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Vom Betroffenheitskult zum Bildersturm

Es gehört schon eine gehörige Portion Ignoranz dazu, in dem Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer eine sexistische Botschaft zu entdecken: „….alleen und blumen und frauen und /ein bewunderer“. Wenn man sich nur genügend betroffen fühlt, scheint alles möglich. Subjektive  Betroffenheit ersetzt ästhetischen Sachverstand und historisches Bewusstsein. Ein Gedicht, das  vor 67  Jahren entstanden ist, wird mit der moralischen Messlatte von heute taxiert und für anstößig empfunden. Mit dem Verdikt aus feministischem Munde wird eine ganze Poetik des Begehrens dem  Orkus anheimgegeben. Seit es Liebeslyrik gibt, wird sie bestimmt vom männlichen Blick auf das Objekt der Begierde, die Frau. Und dort, wo es Lyrik von Frauen gibt (ja, es gibt sie auch),  ist es umgekehrt. Else Lasker-Schüler war nicht zimperlich, das Objekt ihrer Begierde poetisch zu umreißen: „An dem seligen Glanz deines Leibes / Zündet mein Herz seine Himmel an“. Am schönsten hat den männlichen  Blick auf die Frau Johann Wolfgang von Goethe in seinen „Römischen Elegien“ gestaltet: „Und belehr ich mich nicht, indem ich des lieblichen Busens / Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab?“. Den weiblichen Körper zu erkunden, war dem großen Erotiker auch ein Bildungserlebnis. Den lüsternen Blick, den die Berliner Studentinnen fälschlich in das harmlose Gedicht der „Konkreten Poesie“ hineinlesen, könnte man eher beim Erkunder römischer Kunstschätze und Frauen – Goethe –  entdecken: „Folgte Begierde dem Blick, folgte Genuss der Begier“. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse

Warum ich nicht mehr links bin

 „Sozialismus ist die Philosophie des Versagens, das Credo der Ignoranz  und das Glaubensbekenntnis des Neides.“   (Winston Churchill)

Das rauer gewordene gesellschaftliche Klima färbt auch auf persönliche Beziehungen ab. Freunde aus der gemeinsamen linken Vergangenheit fangen an, sich von mir zu distanzieren. Sie haben meine Verteidigungsschrift für das Gymnasium  gelesen („Fluch des Erfolgs. Wie das Gymnasium zur Gesamtschule light mutiert“, 2015) und werfen mir vor, für die „Selektion von Kindern“ einzutreten. Sie haben Essays von mir bei den  „Starken Meinungen“  gelesen und klagen mich an, mich von der Willkommenskultur des Herbstes 2015 zu distanzieren und mich dadurch „mit den Rechten “ gemein zu machen. Wie früher in der  katholischen Kirche ist man mit  Stigmatisierungen schnell zur  Hand, wenn ein „Ehemaliger“  vom rechten Glauben abgefallen ist. Und wie man sieht, verlieren Werte  wie Freundschaft, Loyalität und Treue an Bedeutung, wenn ideologische Überzeugungen im Spiele sind. Es wäre leicht, den Freunden von einst vorzuwerfen, sie hielten an linken Dogmen fest, die sich vor der Realität längst blamiert  haben  und die sie nur noch  als Lebenslügen mit sich herumtragen. Das würde sie kaum treffen. Man legt ja den wärmenden Mantel nicht ab, wenn es kalt um einen herum wird. Also versuche ich es auf anderem Wege. Ich zeichne nach,  weshalb ich die linken Denkmuster, die mich in den 1970er Jahren geprägt hatten, abgelegt habe. Dass ich mich bei diesem „Bekenntnis“  auf den Bereich der Bildung konzentriere, liegt in der Natur der Sache: Hier habe ich mein Links-Sein verlernt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsqualität