Archiv der Kategorie: Rolle des Lehrers

Rote Laterne auf ewig?

Berlin entwickelt sich  zum Italien der Schulpolitik, wenn es sich weiterhin weigert, von den erfolgreichen Bundesländern zu lernen. Einschneidende  Reformen sind unumgänglich.

In der  Bildungspolitik hat es noch nie geschadet, wenn der dafür verantwortliche Minister oder Senator vom Fach ist. Die Komplexität des  Kosmos Schule   kann nur jemand voll verstehen, der in der Schule als Lehrkraft oder – besser noch –  als Schulleiter gewirkt hat. Fehlt einem Verantwortlichen diese profunde Kenntnis, neigt er gerne dazu, sich an ideologischen Vorgaben seiner Partei  festzuhalten, die ihm Sicherheit versprechen. Pragmatische Problemlösungen  sind dann kaum zu erwarten.  Dass die Berliner Schule im Leistungsvergleich der Bundesländer  seit Jahren den letzten Platz belegt, hat auch etwas mit dem beruflichen Hintergrund der Schulsenatoren zu tun. In den letzten 40 Jahren  waren  nur zwei Bildungssenatoren  Lehrer:  Hanna-Renate Laurien (CDU) und Sybille Volkholz (Grüne). Alle  anderen hatten eine andere Profession. Es gab  Juristen (Klemann), Politologen (Böger), Chemiker (Zöllner) und  Sozialpädagoginnen (Stahmer, Scheeres). Wenn in einem  Krankenhaus eine bahnbrechende  neue Operationstechnik entwickelt wird, werden alle Krankenhäuser bemüht sein, die Erfindung zum Wohl der Patienten baldmöglichst einzuführen. Bei der  Berliner Bildungsbehörde muss man  hingegen den Eindruck gewinnen, dass sie es partout vermeidet, von den erfolgreichen Bundesländern zu lernen. Lieber will man  die Rote Laterne behalten,  als  sich einzugestehen, dass man jahrelang   falsche Konzepte verfolgt hat. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Hochbegabte, Leistungsbereitschaft, Rolle des Lehrers, Stärkung des Gymnasiums, Unterrichtsqualität

Von Sachsen lernen

Veröffentlicht in der Tageszeitung „DIE WELT“ vom 13. 04. 2019

Im Freistaat sind Schulen  Spitze, weil   die Schulformen deutlich   getrennt werden. Wenn man sie wie in anderen Bundesländern  vermischt, funktioniert keine optimal.

Die Sachsen gelten als die Schwaben des Ostens. Mit ihren süddeutschen Verwandten teilen sie  Tüftlergeist und  Eigensinn. Auch in der Leistungsorientierung stehen sie ihnen in nichts nach.  Den Berlinern hingegen sagt man nach, sie hätten sich mit  Schlendrian und  Verlotterung, mit Müll auf den Straßen und chaotischen Behörden abgefunden. Lässt sich dieser Unterschied auch in der Bildung feststellen? Leider ja. Der  „Bildungsmonitor 2018“ des Instituts der deutschen Wirtschaft gibt darüber Auskunft. In der Schulqualität erreicht Sachsen 90 von 100 Punkten, Berlin dümpelt mit beschämenden 10 Punkten am Ende der Tabelle.

Was ist der Grund für die großen Unterschiede? Das sächsische Schulsystem besteht aus  einem  Zweisäulen-Modell. Neben dem klassischen  Gymnasium gibt es mit der  „Oberschule“ eine integrierte Schulform. Sie bietet zwei Bildungsgänge an, die zum Haupt- oder  Realschulabschluss führen. Da diese Schulform  keinen gymnasialen Zug hat, ist die Schülerschaft relativ homogen. Bei entsprechenden Leistungen ist ein Wechsel zwischen Haupt- und Realschulklasse möglich, wodurch dem Gebot  der  Durchlässigkeit Genüge getan wird. Die Oberschule ist besonders auf den Übergang in berufliche Bildungswege ausgerichtet. Praktisch, handwerklich oder technisch begabte Jugendliche werden optimal gefördert. An den Ergebnissen der Schulleistungstests des „Instituts zur Qualitätsentwicklung  im Bildungswesen“ (IQB)  wird deutlich, dass  dieses klug gestalte Schulsystem gute  Früchte trägt.  Sächsische Schüler belegen Spitzenplätze: die Neuntklässler in Mathematik, Naturwissenschaften und im Lesen  Platz eins,  die Viertklässler in Mathematik und im Lesen hinter Bayern jeweils den zweiten Platz. Die klare Trennung von Gymnasium und integrierter Schulform hat sicher  zu den guten Leistungen sächsischer Schüler beigetragen.  Wenn die integrierte Schulform bewusst  darauf verzichtet, Gymnasiasten anzulocken, kann sie sich voll auf das Leistungsvermögen und  die Mentalität der schwächeren Schüler konzentrieren, was sich in guten  Ergebnissen auszahlt.

Die Eigenständigkeit von Gymnasium und Oberschule spiegelt sich auch in den Bedingungen für den Übergang von der  Grundschule zum  Gymnasium wider. Kinder, die eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium erhalten haben, können ohne Prüfung aufs Gymnasium wechseln. Schüler mit einer Empfehlung für die Oberschule müssen eine „schriftliche Leistungserhebung“ in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht ablegen, von deren Ergebnis der Wechsel abhängt. Der Elternwille, der in den meisten Bundesländern inzwischen in Reinform gilt, wird in Sachsen durch einen Leistungstest  eingeschränkt. Diese Regelung zahlt sich in guten Lernergebnissen sächsischer Gymnasiasten aus. In Berlin gilt nur der Elternwille. Deshalb finden dort auch Schüler den Weg aufs Gymnasium, die den Lernanforderungen nicht gewachsen sind. Der Leistungskultur des Gymnasiums tut dies nicht gut. Hinzu kommt die seit 2011 geltende „Schülerlotterie“, die dem  Eignungsprinzip widerspricht.

Die Ergebnisse Berliner Schüler hinken weit hinter denen der sächsischen Schüler her. Bei den Schülervergleichstests des IQB erreichte ein hoher Anteil der Viertklässler beim Lesen nur die unterste Kompetenzstufe. Auch die Neuntklässler schneiden schlecht ab. Der IQB-Bildungstrend 2016 stellte fest, dass  in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik der Anteil Berliner Schüler, der nicht den Mindeststandard erreicht, über dem Bundesdurchschnitt liegt. In Berlin beträgt  die Schulabbrecherquote 8,0 Prozent und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,7 Prozent. Bei Schülern mit Migrationshintergrund erreicht die Quote mit 19 Prozent einen Spitzenwert.

Die  Vermutung liegt nahe, dass Besonderheiten des  Berliner Schulsystems an den schwachen Schülerleistungen schuld sind. Da gerade in Berlin die Heterogenität der Schülerschaft enorm ist, muss der Unterricht  an den „Integrierten Sekundarschulen“ (ISS)  differenziert werden. Die Berliner Schulverwaltung  verzichtet darauf, den Schulen die Differenzierungsmethode vorzuschreiben, die am meisten Erfolg verspricht: die äußere Fachleistungsdifferenzierung.  Jede Schule darf über Beginn und Form der Leistungsdifferenzierung  selbst entscheiden. Im wichtigen  Fach  Deutsch dürfen sich  die Schulen sogar bis zur 9. Klasse Zeit lassen, bevor sie überhaupt leistungsdifferenziert unterrichten müssen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich Kollegien, denen vor allem die „soziale Gerechtigkeit“ am Herzen liegt, für die Binnendifferenzierung entscheiden, obwohl  die  Erfahrungen im Unterrichts ihnen zeigen müssten, dass das Unterrichten in homogenen Lerngruppen besser gelingt.

Warum ist die äußere Fachleistungsdifferenzierung der Binnendifferenzierung überlegen? In den Klassen des integrierten Systems ist bei den Schülern die  Spreizung der Lernvoraussetzungen, des Vorwissens und der Lernmotivation    gewaltig. Sie stellt den Lehrer vor große methodische Herausforderungen. Es ist nämlich keineswegs leicht,  jeden Lernstoff so aufzubereiten, dass  er  mehreren Lernniveaus gerecht wird. Binnendifferenzierung gehört zu den schwierigsten Handwerkstechniken eines Lehrers. Und es ist zeitlich  aufwändig, jedes Unterrichtsmaterial für unterschiedliche Niveaustufen bereitzustellen. Viele Lehrer begnügen sich deshalb damit, Unterrichtsangebot und  Schwierigkeitsgrad auf das mittlere Niveau in der Klasse abzustellen, also auf die Schüler, die die Mehrheit bilden. Die besonders leistungsstarken Schüler bekommen dann nur ungenügende Lernanreize, die leistungsschwachen erhalten nicht die Förderung, derer sie bedürfen. Die Vernachlässigung beider Gruppen  ist leider an vielen Sekundarschulen  pädagogischer  Alltag.

Ein Manko der Integrierten Sekundarschule in Berlin besteht darin, dass sie auch die allgemeine Hochschulreife anbietet. Das Abitur kann entweder in der eigenen gymnasialen Oberstufe oder in der Oberstufe einer kooperierenden  Sekundarschule abgelegt werden. Die Spreizung der Schülerbegabungen vom Hauptschüler bis zum Gymnasiasten zwingt die Lehrkräfte im Unterricht zu einem didaktischen Spagat, den sie kaum  bewältigen können. Wenn dann noch politische Vorgaben die optimale Differenzierung in den wichtigen Fächern verhindern, kann eine leistungsgerechte Ausbildung der Schüler kaum gelingen. Würde die ISS auf den gymnasialen Anspruch verzichten, könnte diese Schulform – dem sächsischen Beispiel folgend – ein Ausbildungskonzept entwickeln, das auf die eher praktisch als kognitiv begabte Schülerschaft ausgerichtet ist. Das würde mit Sicherheit die hohe Abbrecherquote bei den Schülern reduzieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie  schwächere Schüler darunter leiden, wenn  sie mit Lernstoffen konfrontiert werden, die sie intellektuell nicht bewältigen können,  wie sie aber aufblühen, wenn sie in Arbeitslehre ein Regal bauen können. Berlin schwächt durch politische Vorgaben letztlich beide  Schulformen: Das Gymnasium durch den reinen Elternwillen, der auch zur Aufnahme minderbegabter Schüler  zwingt, und die Sekundarschule durch Eltern, die ihr begabtes Kind aus politischer Überzeugung an eine Schule schicken, an der es unterfordert ist. Die  24 Gemeinschaftsschulen bieten keine sinnvolle Alternative. Das dort angewandte didaktische Prinzip des individualisierten Lernens führt bei den VERA-Vergleichstests und den Schulabschlüssen zu noch schlechteren Ergebnissen als bei den Sekundarschulen.  Es ist offensichtlich:  Die  notorische  Angst vor „Selektion“  führt im Berliner Schulsystem zu Konsequenzen, die den  pädagogischen Erfolgsrezepten  zuwiderlaufen.

Schulqualität ist kein Faktum, über das man locker hinwegsehen sollte.  Schülerleistungen und Wohlstand eines Landes hängen nämlich eng zusammen. Der individuelle Erfolg auf dem Arbeitsmarkt  hängt stark von den an der Schule erworbenen  Kompetenzen ab.  Und  das Wachstum einer Volkswirtschaft baut auf den kognitiven Fähigkeiten der Erwerbsbevölkerung auf. Dass die Südländer in der Europäischen Union  den Nordländern seit Jahren wirtschaftlich  hinterherhinken, liegt auch an ihren Bildungssystemen, die im Vergleich der OECD-Länder  nur unterdurchschnittlich  abschneiden. Wir sollten alles tun, um in der Bildung die Kluft zwischen den leistungsstarken und leistungsschwachen Bundesländern zu schließen. Dazu müssen die Länder, deren Schulsysteme Schwächen aufweisen, endlich die Erfolgsrezepte der führenden Länder übernehmen. Von den Sachsen zu lernen, ist deshalb  erste Pädagogenpflicht.

 

 

 

 

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode

Schüler wollen Grenzen testen

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 19. 03. 2019

Die Klage von Lehrern über den Sittenverfall  der Jugend ist unberechtigt und unproduktiv. Junge Leute sind seit jeher rebellisch. Einen wesentlichen Unterschied zu früher gibt es dennoch.

Immer wieder kann man in Zeitungen Erfahrungsberichte junger Lehrer  lesen, die nach dem Studium hoffnungsfroh in die Schule  kamen und dort einen heftigen Praxisschock erlitten. Sie klagen über ungezogene Kinder, die nicht stillsitzen können, die sich mit Stiften bewerfen, die essen, trinken und Musik hören. Die konsternierte  Klage  eines Neu-Lehrers: „Niemand hat mich vor dieser Hölle gewarnt!“. Erfahrene Lehrer können  über solch harsche Urteile nur den Kopf schütteln. Hätte sich der  Lehrer  mit einigen  der störenden Schüler während der Aufsicht auf dem Pausenhof oder in der Cafeteria unterhalten, hätte er sie  als freundlich und zugewandt  erlebt – als  normale Kinder. Es gehört zum kleinen Einmaleins der Jugendpsychologie, dass sich Schüler in der Gruppe anders verhalten als im Einzelgespräch. Die Gruppendynamik, die virile Rivalität der Jungen um die Rangordnung in der Klasse, die Koketterie der Mädchen, sind klassische Such- und Orientierungsverhaltensweisen. Wenn man sie versteht, kann man sie pädagogisch beeinflussen. Ein Lehrer, der anstößiges Verhalten von Schülern persönlich nimmt, hat schon verloren. Kein Schüler steht morgens auf, um in der Schule den Mathelehrer zu ärgern. Das pubertäre Verhalten von Schülern sollte Lehrer vor allem  nicht dazu verleiten, die Jugend für schlecht   oder gar für  bösartig zu halten. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Jugendkultur, Rolle des Lehrers

Gymnasiale Bildungsreise

Seit meiner Pensionierung vor sieben Jahren habe ich an acht Berliner Gymnasien als Vertretungslehrer Deutsch und Geschichte unterrichtet. Die Deputate reichten von zwei Monaten bis zu einem ganzen Jahr. Auch  Abiturprüfungen  hatte ich abzunehmen. Die Schulen erstreckten sich über sechs Bezirke – von Tempelhof mit seiner gemischten Sozialstruktur bis Zehlendorf, wo überwiegend gutsituierte Bürger wohnen. Das Profil der Schulen reichte von Musikbetonung bis zu naturwissenschaftlicher Ausrichtung.  Baulicher Zustand und Ausstattung der Schulen waren  sehr unterschiedlich. Ich traf auf Schulen, die völlig auf digitale Smartboards umgestellt hatten, während andere noch in der „Kreidezeit“ verharrten. Das PC-Equipment war fast überall nicht auf dem neuesten Stand, die Rechner in den Klassenzimmern  liefen noch mit Windows XP oder 7, was das  Einloggen zur Geduldsprobe machte. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Kompetenzen, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Stärkung des Gymnasiums, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsmethode

Thomas Mann als Bildungsexperte

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT am 23. 02. 2019

Der Schöpfer  großartiger Romanfiguren formuliert en passant verblüffende pädagogische Einsichten, die auch heute noch ihre  Gültigkeit besitzen. Etwa jene, dass man Schüler besser über- als unterfordern sollte.

 Jeder Thomas-Mann-Freund kennt das berühmte Kapitel 11 aus seinem Erfolgsroman „Buddenbrooks“ (1901), in dem er das Leiden des kleinen Johann („Hanno“) Buddenbrook an der wilhelminischen Schule erzählt. Der feinsinnige, künstlerisch begabte Knabe durchschaut die Hohlheit des Pauksystems und verachtet die Lehrkräfte, die  ihre Autorität nur mit Hilfe ihres Amtes und der damit verbundenen Strafgewalt aufrecht erhalten können. Weniger bekannt sind die Passagen aus dem Roman „Doktor Faustus“ (1947), die sich mit Pädagogik befassen. Der Komponist Adrian Leverkühn verschreibt sich dem Teufel, der ihm 24 Jahre höchster Produktivität im musikalischen Schaffen verspricht. Als Gegenleistung muss er darauf verzichten, Menschen zu lieben, weil er hinfort  mit Kälte geschlagen sein wird. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Hochbegabte, Rolle des Lehrers, Unterrichtsinhalte

Schule als Gefahrenzone

Der Beitrag wurde veröffentlicht in der WELT vom 06. 02. 2019.

Mobbing ist fatal. Schreitet niemand ein, können die Schikanen unter Kindern im schlimmsten Fall für Lebensüberdruss sorgen. Dabei gibt es für Lehrer bewährte  Methoden, die Klasse zu befrieden.

Vor kurzem starb ein 11-jähriges Mädchen, das eine Berliner Grundschule besucht hatte. Dem „Tagesspiegel“ zufolge soll es einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein.  Das Mädchen soll  zuvor  in ihrer  Klasse von  Mitschülern  verbal  und körperlich   attackiert worden  sein. Eltern aus der Klasse berichteten, dass  Lehrer und Schulleitung auf das Problem  schon lange vorher  aufmerksam gemacht  worden seien. Sie hätten jedoch abgewiegelt, weil doch alles nicht so tragisch sei. Ein fataler Irrtum. Mobbing ist für die Betroffenen immer tragisch. Es führt zu Angst,  Ohnmachtsgefühlen  und schließlich zu Lebensüberdruss. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass eine Institution, der die Eltern ihre Kinder tagtäglich  anvertrauen, deutliche Hinweise auf  Mobbing nicht ernst nimmt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Mobbing, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern

Verfehlte Testmethoden der Schulinspektion

Veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. 01. 2019

 

Wichtige Qualitätskriterien werden vernachlässigt.

In Deutschland wird inzwischen alles getestet. Vom elektrischen Eierkocher bis zum Seniorenheim werden Waren und Dienstleistungen  einer akribischen Prüfung unterzogen und  die Ergebnisse  in Test-Zeitschriften veröffentlicht. Wenn „Stiftung Warentest“ über eine Marke den Daumen senkt, kann dies für sie das Aus bedeuten. Schnelle Nachbesserung ist dann angesagt.  Lange haben sich Bildungspolitiker dagegen gesträubt, die Qualität der Schulen, für die sie die Verantwortung tragen, testen zu lassen. Nach der erste PISA-Studie 2001 und den durchwachsenen Ergebnissen deutscher Schüler war das Desinteresse an Schulqualität nicht länger aufrechtzuerhalten. Die Stunde der Schulinspektion hatte geschlagen. Inzwischen gibt es sie in allen Bundesländern. Ein Inspektionsteam aus Lehrkräften, die keinen Bezug zur jeweiligen Schule haben dürfen, besucht und bewertet in regelmäßigen Abständen die Schulen. Doch wie testet man eine Schule? Schule ist ein komplexer Kosmos von der Größe eines mittelständischen Unternehmens. Große Schulen haben über 100 „Mitarbeiter“ und bis zu 1000 „Kunden“, die jeden Tag anwesend sind und die angebotene Dienstleistung abrufen. Die Schüler erwarten guten Unterricht und  bestmögliche Schulabschlüsse, die sie jedoch nur erreichen, wenn die Schule in all ihren Facetten optimal funktioniert. Deshalb werden bei der Inspektion alle Aspekte des Schullebens auf den Prüfstand gestellt: Schulleiterhandeln, innerschulische Kommunikation, (digitale) Ausstattung, Einbeziehung von Eltern und Schülern in Entscheidungsprozesse, Schulklima, programmatische Schulentwicklung  und als wichtigstes Kriterium das Kerngeschäft: der Unterricht. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Schulinspektion, Unterrichtsmethode, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität