunden hat und die auf eine lange, ehrwürdige Geschichte zurückblicken kann: die Gesamtschule. Weiterlesen

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Gut gehütete Tabus

Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. 9. 2016 (Bildungswelten)

Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 startete die Pilotphase der Gemeinschaftsschule, an der zunächst  24  Berliner  Schulen teilnahmen. Inzwischen haben zwei  Schülergenerationen diese Schulform vollständig durchlaufen. Grund genug, Bilanz zu ziehen. Wenn eine neue Schulform gegründet wird, steht sie unter einem besonderen Rechtfertigungszwang. Sie muss unter Beweis stellen, dass sich ihre Gründung gelohnt hat, weil sie  gute Lernergebnisse erzielt. Dies wollen vor allem die Eltern wissen, die jedes Jahr aufs Neue vor der Frage stehen, in welche Schule sie ihre Kinder schicken sollen. Aber auch der Steuerzahler hat ein Recht darauf zu erfahren, ob die neue Schule die Investitionskosten wert ist, die sie verursacht hat.

Im März 2016 hat nun die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin, vertreten durch die Senatorin, Frau Sandra Scheeres, den Abschlussbericht zur Pilotphase der Gemeinschaftsschule der Öffentlichkeit vorgestellt und, wie es bei Politikern üblich ist, voreilig eine positive Bilanz gezogen. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch Zweifel an der Erfolgsbilanz  und viele Fragen, die nicht beantwortet werden. Weiterlesen

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„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ (Kurt Tucholsky)

Wie eine Schulform ihre eigenen pädagogischen Ziele ad absurdum führt

Am 23. 04. 2016 erschien in der „Stuttgarter Zeitung“ eine Anzeige von Eltern, die es in sich hat. Unter der  Überschrift  Was  denken die Eltern zur Schulpolitik? wird ein gruseliges Bild vom Lernprozess an den in Baden-Württemberg neu eingeführten Gemeinschaftsschulen gezeichnet.

Die Rechtschreibung der Schüler scheint an den Gemeinschaftsschulen  völlig  unter die Räder gekommen zu sein. Hier einige Kostproben aus Schülertexten: „Die Katze schlägt (schleckt!) einen grossen Teller Sane.“ / „Das Pferd galopiert einen grossen Greiss.“(Kreis) / „Die Augen sind rod und das Fell ist bund.“ Man kann getrost  vermuten, dass hier die Methode des phonetischen Schreibens (Schreib, wie du es hörst!) angewendet wurde, die auch anderen Ortes zu katastrophalen Ergebnissen geführt hat. Der Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb hat nach desaströsen Ergebnissen beim VERA-Vergleichstest der Grundschulen angekündigt,  von der umstrittenen Methode wieder Abstand nehmen zu wollen. Ein Redakteur von SPIEGEL-online hält diese Rechtschreibmethode für „unterlassene Hilfeleistung„. Der Medienwissenschaftler und Lektor  Dr. Peter Kruck von der Ruhr-Universität Bochum ist  der Meinung, dass die negativen Auswirkungen dieser verfehlten Unterrichtsmethode inzwischen schon an der Hochschule zu spüren seien: „Die meisten Lehramtsstudenten schaffen es nicht, zwei bis drei Sätze fehlerfrei zu schreiben.“ Weiterlesen

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