Archiv der Kategorie: Unterrichtsmethoden

Unterrichten ist ein Handwerk. Das dazu nötige Werkzeug nennt die Fachwissenschaft, die Didaktik, die Unterrichtsmethoden. Nicht jede ist gleich erfolgreich. Es gibt aber Methoden, die – richtig angewendet – den Unterrichtserfolg verbürgen.

Sozialpolitik statt Bildungspolitik

Das  neue Grundsatzprogramm der Grünen versteht Bildungspolitik primär als Sozialpolitik. Den Anforderungen unserer  Wissens- und Leistungsgesellschaft wird es   nicht  gerecht.

Wörter sind verräterisch, weil sie  die Geisteshaltung der Autoren enthüllen. Im Bildungskapitel des neuen Grundsatzprogramms der Grünen  findet sich  zehn Mal das Wort „sozial“, ergänzt durch  „ungleich“, „benachteiligt“ und „prekär“. Man glaubt, ein Dokument des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zu lesen. Folgerichtig wird  dann auch  – in einem Bildungsprogramm! – eine „höhere Besteuerung von Vermögen und Erbschaften“ gefordert. Die Grünen versuchen gar nicht zu verbergen, was sie in der Bildungspolitik antreibt. Sie schreiben: „Bildungspolitik und Sozialpolitik gehören zusammen“.   Die  sozialpolitische  Dominanz sieht man auch  daran, dass es im Bildungskapitel  ständig um Finanzen geht. Es  trägt die Überschrift „In Bildung investieren“, wo man doch eigentlich erwartet hätte: Die beste Bildung für unsere Kinder!  Der innerdeutsche Leistungsvergleich zeigt  deutlich, dass höhere Bildungsausgaben keineswegs  bessere Schulleistungen verbürgen. Das Siegerland Sachsen  gibt im Jahr pro Schüler  7.400 Euro  aus; das Schlusslicht  Berlin 9.700 Euro. Nicht Geld entscheidet über Bildungserfolge, sondern das pädagogische Konzept und seine  praktische Umsetzung.

Vom Schulprogramm einer Partei erwartet man, dass es auf die evidenten Schwächen unseres Schulsystems Bezug nimmt und stimmige Lösungen zu  ihrer Behebung anbietet. Ein ins Auge springender Mangel ist die hohe Quote an Schülern, die jährlich die Schule ohne Abschluss verlassen. Laut  „Bildungsmonitor“ des Instituts der Deutschen Wirtschaft von 2020 ist  die  Quote der Schulversager in Deutschland  seit  2013  von 5,2  Prozent  auf 6,8 Prozent gestiegen.  Jedes Jahr werden 54.000 Schüler – das entspricht der Einwohnerschaft von Wetzlar –  in eine ungewisse Zukunft entlassen.    Wenn sie  einen Lehrberuf beginnen, scheitern sie häufig an den Ansprüchen der Berufsschule.  Oft   landen sie   in Billigjobs,  im Hartz IV-System, nicht wenige auch  in der Delinquenz. Was sagt das grüne Schulprogramm zu diesem alarmierenden Befund? Es fordert lapidar: „Kein Bildungsschritt soll ohne Abschluss bleiben.“ – Nach pädagogischen  Rezepten, wie  das  gelingen kann, sucht man  vergebens.  

Die Schülerschaft  insgesamt ist  in ihren Leistungen zurückgefallen. Lagen deutsche Schüler  2015  beim PISA-Test   in Mathematik noch 16 Punkte über dem OECD-Durchschnitt, sind es 2019 nur noch 11 Punkte.  Dieser Trend nach unten wird  durch die Zahlen des  IQB-Bildungstrends 2018 betätigt. Demnach sind die Leistungen von Neuntklässlern in den Fächern Mathematik und in den MINT-Fächern  Biologie, Physik und Chemie im Vergleich zu 2012  signifikant  schlechter geworden. Alarmierend ist die Zahl der  Schüler, die in einigen Bundesländern unter den  Mindeststandards für den Mittleren Schulabschluss bleiben. In Schleswig-Holstein sind es 28,5 Prozent, in  Hamburg 28,8, im Saarland 31,2, in Berlin 33,9 und – absoluter Negativrekord – in Bremen 40,6 Prozent. Nur  Sachsen und Bayern schaffen es durchgängig, bei ihren Schülern  die Regel- und Mindeststandards zu sichern.

Wenn Schüler im Unterricht versagen, ist das immer ein Zeichen dafür, dass sie die Lehrkraft  mit ihren didaktischen Angeboten nicht erreicht.  An unseren Schulen werden heute  viele „moderne“ Lernmethoden eingesetzt, denen offensichtlich  die „kognitive Aktivierung“ (Bildungsforscher Olaf Köller) der Schüler nicht optimal gelingt. Die Schüler sind zwar  im Klassenzimmer aktiv, greifen sich am „Lernbüffet“ Material ab und kommunizieren mit ihren Klassenkameraden im „Karussell-Gespräch“. Was aber dabei  an Lernfortschritt und Wissenszuwachs herauskommt, ist in den meisten Fällen dürftig. Nur die leistungsstarken Schüler können mit „offenen“ Unterrichtsformen gewinnbringend umgehen. Der Lüneburger Erziehungswissenschaftler Martin Wellenreuther plädiert deshalb dafür, in stark heterogenen Lerngruppen das „entdeckende Lernen“ zugunsten  der „direkten Instruktion“ der Lehrkraft und des von ihr gelenkten Unterrichtsgesprächs  zu reduzieren. Er verweist dabei auf Erkenntnisse der Kognitionsforschung. Demnach erzeugt der  offene  Unterricht im Gehirn  nicht die kognitiven Schemata, an die die Schüler neu erworbenes Wissen andocken können. Da in den  Bundesländern mit schlechten Schülerleistungen überwiegend in integrativen Schulformen gelernt wird, deren Klassen eine starke Heterogenität aufweisen, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die dort praktizierten Varianten der Binnendifferenzierung einem effektiven Lernfortschritt im Wege stehen. Was sagt das grüne Schulprogramm zu dieser Problematik? Auf fünf Programmseiten findet sich zum Unterricht nur ein lapidarer Satz: Der „Unterricht [ist] so [zu] gestalten, dass er den natürlichen Wissensdurst, die Neugier und die Spielfreude junger Menschen fördert.“ Ob das die Botschaft ist, auf die 800.000 Lehrer in Deutschland gewartet haben?

Wenn ein  Schulkonzept der  „sozialen Gerechtigkeit“ verpflichtet ist, stehen die Verantwortlichen  immer in der Versuchung, bei der Vergabe von Schulabschlüssen  großzügig zu verfahren. In Berlin ist an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen die Zahl der Schüler deutlich  gestiegen, die den Übergang auf die gymnasiale Oberstufe schaffen. Dabei weisen sie, wie Olaf Köller in einem Interview im „Tagesspiegel“ enthüllte, ein niedrigeres Leistungsniveau auf  als die vorigen Jahrgänge.   Die Berliner Abiturienten erzielten im Corona-Abitur mit 2,3  einen besseren Notendurchschnitt als die Prüflinge des Vorjahrs, obwohl vor der Prüfung   der Präsenzunterricht ausgefallen war. Auch die Quote  der Abiturienten  mit der Idealnote 1,0  ist binnen Jahresfrist  von 2,1 auf 2,5 Prozent  gestiegen. Wunderbare Intelligenzvermehrung in Corona-Zeiten?  Es liegt nahe, dass in einem schulischen Klima, in dem ständig das „Soziale“ eingefordert wird,  bei Leistungsschwächen der Schüler großzügig verfahren wird. Man tut es ja für einen guten Zweck. Vor diesem Hintergrund versteht  man  die hohe Zahl an Studienabbrechern, die seit Jahren  ca.  30 Prozent beträgt. Wie das Bundesbildungsministerium ermittelt   hat, liegen die wichtigsten  Ursachen in zu hohen  Leistungsanforderungen (30 Prozent) und  mangelnder wissenschaftlicher  Motivation (17 Prozent). Ist es nicht die wichtigste Aufgabe des Gymnasiums, seine Absolventen auf die Anforderungen des  Studiums  vorzubereiten?

Insgesamt liest sich das grüne  Schulprogramm wie ein provinzielles  Kiez-Manifest. Die Wissenskonkurrenz, in der unser Land und die EU in der Welt  stehen, wird völlig ausgeblendet.   Die PISA-Studie von  2019 hat gezeigt, dass  sich unter den zehn besten Ländern sieben aus Asien befinden.  Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Innovationsstandort Deutschland verliert unser Land bei den wichtigen Zukunftstechnologien zunehmend  an Bedeutung. Gehörte Deutschland 2010 noch  in 47 dieser 58 Technologien  zu den drei Nationen mit den meisten Weltklassepatenten, so  hat sich dieser Anteil 2019 auf 22 Technologien mehr als halbiert. Deutschland  vernachlässigt offensichtlich die Förderung  seiner  intellektuellen Talente. Zwei  Prozent unserer Schüler  gelten als hochbegabt, weil sie einen  Intelligenzquotienten von über 130 haben.  Bei einer Gesamtschülerzahl von 10,9 Millionen sind das  218.000  Schüler.  Dies entspricht  der Einwohnerzahl der Stadt Mainz. Diese Schüler  im Unterricht nicht ausreichend zu fördern, verstößt nicht nur  gegen das Gebot der Humanität.  Es ist auch töricht, weil es diese jungen Menschen sind, die später die kreativen Geschäftsmodelle generieren, die unseren Wohlstand mehren. Statt noch mehr Sozialpolitik in der Schule benötigen wir eine intellektuelle Bildungsreform, die die schulischen Leistungen aller Schülergruppen verbessert. Maßstab für Unterrichtsqualität  sollten die  anspruchsvollen Bildungsstandards sein, die die KMK schon vor Jahren für alle Fächer  beschlossen hat. Sie müssen nur überall durchgesetzt werden.

Der Autor unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Deutsch und Geschichte.

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Was im Unterricht wirkt

Veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 15. Oktober 2020

Der stiere Blick auf die Schülerorientierung hat in Berlin zu einem Methoden-Fetischismus geführt

von Rainer Werner

In der Medizin werden nur solche Medikamente und Heilmethoden eingesetzt, die ihre Wirksamkeit erwiesen haben. Auf Placebo-Effekte möchte man lieber  nicht vertrauen. In der Pädagogik ist es  anders. Dort wird auch gerne  das praktiziert, was man für wünschenswert hält, weil man glaubt, damit seine gesellschaftspolitischen Ambitionen befördern  zu können. Der Bildungsforscher John Hattie hat in  seiner Studie „Lernen sichtbar machen“ (2009) nachdrücklich gefordert, sich an der Wirksamkeit pädagogischer Instrumente zu orientieren: „Der einzig sinnvolle Ansatz für die Auswahl der Unterrichtsmethode ist  ihre Wirkung auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler.“ In allzu vielen Klassenzimmern ist diese Mahnung ungehört  verhallt, wie man an den  schlechten Schülerleistungen in einigen Bundesländern  ablesen kann. Um Berlins Schulen aus der Dauermisere herauszuführen, hat eine Expertenkommission unter Leitung des Kieler Bildungsforschers Olaf Köller Vorschläge unterbreitet. Am 07. 10. 2020 wurden sie öffentlich vorgestellt.  Die Wissenschaftler  sprechen  von der „ausbleibenden Wirksamkeit“ der von der Bildungsverwaltung in den letzten Jahren auf den Weg gebrachten Maßnahmen. Im Kapitel „Unterrichtsqualität“  findet sich die wichtigste  Einsicht des ganzen Dokuments: Maßgeblich für die Qualität von Unterricht seien nicht die „Oberflächenstrukturen, z.B. die Frage, ob Stationenlernen oder Klassengespräche den Unterricht bestimmen, sondern die sogenannten Tiefenstrukturen.“ Damit ist das gemeint, was  Hattie „kognitive Aktivierung“ nennt. Die Schüler werden mit einem Lerngegenstand konfrontiert, den sie unter Anleitung des Lehrers  geistig erschließen. Es geht also um intellektuelles Verstehen und um die Speicherung des Gelernten im Gedächtnis. Der Vorrang der Unterrichtsmethode, der „Oberfläche“, lenkt laut Bericht von der entscheidenden Frage ab, die man an  jeden  Unterricht stellen muss:  Gelingt es dem Lehrer,  den Stoff so anschaulich und spannend zu vermitteln, dass die Schüler am Ende der Stunde einen messbaren Wissenszuwachs, vielleicht sogar  ein kleines Bildungserlebnis erfahren?

Seit Jahren wird in Berlin  den Referendaren nahegelegt, „schülerzentrierte Unterrichtsmethoden“ zu bevorzugen. Die Schulinspektion belohnt Schulen mit guten Bewertungen, wenn   im Unterricht die  Selbstaktivität der Schüler dominiert. Diese seit Jahren praktizierte Weichenstellung für den Unterrichtsprozess lässt die didaktische Erkenntnis außer Acht, dass die Lerngegenstände selbst  die angemessene Vermittlungsmethode nahelegen. Wenn ein Deutschlehrer  das Gedicht „Abendphantasie“ von Friedrich Hölderlin behandelt, wären schülerzentrierte Lernformen wie  Stationenlernen oder individuelles Lernen fehl am Platze. Der komplexe Gehalt des Gedichts und seine formale Gestaltung können nur im fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch sinnvoll erschlossen werden. Im zweiten Schritt können die Schüler dann selbst tätig werden, indem sie, z.B.  in Partnerarbeit, das vom Dichter verwendete  Wortfeld  oder die rhetorischen Figuren  analysieren. Kein vernünftiger Pädagoge redet heute noch dem monologisierenden Frontalunterricht alter Schule  das Wort. Falsch wäre es aber, auch das vom Lehrer gelenkte Unterrichtsgespräch als zu lehrerdominant zu verdammen. Mit dem fragend-entwickelnden Verfahren erzielt man hervorragende Ergebnisse. Es ist vor allem dann unverzichtbar, wenn es gilt, komplexe Sachverhalte und Sinnzusammenhänge zu erarbeiten. Auch bei der Einführung in einen neuen Lerngegenstand  ist es sehr effektiv. Wenn in Geschichte die Reformation Martin Luthers behandelt wird, umreißt der Lehrer  den historischen Kontext und formuliert die Leitfragen, die es im Unterricht zu beantworten gilt. In der anschließenden Erarbeitungsphase analysieren die Schüler in Partner- oder Gruppenarbeit die historischen Quellen, mit deren Hilfe man die Leitfragen beantworten kann. Die Ergebnissicherung gehört wieder  in die Hand des Lehrers. Die Lernformen gehorchen also  der Logik des Stundenverlaufs. 

Ich habe in  der Ausbildung  von Referendaren erlebt, wie sehr sie bestrebt waren, die in  Berlin besonders beliebte  didaktische Mode des „methodengeleiteten Unterrichts“ anzuwenden. Um der  Erwartungshaltung  der Fachseminarleiter gerecht zu werden, wählten  sie  vor allem die  Methoden, die „selbstgesteuertes Lernen“ ermöglichen. Kaum eine Unterrichtsstunde kam ohne Stationenlernen, Fishbowl und Lerntheke  aus. „Methodenvielfalt“ im Unterricht ist bis heute  ein unhinterfragtes  Axiom. Gerade in heterogenen Lerngruppen glaubt man, die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler  am besten mit methodischer Vielfalt   bewältigen  zu können. Anscheinend traut man Schülern mit Migrationsgeschichte nicht  zu, dass auch sie vom Lernstoff  gefesselt sein können. Meine  Beobachtung solcher Stunden hat gezeigt, dass das Bestreben, in einer Stunde  mehrere  Lernmethoden unterzubringen, häufig  dazu führt, dass sich die Methoden von den zu lernenden Inhalten entkoppeln. Der gekonnte Umgang mit den Methoden wird dann unter der Hand  zum eigentlichen Ziel des Unterrichts. Viel zielführender wäre es, vom geistigen Anspruch des Lerngegenstands auszugehen.  An einer Schule, die die kollegiale Hospitation der Lehrkräfte pflegt, habe ich die Biologiestunde eines älteren Kollegen  erlebt.  Fachlich hoch qualifiziert erzählte er im Gestus des dozierenden Professors, warum bei den Bonobo-Affen  die Weibchen das Sagen haben. Die Schüler hingen an  seinen Lippen. Dieser Lehrer konnte durch sein immenses Fachwissen und durch die Begeisterung, die er für „sein“ Fach ausstrahlte, die Schüler mitreißen. Die Kognitionsforschung hat herausgefunden, dass man sich Sachverhalte  besonders gut merkt, wenn sie mit einem emotionalen Reiz verbunden sind.  Deshalb lieben Schüler  einen  fesselnden Unterricht, der sie in die aufregende  Welt des Wissens mitnimmt. Wenn es den Lehrern  gelänge, in ihren Fächern  das spannende Potential freizulegen, das in den Lerngegenständen schlummert,  wäre für die Unterrichtsqualität  mehr gewonnen, als wenn sie im 15-Minutentakt  Lernmethode und   Medium wechseln.

Laut Expertenkommission weisen Berlins Schulen die meisten Unterrichtsstörungen aller Bundesländer auf. Dieser Befund lässt auf handwerkliche Defizite in  der Unterrichtsführung schließen. Eine ruhige Arbeitsatmosphäre  ist die Grundvoraussetzung  jeden Unterrichts. Mitunter muss man  mit einer Lerngruppe  die Ruhe im Unterricht wochenlang üben. Vielleicht scheuen manche Lehrer  diese anstrengende  Tätigkeit und nehmen dafür in Kauf, dass der geistige Prozess des Unterrichts ständig unterbrochen wird.

Nach der Erkenntnis von John Hattie hat der Lehrer  den größten Einfluss auf die Lernleistung. Nur wenn er sein Handwerk optimal  beherrscht, werden die Schüler erfolgreich lernen. Hattie hat herausgefunden, dass eine „Lehrperson mit großem Effekt“ bei ihren Schülern einen Lernvorsprung von bis zu einem Jahr gegenüber Gleichaltrigen erzielt, die von einem schwächeren Lehrer  unterrichtet werden. Deshalb muss Berlin  alles tun, um  den Unterricht der Lehrer  zu verbessern.  Die im Rhythmus von drei Jahren vorgeschriebene Interne Evaluation  ist dafür ein gutes  Instrument.  Wenn die  Schulleitungen   den Unterricht der  Lehrer  begutachten, sollten sie anders als bei der Schulinspektion üblich  die ganze  Stunde beobachten. Nur so kann man erkennen, ob es dem Pädagogen gelingt, den Unterricht als geistigen Prozess anzulegen und ihn zu einem lehrreichen Ende zu führen. Die  Schulinspektion selbst muss  vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Statt die Anwendung wünschenswerter  Unterrichtsmethoden zu kontrollieren,   sollte  sie künftig die Qualität des Unterrichts überprüfen. Sie kann man daran festmachen, dass die Schüler aus dem geistigen Prozess, den der Lehrer  organisiert, einen Mehrwert an Wissen schöpfen.  Das alleine zählt.

Der Autor unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Deutsch und Geschichte.

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Pädagogischer Befreiungsschlag für Berlins Schulen?

Am 07. 10. 2020 stellte die   „Qualitätskommission“, die seit September 2019 unter  Vorsitz des Kieler Bildungsforschers Prof. Olaf Köller getagt hatte, ihre Ergebnisse vor. Vieles  an den Vorschlägen  ist  durchaus  bemerkenswert, vor allem wenn man die jahrelange Ignoranz des Bildungssenats in der Praxis  miterlebt hat. Auffällig ist, dass das Wort Leistung, das  Schulsenatorin  Sandra  Scheeres und ihr Mitarbeiterstab bisher eher  gemieden haben, im Abschlussdokument der Kommission mehrfach  vorkommt.

Dass die sprachliche Grundbildung in der Kita dringend verbessert werden muss, wird von Experten seit Jahren gefordert. Gescheitert ist  dieses Vorhaben bislang  an der Weigerung vieler Eltern, ihre Kinder an der vorgeschriebenen Sprachstanderhebung teilnehmen zu lassen. Für Kita-Kinder findet dieser Test  15 Monate vor der  Einschulung statt. Wenn  Bedarf festgestellt wird, wird das Kind in einem Sprachentwicklungsprogramm gezielt gefördert. Wenn  Kinder zu Hause erzogen werden, was vor allem  Eltern mit Migrationsgeschichte tun, fallen sie   durch den Rost. Dann werden Kinder eingeschult, die nur mangelhaft Deutsch sprechen.  Wenn die Basiskompetenz in Deutsch fehlt, wenn Alltagsfertigkeiten nur ungenügend ausgebildet sind und wenn das Kind zu Hause die für das Lernen wichtige Selbstregulierung nicht gelernt hat, führt das zur Benachteiligung in allen Unterrichtsfächern. Was fordert die Kommission?  Man solle „alle Nicht-Kita-Kinder auffinden und bedarfsgerecht fördern.“ –  Wie das  gelingen kann, wird nicht ausgeführt.  Wenn man Berlins Laisser-faire-Haltung  kennt, muss  man die Befürchtung hegen, dass   alles beim alten bleibt.

Bei der Bewertung der Unterrichtsqualität  legt  der Bericht einen  Mangel  bloß, bei dem Berlin gegenüber den anderen Bundesländern einen traurigen Rekord hält: In Berlins Klassenzimmern gibt es die meisten Unterrichtsstörungen. Wenn der Unterricht durch Disziplinlosigkeiten ständig  unterbrochen werden muss, muss  der  geistige Prozess,  den der Lehrer in Gang gesetzt hat,  Schaden nehmen.  Der Verlust von zehn  Minuten pro Unterrichtsstunde summiert sich im  vierstündigen Fach Deutsch  im ganzen  Schuljahr  auf ein Defizit von 26,6  Stunden. In den anderen Fächern mag es ähnlich aussehen.  Muss  man sich da noch wundern, dass Berlins Schüler bei Leistungsvergleichen schlecht abschneiden? Ich habe als Lehrer  pädagogische Konferenzen erlebt, in denen über die Regeln  des Unterrichts gestritten wurde. Immer gab es Pädagogen, die der Selbstregulierung der Schüler das Wort geredet haben. Das Pochen auf  Regeln wurde als autoritäre Disziplinierung abgetan.   Manche Lehrkräfte  wollten nicht einsehen, dass die Konzentration auf ein geistiges Problem und der ruhige Austausch darüber  eine Kulturleistung darstellt, ohne die Unterricht schlechterdings nicht möglich ist. Ich will nicht ausschließen, dass es auch Lehrkräfte gibt, die vom Unterricht im multikulturellen Hotspot  Schule überfordert sind. In Berlins Sekundarschulen sitzen mitunter Schüler aus 15 Nationen in einer Klasse. Hier stoßen  kulturelle und religiöse  Prägungen, Jugendstile und pubertäres Gebaren hart  aufeinander. Damit umgehen zu können, erfordert Einfühlungsvermögen, Durchsetzungskraft  und  die fachliche Kompetenz,  auch lernunwillige  Schüler für den Lernstoff zu begeistern. Künftig sollte ein   Schwerpunkt der Lehreraus- und Fortbildung auf dem Umgang mit solchen Ausdrucksformen von Diversität  gelegt werden.

Im Kapitel „Unterrichtsqualität“  findet sich die wohl revolutionärste Einsicht des ganzen Dokuments: Maßgeblich für die Qualität von Unterricht seien nicht die „Oberflächenstrukturen, z.B. die Frage, ob Stationenlernen oder Klassengespräche den Unterricht bestimmen, sondern die sogenannten Tiefenstrukturen.“ Damit ist das gemeint, was der Bildungsforscher John Hattie „kognitive Aktivierung“ nennt. Mit diesem Satz wird die Heilige Kuh  „schülerzentrierte Unterrichtsmethoden“ abgeräumt und die Frage in den Fokus gerückt, die man an  jeden  Unterricht stellen muss:  Gelingt es der Lehrkraft, den Stoff so anschaulich und spannend zu vermitteln, dass die Schüler am Ende der Stunde einen messbaren Wissenszuwachs, vielleicht sogar  ein kleines Bildungserlebnis erfahren? Berlin hat  den Referendaren jahrelang  vorgeschrieben, dass sie den Schwerpunkt auf schülerzentrierte Lernmethoden legen sollen. Der Fragebogen der Berliner  Schulinspektion ist so gestaltet, dass die Schulen, die noch das Unterrichtsgespräch (Schimpfwort:   Frontalunterricht) pflegen, durch  schlechte Bewertungen bestraft  werden. Dabei ist  unerheblich, ob die  favorisierten  „schülerfreundlichen“ Lernmethoden tatsächlich   einen Lernzuwachs erbringen. Unter den negativ bewerteten Schulen waren auch solche, die bei  Leistungstests wie MSA und Vera 8  besonders  gut abgeschnitten haben. Ich habe Unterrichtsstunden von Referendaren gesehen, die vor Methodenwechsel und Medieneinsatz nur so sprühten. Als ich am Ende der Stunde einen Schüler fragte, was er heute über die Novemberrevolution  gelernt habe, wusste er nichts zu sagen. An einer Schule, die die kollegiale Hospitation der Lehrkräfte pflegt, habe ich die Biologiestunde eines älteren Kollegen erlebt.  Fachlich hoch qualifiziert erzählte er im Gestus des dozierenden Professors, warum bei den Bonobo-Schimpansen die Weibchen das Sagen haben. Die Schüler hingen an  seinen Lippen. Dieser Lehrer konnte durch sein immenses Fachwissen und durch die Begeisterung, die er für „sein“ Fach versprühte, die Schüler mitreißen. Die Kognitionsforschung hat herausgefunden, dass man sich Sachverhalte  besonders gut merkt, wenn sie mit einem emotionalen Reiz verbunden sind.  Deshalb lieben Schüler  einen  fesselnden Unterricht, der sie in die aufregende  Welt des Wissens mitnimmt. Wenn es den Lehrkräften gelänge, in ihrem Fach das spannende Potential freizulegen, das in den Lerngegenständen schlummert,  wäre für die Unterrichtsqualität  viel gewonnen. Man darf gespannt sein, wie die Schulverwaltung die geforderte „kognitive Aktivierung“ im Klassenzimmer umsetzt. Die meisten Handreichungen für einen methodenzentrierten Unterricht, für Stationenlernen, Fishbowl und Karussellgespräch, müssten wohl  in der Versenkung verschwinden.

Um eine Heilige Kuh macht die Kommission einen großen Bogen. Vermutlich hat die Partei, der die Senatorin angehört, hier eine „rote“ Linie gezogen. Das Berliner Schulgesetz schreibt vor, dass in den integrativen Schulformen der leistungsdifferenzierte Unterricht  in Mathematik und Englisch ab Klasse sieben beginnen muss. In  Deutsch dürfen  sich die Schulen  bis Klasse  neun  Zeit lassen. Problematisch ist, dass das Gesetz den  Schulen  freie Hand lässt, die Differenzierungsmethode  selbst  zu bestimmen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Kollegien, denen die soziale Gerechtigkeit am Herzen liegt, die Binnendifferenzierung bevorzugen. Sie gehört aber zu den schwierigsten Handwerkstechniken einer Lehrkraft. Es ist äußerst anspruchsvoll, alle Stoffe in drei oder mehr Anspruchsniveaus aufzubereiten und sie dann in Form von  Gruppenarbeit erarbeiten zu lassen. Der Lerneffekt in Gruppen ist nach meiner Erfahrung selten optimal.  Besser wäre es, wenn den Sekundarschulen vorgeschrieben würde, die  Differenzierung in Form von  Fachleistungskursen vorzunehmen. Dieses Prinzip wird  an den Gesamtschulen bis heute erfolgreich angewendet. Wenn die schwachen Schüler in kleinen  homogenen Gruppen unterrichtet werden, erzielen sie deutlich bessere Leistungen, als wenn sie in der ganzen Klasse ständig mit den geistigen Überfliegern konfrontiert  sind, deren Geistesblitze sie als demütigend erleben. Nach meiner Erfahrung gehen viele Unterrichtsstörungen auf solche Versagenserlebnisse zurück. Es ist fatal, dass die Gesamtschule, die zu den erfolgreichsten sozialdemokratischen Erfindungen im Bildungssektor gehört,   inzwischen auch unter Selektionsverdacht gestellt wird.

Wenn es wirklich das wichtigste Anliegen der Kommission  ist, nur  das ins Werk zu setzen, was die Lernleistungen der Schüler verbessert, könnte ein  Leistungsvergleich  der unterschiedlichen Differenzierungskonzepte Klarheit schaffen. Man müsste nur die Lernleistungen an einer klassischen Gesamtschule mit denen einer Sekundarschule vergleichen: Kurssystem versus Binnendifferenzierung. Um diesen entscheidenden Qualitätstest  drücken  sich allenthalben  Schulpolitiker und leider auch Bildungsexperten. Vielleicht ahnen sie, wie das Ergebnis ausfallen würde.

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Ideologie siegt über Sachverstand

In der liberalen Presse waren  jüngst  Kommentare zu lesen, in denen die Hoffnung geäußert wurde, die Kultusminister der Länder würden sich endlich auf die Gründung  eines Nationalen Bildungsrates  verständigen. Dieser Rat werde – so die Erwartung der Autoren – die großen Aufgaben, die im Schulsystem der Lösung harren, endlich anpacken: Digitalisierung, Vergleichbarkeit des Abiturs, Angleichung der Schülerleistungen in den Bundesländern. Diese  optimistischen Erwartungen, die sich an den Bildungsrat heften, werden  nicht in Erfüllung gehen. Der Nationale Bildungsrat wäre – wenn er denn käme –   ein ebenso zahnloser Tiger,  wie es die Kultusministerkonferenz  bislang gewesen ist. Woran liegt das?  Bildungspolitik ist eines der letzten Politikfelder, in denen   Politiker ihren ideologischen Präferenzen freien Lauf lassen können. Weiterlesen

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Sozialer Aufstieg durch Bildung – passe´?

Unserem Schulsystem gelingt es immer weniger, die Verheißung des sozialen Aufstiegs durch Bildung  zu ermöglichen. Schuld ist eine Didaktik, die das Leistungsprinzip immer mehr in den Hintergrund drängt.

Jedes Jahr verlassen ca. 50.000 Schüler unsere Schulen ohne Abschluss. Das sind knapp sieben Prozent eines Schülerjahrgangs. Die Zahl entspricht der Einwohnerschaft von Goslar. Gleichzeitig brechen 840.000  Studenten der Bachelor-Studiengänge ihr Studium ab. Das sind rund 30 Prozent eines Studentenjahrgangs. Für beide Gruppen beginnt ein sozialer  Abstieg. Während Studienabbrecher noch relativ weich  fallen, weil sie in unserer boomenden Wirtschaft mit Sicherheit einen Job finden, sieht die Perspektive  für Schüler ohne Schulabschluss düster aus. Sie können keine Berufsausbildung beginnen und landen im Sektor der prekären Beschäftigungsverhältnisse: als Paketboten oder  Hilfsarbeiter in der Logistikbranche. Für beide Gruppen hat sich die Verheißung sozialen Aufstiegs durch Bildung nicht erfüllt. Es ist verwunderlich, dass unsere Bildungsgesellschaft dieses ureigene Versprechen nicht mehr uneingeschränkt zu erfüllen  vermag, obwohl noch nie so viel Geld für Bildung ausgegeben wurde wie heute. Weiterlesen

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Journalistische Schulschelte

In den letzten drei  Monaten mussten viele Eltern notgedrungen als Hilfslehrer der Nation fungieren. Ihre Kinder saßen zu Hause fest und erhielten – mehr oder weniger zuverlässig – von ihren Lehrern Aufgaben zugeschickt.  Manchmal  wurden sie auch in  kleine  Video-Konferenzen eingebunden. Man kann sich vorstellen, dass manche Eltern damit überfordert waren, sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit  im Homeoffice auch noch um die quengelnden Sprösslinge zu kümmern.  Auch einige  Journalisten  scheinen damit  schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.   In Artikeln  haben sie   ihrer   Frustration Luft gemacht. Im SPIEGEL schrieb  ein Redakteur, „keine anderer Bereich unserer Gesellschaft [habe] in der Coronakrise annähernd so versagt wie das Schulsystem“. In der ZEIT forderte ein Autor   „gewisse Minimalstandards“, die man von „Schulen beim Lernen erwarten dürfte“. Im  Homeschooling ist sicher nicht alles rund gelaufen.  Da es in den Bundesländern  für die Schulen keine einheitlichen digitalen Standards gibt, blieb bei der digitalen Unterrichtsversorgung der Schüler vieles dem Zufall und dem persönlichen Engagement  der  Lehrkräfte  überlassen. Mich ärgert allerdings  der Zeitpunkt der harschen Schulkritik.  Geht man als Journalist  schulischen Mängeln nur auf den Grund, wenn man  persönlich davon  betroffen ist?  Wenn spätestens nach den Sommerferien die Schulen aller Bundesländer  wieder zum Normalbetrieb zurückkehren, werden die  Forderungen  nach mehr Schulqualität  wieder verstummen. Niemand wird sich  dann noch  um „Minimalstandards“ kümmern, die  doch  auch  der Präsenzunterricht  allzu selten erfüllt. Weiterlesen

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Nur Mittelmaß wird gefördert

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 10. 01. 2020

 Die jüngste PISA-Studie zeigt, dass  leistungsschwache Schüler weiter abgehängt werden. Aber auch die  Zahl der  leistungsstarken Schüler stagniert. Die  Unterrichtskonzepte gehören  auf den Prüfstand. 

Alle drei Jahre schaut  die Nation gebannt auf die Zahlen, die die aktuelle PISA-Studie zutage fördert. Am 3. Dezember 2019 war es wieder so   weit. Trösten können wir uns mit den Ergebnissen nicht.  Zwar landen die deutschen Schüler  in den drei getesteten Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften wieder über dem OECD-Durchschnitt,  in  allen drei Disziplinen sind sie aber  gegenüber den Ergebnissen von 2016 abgerutscht. Alarmierend ist vor allem, dass der Anteil der „Risikoschüler“  steigt.  Ein Fünftel der Schüler  schafft  es nicht, einfachste  Texte zu lesen und zu verstehen. Unter den Schülern mit Migrationsgeschichte ist es jeder vierte.  Besonders schlecht schneiden die  nichtgymnasialen Schulformen ab. Hier versagen  29,2 Prozent der Schüler beim Lesen. Die Autoren der Studie  sprechen von einem „besorgniserregenden Befund“.

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Durch Bildung erziehen

An den  Schulen häufen sich Disziplinverstöße. Auch die Gewalt nimmt seit einigen Jahren wieder zu. Die moderne Didaktik schafft es offensichtlich nicht, die Schüler durch Bildung zu zivilisieren.  

Lange haben sich die Schulbehörden der Länder in der Gewissheit  gewiegt,  die Gewalt an Schulen werde – einem statistischen Trend folgend – weiter abnehmen. Seit 2015 gibt es allerdings wieder einen alarmierenden Anstieg von Gewalttaten von Schülern. In Nordrhein-Westfalen ist von 2015 bis 2017 die Zahl der Straftaten wie Körperverletzung, Nötigung, Raub  um  10 Prozent gestiegen. Auch im sonst so  sicheren Bayern stieg die Zahl der angezeigten schulischen Gewalttäter  von 2015 bis 2016 um 18,7 Prozent. In Berlin haben  Beleidigungen, Drohungen und Tätlichkeiten an Schulen ebenfalls  deutlich zugenommen. Seit einigen Jahren unterrichten an vielen  Schulen sog. Quereinsteiger, also Lehrkräfte ohne pädagogische Ausbildung. Etliche von ihnen haben vor den Schwierigkeiten des Unterrichts kapituliert und die Schule frustriert wieder verlassen. Ihre Erfahrungsberichte sind erschütternde Dokumente über chaotische Zustände in den Klassenzimmern: Es herrsche Disziplinlosigkeit, es tobe der Kampf jeder gegen jeden, üblich seien eine verrohte Sprache, Mobbing gegenüber Schwächeren und ein latentes Klima der Einschüchterung. Weiterlesen

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Copy paste ist noch kein Lernen

Veröffentlicht in der Tageszeitung „DIE WELT“ vom 30. 04. 2019

Laptops und Tablets machen den Schulalltag einfacher. Aber digitale Programme ersetzen keinen lebendigen Unterricht. Das uferlose Wissen im digitalen Kosmos lässt die Schüler oft hilf- und ratlos zurück.

 Wenn man als Lehrer wie ich noch aus der Kreidezeit stammt und sich kritisch über den Digitalisierungshype in der Schule äußert, gerät man schnell in den Verdacht, man sei technikfeindlich und wolle den Fortschritt in der Schule bremsen. Für die meisten Lehrkräfte, die noch die Zeit der Ormig-Vervielfältigung im Lehrerzimmer erlebt haben, trifft das beileibe nicht zu. Alle  benutzen sie Laptops und Tablets und  sind auch mit  der digitalen „Tafel“, dem Smartboard, bestens vertraut. Sie haben sich allerdings von den digitalen Verheißungen nicht den Kopf  vernebeln lassen. Sie stellen die  entscheidende Frage: Was ist der Mehrwert für den Unterricht? Diese Frage sind die Befürworter der digitalen Aufrüstung in den Klassenzimmern bislang schuldig geblieben. Weiterlesen

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Armut und Bildung

Erschienen in DIE WELT vom 7. März 2019

Wie kommt es, dass trotz einer boomenden Wirtschaft und Hunderttausender offener Stellen die Zahl der Abgehängten nicht sinkt? Viele Sozialpolitiker wollen das Problem durch höhere Sozialtransfers an bedürftige Familien lösen. Ein Fehler.

Deutschland hat in den letzten zehn Jahren einen beispiellosen Wirtschaftsboom erlebt. Seit dem Einbruch im Krisenjahr 2009 wächst das Bruttoinlandsprodukt stetig. Die Zahl der Beschäftigten ist auf  45 Millionen Menschen gestiegen, während die Arbeitslosenzahl auf 2,4 Millionen zurückging. Das entspricht einer Quote von 5,3  Prozent. Diese gute Bilanz wird  durch eine traurige Zahl getrübt: Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen  ist seit 2010 annähernd konstant. Im Jahr 2018  betrug  er 34,8 Prozent.  Wie kommt es, dass trotz einer boomenden Wirtschaft und 758.000 offener  Stellen die Zahl der Abgehängten  nicht abnimmt? Lässt man Ursachen wie Krankheit oder Drogensucht beiseite, ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei den Arbeitslosen um Menschen mit niedrigen  Qualifikationen  handelt. Die meisten von ihnen haben keinen Schulabschluss und deshalb auch keinen erlernten Beruf. Man kann auch vermuten, dass sich von den 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in unserem Land  eine gehörige Anzahl unter diesen Dauerarbeitslosen findet. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden, Verantwortung der Eltern