Archiv der Kategorie: Unterrichtsmethode

15 Jahre Kompetenzorientierung im Unterricht – kein Grund zum Feiern

Die Kompetenzorientierung des Fachunterrichts hat dazu geführt, dass das Fachwissen der Schüler abnimmt. Dass Wissen und  Können eine untrennbare Einheit bilden, wurde allzu lange ignoriert.

Die Ergebnisse der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 sorgten in den Amtsstuben deutscher Bildungspolitiker für Unruhe.  Die deutschen Schüler waren nämlich in den drei Testfeldern Lesefähigkeit, Mathematik und Naturwissenschaften nur im unteren Mittelfeld der teilnehmenden Industrieländer gelandet. Experten machten den primär  auf Wissenserwerb ausgerichteten Unterricht für das Versagen der Schüler verantwortlich. Sie hatten nämlich festgestellt, dass die Aufgaben, die die Schüler bei PISA zu lösen hatten, kompetenzorientiert waren. Also war Reformbedarf angesagt.  2005/2006 führte die Kultusministerkonferenz für die Fächer Deutsch, Mathematik und Erste Fremdsprache  bundesweit geltende Mindeststandards ein. Diese Standards gingen auf den Vorschlag des  Frankfurter  Bildungsforschers Eckard Klieme zurück. In Kliemes Expertise aus dem Jahr 2004 tauchen Wissensinhalte und Kompetenzen noch in einem ausgewogenen Verhältnis auf: „Kompetenz stellt die Verbindung zwischen Wissen und Können her.“ In den Kompetenzmodellen, die die Bildungsminister der Länder auf Grundlage der Bildungsstandards entwickelten, drängten sich dann die Kompetenzen so in den Vordergrund, dass der Anschein erweckt wurde, die zu vermittelnden  Inhalte seien künftig sekundär. So hieß es im Berliner Rahmenlehrplan Deutsch für die gymnasiale Oberstufe: „Dabei dienen Inhalte dem Erwerb von Kompetenzen.“ Nach der  Kritik von Deutschlehrern wurde diese anstößige Formulierung abgemildert:  „[Es sollen] nicht nur die Systematik des Faches, sondern vor allem  der Beitrag zum Kompetenzerwerb  berücksichtigt werden.“  Die Formulierung „vor allem“ gibt  der  Kompetenz  immer noch  den Vorrang vor dem  Erwerb von Fachwissen – mit bedenklichen Folgen für den Unterricht.

Die meisten Bildungspläne der Bundesländer  beziehen sich auf die Kompetenz-Definition, die der Psychologe Franz E. Weinert entwickelt hat. Kompetenzen sind  für ihn die „kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen.“  Diese Definition zeigt schon die ganze Problematik.  Denn gymnasiales  Lernen intendiert  nur zu einem Teil die Entwicklung kognitiver „Fähigkeiten“. Es besteht auch  keineswegs nur aus „Problemlösen“ und zielt nicht immer  auf „Anwendung“.  Wichtige Lerninhalte der  Fächer  Deutsch, Musik, Bildende Kunst, Philosophie, Theater und Sport lassen sich mit Kompetenzmustern gar nicht erfassen. Und es sind gerade die  zweckfreien Gegenstände,  die den Schülern ein echtes Bildungserlebnis bescheren.  Als  Wilhelm  von Humboldt das deutsche Gymnasium schuf,  ging sein Bildungsbegriff     vom Primat  des Lerninhalts aus.   Lerngegenstände müssten  „idealisch“ sein, sich also einem vorgestellten kulturellen  Ideal annähern.  Das Verständnis der Welt erschließt sich – so Humboldts Credo – Schülern primär über Wissensinhalte: „Was also der Mensch notwendig braucht, ist bloß ein Gegenstand, der die Wechselwirkung seiner Empfänglichkeit mit seiner Selbsttätigkeit möglich macht.“ Von diesem eindeutigen Primat des Inhalts  kann  im heutigen Fachunterricht nicht mehr die Rede sein.

Im Literaturunterricht der Gymnasien hat sich inzwischen die Praxis herausgebildet,  von vornherein auf die Besprechung schwieriger Texte, etwa der Gedichte von Hölderlin, Rilke, Benn, Celan  und Bachmann, zu verzichten. Wegen ihrer schwierigen Erschließbarkeit widerstreben sie den  „schülerzugewandten“ Lehrmethoden und der Kompetenzorientierung Gerade das, was  die Qualität unserer klassischen Texte   ausmacht, ihre poetische Verrätselung, erweist sich als Hindernis für ihre Behandlung im Unterricht „moderner“  Prägung. Früher fragte eine Lehrkraft, wenn sie eine Deutsch-Stunde für die 9. Klasse plante: Welcher Text ist für junge Menschen geeignet, die nach geistiger Orientierung und Sinnstiftung  verlangen? Heute lautet die Frage: Welcher Text  eignet sich  besonders gut, um  die Kompetenz „Erzählperspektiven identifizieren“ griffig einüben zu können? Die Lehrkraft wird  eine Kurzgeschichte wählen, in der die allwissende Erzählperspektive in Reinform  vorkommt, aber nicht unbedingt eine Erzählung, die  literarisch besonders wertvoll ist. Wie sich die  Kompetenzorientierung des Unterrichts in der schulischen Praxis auswirkt, konnte ich  in der Referendar-Betreuung  hautnah erleben. Ein junger Kollege  fragte mich, ob ich ihm für seine Deutsch-Lehrprobe in einer zehnten Klasse einen guten Text empfehlen könne. Ich meinte, „Vor dem Gesetz“ oder „Eine kaiserliche Botschaft“  von Franz Kafka seien wertvolle, anspruchsvolle Texte, die bei Schülern gut ankommen und  mit denen man ihr Textverständnis  herausfordern kann. Der Referendar blickte mich verzagt an und meinte, der Fachseminarleiter wolle von ihm die Unterrichtsmethode „Lernen an Stationen“ sehen. Zudem sollten die Schüler die Kompetenz  „textsortenspezifisches Wissen nutzen“  einüben. Darauf sagte ich ironisch, dann könne er Kafka vergessen. Kafkas Texte ließen sich nicht an Stationen lernen, dazu brauche man einen soliden Bahnhof –  ein gehaltvolles Unterrichtsgespräch.  Dieses Beispiel zeigt das ganze Dilemma: Zwei formale Kriterien, Unterrichtsmethode und Kompetenz, bestimmen die Wahl des  Unterrichtgegenstands. Die Qualität des zu lernenden  Stoffes   spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Schulbuchverlage sind natürlich auf den „Kompetenzzug“ aufgesprungen.  In der  Pädagogikabteilung von  Buchhandlungen stößt man zu Hauf auf Titel wie „Methodentraining“, „Lerntraining“, „Abiturtraining“, „Kompetenzen trainieren“. Man fragt sich, ob man nicht aus Versehen in der Sportabteilung gelandet ist.

Im Fach Geschichte sind die Kompetenzen sehr viel enger mit Stoffinhalten verknüpft als im Literaturunterricht. Kann der Deutschlehrer  einen Text verschmähen, wenn er sich der Einübung einer Kompetenz „widersetzt“, wäre dies in Geschichte nicht möglich, wollte man  den Geschichtsprozess  nicht verfälschen. Die Probleme, die der Kompetenzbegriff dem Fach Geschichte beschert hat, liegen deshalb auf einem anderen Gebiet. Die meisten Lehrpläne benennen  drei grundlegende Kompetenzen der Geschichtsvermittlung: Sachkompetenz, Methodenkompetenz und Urteilskompetenz. Da die fachspezifischen Kompetenzen zusätzlich von überfachlichen Schlüsselqualifikationen  überlagert werden, sieht sich die Lehrkraft in der Unterrichtspraxis einer komplexen Palette an formalen Anforderungen gegenüber, hinter der das eigentliche Substrat des Geschichtsunterrichts – die Vermittlung historischen Grundlagenwissens – verschwindet. Der Kernlehrplan Geschichte von Nordrhein-Westfalen  nennt allein für die Doppeljahrgangsstufe 5/6 des Gymnasiums 33 Einzelkompetenzen. In der Fachzeitschrift „Geschichte und Wissenschaft“ (11/12,  2018) berichten  erfahrene Lehrkräfte, dass sich vor allem Lehramtsanwärter durch die geballte Ladung an  Kompetenzen so unter Druck gesetzt fühlen, dass   sie  diese   beflissen   einüben, ohne zuvor  das dafür  nötige fachliche Fundament gelegt zu haben.  „Fertigkeiten“ ohne sachliche Grundlage  laufen jedoch  ins Leere und führen das Kompetenzmodell ad absurdum.

Wenn Schüler  eine „narrative Kompetenz“ ausbilden, also Geschichte(n) erzählen sollen, ist es unabdingbar, dass sie zuvor  die betreffende historische  Epoche geistig durchdrungen haben. Erst dann können sie kompetent „erzählen“. Die meisten Lehrpläne verzichten aber darauf, die historischen Ereignisse, die unbedingt vermittelt werden müssen, klar zu benennen und sie einer  Schlüsselkompetenz  zuzuordnen.  Ein kohärentes Geschichtsbild kann so nicht entstehen. Schädlich ist auch der in vielen Lehrplänen geforderte Gegenwarts- und Lebensweltbezug. Unerfahrene Lehrkräfte neigen dazu, die Stoffinhalte aus vergangener Zeit so aufzubereiten, dass sie für die Bewertung aus heutiger Sicht „passen“. Eine solche Geschichtsbetrachtung leistet der fragwürdigen Tendenz in unserer Gesellschaft Vorschub, historische Persönlichkeiten mit der moralischen Messlatte von heute zu bewerten und bei  Nichtgefallen  den Daumen über sie  zu senken. Auf diese Weise wurden in letzter Zeit  Straßen umbenannt sowie  Schulen und Universitäten ihres Namenspatrons beraubt  (z.B. Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt). Mit historischem Denken hat dies wenig zu tun.  Hätten die Geschichtsmoralisten gelernt, dass man historische Ereignisse und Persönlichkeiten nur aus der Zeit heraus verstehen kann, wären solche  moralischen  Kurzschlüsse nicht möglich gewesen. Im Geschichtsunterricht habe ich die Erfahrung gemacht, dass es lange dauert, bis die Schüler ein historisches Ereignis so verstanden haben, dass sie sich ein fundiertes Urteil darüber   erlauben können. Schnellschüsse zur Erfüllung der „Urteilskompetenz“ führen immer zu halbgaren  Aussagen. Als Zweitkorrektor habe ich Abiturarbeiten gelesen, in denen die Schüler meinungsstark argumentierten, ohne über ein   hinreichendes  Faktenwissen zu verfügen. Was jedem Lehrer sofort einleuchtet, hat sich hier offenbart: Über einen Sachverhalt kann man nur dann  eine seriöse Meinung formulieren, wenn man ihn geistig durchdrungen hat. Und für diese geistige Aneignung   sind Kenntnisse – durchaus auch konkretes Faktenwissen – unverzichtbar. Auch die vielfach geforderte Vernetzung des Wissens ist nur auf einer soliden Wissensbasis möglich. Man kann nur dann neues Wissen aufnehmen, wenn man es an bekannte Wissensbestände andocken kann.

Das Kompetenz-Konzept der Didaktik verkennt die wichtigste Aufgabe von Bildung und Ausbildung: Wissen zu vermitteln. Über  Wissen zu verfügen,  ist die wichtigste Kompetenz. Nur auf der Grundlage eines profunden Wissens sind  die  geforderten instrumentellen  Fertigkeiten, wie diskutieren, kritisch reflektieren und präsentieren, erst sinnvoll anzuwenden. Viele Lehrkräfte beklagen inzwischen die inhaltliche Verarmung, die mit der Kompetenzorientierung einhergeht.  Auch in der pädagogischen Wissenschaft nimmt die Kritik am Kompetenzbegriff zu. Wissenschaftler kritisieren vor allem den instrumentellen  Charakter der Kompetenzen. Es gehe im Unterricht nicht mehr primär darum, das  zu lernen, was einen Wert in sich trägt, was also für die  geistige Entwicklung Heranwachsender wertvoll und sinnstiftend  ist, sondern nur noch das, woraus  die Schüler einen praktisch-beruflichen Nutzen ziehen können. Dieser utilitaristische Kompetenzbegriff  verhindere – so die Kritiker  – das  tiefgründige Durchdringen des Unterrichtsgegenstands, was immer die Domäne gymnasialen Lernens gewesen sei. Der Züricher Pädagogikwissenschaftler Roland Reichenbach insistiert auf den Primat des Unterrichtstoffes gegenüber den didaktischen Methoden und Kompetenzen: „Eine pädagogische Beziehung definiert sich  primär  über die Inhalte, die man vermittelt. Die Abwertung des Wissens ist ein großer Fehler. Die Kinder machen es uns vor. Sie interessieren sich für Dinosauriere  oder für Flugzeuge. Das sind Stoffe, keine Kompetenzen.“  (Zürich, 2016)

15 Jahre Bildungsstandards und Kompetenzen sollten Anlass sein, das Kompetenzmodell des Unterrichts kritisch zu überprüfen. Lehrkräfte und Wissenschaftler sollten der Bildungspolitik  ihre Erfahrungen  zur Verfügung stellen. Ein Revisionsziel  scheint heute schon unumgänglich  zu sein: Der Wissensvermittlung muss  künftig wieder  Vorrang vor  dem Erwerb von Kompetenzen   eingeräumt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nur Mittelmaß wird gefördert

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 10. 01. 2020

 Die jüngste PISA-Studie zeigt, dass  leistungsschwache Schüler weiter abgehängt werden. Aber auch die  Zahl der  leistungsstarken Schüler stagniert. Die  Unterrichtskonzepte gehören  auf den Prüfstand. 

Alle drei Jahre schaut  die Nation gebannt auf die Zahlen, die die aktuelle PISA-Studie zutage fördert. Am 3. Dezember 2019 war es wieder so   weit. Trösten können wir uns mit den Ergebnissen nicht.  Zwar landen die deutschen Schüler  in den drei getesteten Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften wieder über dem OECD-Durchschnitt,  in  allen drei Disziplinen sind sie aber  gegenüber den Ergebnissen von 2016 abgerutscht. Alarmierend ist vor allem, dass der Anteil der „Risikoschüler“  steigt.  Ein Fünftel der Schüler  schafft  es nicht, einfachste  Texte zu lesen und zu verstehen. Unter den Schülern mit Migrationsgeschichte ist es jeder vierte.  Besonders schlecht schneiden die  nichtgymnasialen Schulformen ab. Hier versagen  29,2 Prozent der Schüler beim Lesen. Die Autoren der Studie  sprechen von einem „besorgniserregenden Befund“.

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Pädagogische Moden bringen Schüler nicht weiter

Inklusion, Selbstlernen, ein freundlicher Umgang miteinander – das allein bringt niemanden zum Abitur. Das konservative Leistungsprinzip ist besser als sein Ruf.  

 Wenn man sich heutzutage  im Lehrerzimmer zu einer konservativen Pädagogik bekennt, hat man einen schweren Stand. Den vorwiegend jungen Kollegen gehen die Floskeln einer  linken Pädagogik flüssig von den Lippen: Kinder aller Begabungen in einer Klasse? Kein Problem!  Das Leistungsprinzip im Unterricht? Wichtiger ist ein freundliches Lernklima! Der  pädagogische  Mainstream, der seit Jahren den gesellschaftlichen Diskurs über Bildung prägt, hat sich auch in den Köpfen vieler  Lehrkräfte  eingenistet. In den täglichen Gesprächen im Lehrerzimmer kann man dann aber Erstaunliches vernehmen. Wenn ein Mathelehrer erschöpft aus der 8 b kommt und klagt: „Wie haben die es nur aufs Gymnasium geschafft?“, gerät die Verheißung  vom „längeren gemeinsamen Lernen“ offensichtlich  an ihre Grenzen. Spätestens beim Mittleren Schulabschluss und vor allem im Abitur kehrt auch  das Leistungsprinzip mit Macht zurück. Freundlicher Umgang mit Schülern  – eigentlich  eine  Selbstverständlichkeit – hilft den  Schülern nicht über diese Hürden hinweg. Viel Unaufrichtigkeit  ist  im Spiel, wenn Lehrer  eine „fortschrittliche“ Pädagogik verteidigen. Oft klingt es, als wolle man sich partout  zu den angesagten  pädagogischen Moden   bekennen, weil es als anstößig gilt,  als konservativ wahrgenommen zu werden. Mich amüsiert diese Schizophrenie: In der Theorie tickt man links, in der Praxis neigt man dann doch zur altbewährten Praxis. Vielleicht hatte der große konservative Denker Joachim Fest recht, als  er sagte: „Die Wirklichkeit ist immer konservativ.“ Weiterlesen

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Wie eine Schule ihre reformpädagogische Tradition verspielt

Vor genau 190 Jahren erschien ein Roman, der ein pädagogisches Konzept enthält, das aus heutiger Sicht verblüffend modern erscheint: „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ von Johann Wolfgang von  Goethe. Wilhelm Meister  besucht mit seinem Sohn Felix in der  „pädagogischen Provinz“ eine Internatsschule, die in unberührter Natur liegt, um seinen Sprössling   dieser Einrichtung anzuvertrauen. Beim Rundgang durch die Schule  erfährt der alleinerziehende Vater die Grundsätze der dort geübten Pädagogik. Deutlich wird, dass der Persönlichkeitsbildung der jungen Schüler  höchstes  Gewicht beigemessen wird. Musik, Gesang und Tanz, aber auch die Arbeit in  Garten und  Landwirtschaft  fördern und fordern die ganze Person, weil in diesen Tätigkeiten alle Sinne angesprochen werden. Goethe, der die sinnliche Wahrnehmung überaus schätzte, entwirft hier das Konzept einer ganzheitlichen Pädagogik,  das dem durchrationalisierten Ausbildungsbetrieb  unserer heutigen staatlichen  Schulen fundamental widerspricht. Weiterlesen

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Versager Grundschule

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 28. 08. 2019

Sie bereitet immer schlechter auf weiterführende Schulen vor. Das hat fatale Folgen für alle Kinder. Doch das eigentliche Problem sind Bildungspolitiker und Pädagogen, die hilfreiche Methoden als politisch  unkorrekt abqualifizieren.

Jedes Kind in Deutschland besucht eine Grundschule. Mit ihr beginnt die allgemeine Schulpflicht. 2018 gab es in unserem Land  15.400 Grundschulen.  Eingeschult wird man in der Regel in einer wohnortnahen Schule, damit weite Wege für die  sechs  Jahre alten Kinder vermieden werden.  Weil die Grundschule  eine Zwangsgemeinschaft ist, der sich kein Kind entziehen kann, achten Eltern  auf die pädagogische Qualität der ins Auge gefassten  Schule. Sie lässt sich verlässlich an den Ergebnissen eines Testverfahrens ablesen, das in ganz Deutschland angewandt wird.  In  dem Vergleichstest  VERA  für Schüler  der  3. Klasse  werden Kenntnisse und  Fähigkeiten in Deutsch und Mathematik abgefragt. Den Test in der 3. Klasse durchzuführen, ist sinnvoll, weil danach noch ein ganzes Schuljahr  bleibt (in Berlin und Brandenburg noch drei), bevor der Übergang auf die weiterführende Schule stattfindet. Da einige Bundesländer den Zugang zum Gymnasium noch nicht gänzlich dem Elternwillen anheimgestellt haben, können die Eltern an den „VERA 3“-Ergebnissen ablesen, ob „ihre“ Grundschule die Schüler gut auf den Übergang in die beliebteste Schulform  vorbereitet. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode

Auch schwierige Schüler haben Potential

Abgedruckt in der WELT vom 14. 08. 2019

In vielen Problemschulen kapitulieren Lehrkräfte und lassen sich an „leichtere“ Schulen versetzen. Exzellenz gibt es bei uns nur in der Beletage des Bildungssystems.  Warum nicht auch im Souterrain?

Jedes Jahr  verlassen in Deutschland knapp 50.000 Schüler die Schule ohne  Abschluss.  Diese Zahl ist wie in Stein gemeißelt.  Dabei sind die Ursachen für  Schulversagen   gut erforscht. Dauerhaftes Schwänzen steht  an erster Stelle.   Schulbehörden greifen inzwischen durch.  Gegen uneinsichtige Eltern  verhängen sie Bußgelder. Säumige  Kinder werden  auch schon mal  von der Polizei zur Schule gebracht. In vielen Großstädten gibt es Polizeistreifen, die morgens um 10 Uhr   in den Elektronikmärkten Jugendliche  „einsammeln“ und zur Schule bringen. Wer über einen längeren Zeitraum den Unterrichtsstoff versäumt, hat über kurz oder lang so große Lücken, dass er sie kaum noch ohne fremde Hilfe  füllen kann. Ein Teufelskreis beginnt: Um der Schmach des Versagens im Unterricht zu entgehen, bleibt der Schüler lieber ganz der Schule fern. Funktionale Analphabeten berichten, dass sie schon in der Grundschule wegen  Schwänzens den Anschluss verloren hätten. Aus Scham und Frust hätten sie nur noch  versucht, sich bis zur Ausschulung ohne Schreiben  durchzumogeln.  Sich die Schreibhand zu verbinden, ist dabei ein beliebtes  Täuschungsmittel. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Fehlzeiten, Leistungsbereitschaft, Migrantenkinder in der Schule, Quereinsteiger in der Schule, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Unterrichtsmethode

Den Schaden haben die Schwächsten

Veröffentlicht in der Zeitung DIE WELT vom 26. 07. 2019.

Das egalitäre Bildungskonzept der Grünen negiert die unterschiedlichen Begabungen der  Schüler. Und der Wunsch  nach individualisiertem Lernen  führt zu einer Benachteiligung  bildungsferner Kinder.

Seit ihrer Niederlage bei der Bundestagswahl 2017 arbeiten die Grünen an einem Imagewechsel.  Sie wollen das Bild von der  Bevormundungs- und Verbotspartei vergessen machen und sich als politische Kraft präsentieren, die für die großen Zukunftsprobleme  mehrheitsfähige, „bürgerliche“ Lösungen anbietet. Das gegenwärtige Hoch bei den Meinungsumfragen scheint den grünen Strategen recht zu geben. Es lohnt sich, nicht nur den schön klingenden Losungen zu vertrauen, sondern einen Blick in das Kleingedruckte zu werfen.  In der Schulpolitik sind die Grünen  immer noch mit fragwürdigen linken Konzepten unterwegs. So findet sich im Grundsatzprogramm  das linke   Glaubensbekenntnis: Die Schüler sollen „länger miteinander und voneinander lernen“. Ungeachtet ihrer intellektuellen Voraussetzungen, Begabungen und Lerneinstellungen sollen alle Schüler möglichst lange  in derselben  Klasse unterrichtet werden. Begabung als Grundlage des Schulerfolgs von Kindern  wird explizit angezweifelt und stattdessen auf den Lernprozess vertraut, der alle Schüler  schon auf den gleichen Stand bringen werde. Die Grünen fordern sogar  „eine längere gemeinsame Grundschulzeit“, obwohl das Beispiel Berlins, wo die Grundschule sechs Schuljahre umfasst, nur abschrecken kann. Sechs Grundschuljahre verkürzen die Verweildauer am G8-Gymnasium auf sechs Schuljahre, was nicht ausreicht, um die Schüler verlässlich  auf das Studium vorzubereiten.   Das Wort „Leistung“ kommt im  Schulprogramm der Grünen ohnehin nicht vor. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Hochbegabte, Leistungsbereitschaft, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Schulformdebatte, Unterrichtsmethode