Archiv der Kategorie: Der richtige Umgang mit Schülern

Viele Lehrer scheitern, weil sie keinen „Draht“ zu den Schülern finden. Soziale Interaktion und emotionale Intelligenz kann man lernen. Sie gehören zum wichtigsten „Handwerkszeug“ eines Lehrers.

Schule als Gefahrenzone

Der Beitrag wurde veröffentlicht in der WELT vom 06. 02. 2019.

Mobbing ist fatal. Schreitet niemand ein, können die Schikanen unter Kindern im schlimmsten Fall für Lebensüberdruss sorgen. Dabei gibt es für Lehrer bewährte  Methoden, die Klasse zu befrieden.

Vor kurzem starb ein 11-jähriges Mädchen, das eine Berliner Grundschule besucht hatte. Dem „Tagesspiegel“ zufolge soll es einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein.  Das Mädchen soll  zuvor  in ihrer  Klasse von  Mitschülern  verbal  und körperlich   attackiert worden  sein. Eltern aus der Klasse berichteten, dass  Lehrer und Schulleitung auf das Problem  schon lange vorher  aufmerksam gemacht  worden seien. Sie hätten jedoch abgewiegelt, weil doch alles nicht so tragisch sei. Ein fataler Irrtum. Mobbing ist für die Betroffenen immer tragisch. Es führt zu Angst,  Ohnmachtsgefühlen  und schließlich zu Lebensüberdruss. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass eine Institution, der die Eltern ihre Kinder tagtäglich  anvertrauen, deutliche Hinweise auf  Mobbing nicht ernst nimmt. Weiterlesen

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Frauen sind die besseren Lehrer

Veröffentlicht in der WELT vom 17. 01. 2019

 

In allen Schulformen bilden weibliche Lehrkräfte inzwischen die Mehrheit – mit steigender Tendenz. Wie kann man sich das erklären? Sie verfügen neben mehreren Kernqualifikationen über eine erzieherische Geheimwaffe.

 

Frauen, die die Lehrer werden wollten, hatten eine Frauenquote noch   nie nötig. Vor kurzem  eroberten sie  aus eigener Leistung die letzte Männerbastion, das Gymnasium. Auch dort bilden sie inzwischen in den Lehrerkollegien die Mehrheit, wie das schon in den anderen Schulformen seit längerem der Fall ist. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen für sich: Fast drei Viertel der der deutschen Lehrer (72 Prozent) im Schuljahr 2014/2015 waren weiblich – deutlich mehr als vor zehn Jahren (67 Prozent). Zum Vergleich der Frauenanteil in Politik und Wirtschaft: Im aktuellen Deutschen Bundestag sitzen 30,9 Prozent Frauen, in den Vorständen der 200 größten Unternehmen gerade einmal 8 Prozent. Weiterlesen

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Leitkultur in der Schule

Veröffentlicht in  DIE WELT vom 19. 12. 2018

Jeden Tag machen sich von der Öffentlichkeit unbemerkt an den Schulen unserer Republik  Lehrkräfte ans Werk, um  ihren Schülern eine Leitkultur zu vermitteln. Sie dient dem friedlichen Zusammenleben im Kosmos Schule, der in unseren  Großstädten von Kindern aus über 50 Nationen „bevölkert“ wird. Sie dient aber auch der Festigung von Werten, ohne die ein zivilisiertes Miteinander in der Gesellschaft nicht möglich wäre. Die Lehrkräfte tun dies, ohne auch nur eine Sekunde lang an die ideologisch aufgeladene Debatte um eine „deutsche Leitkultur“ zu denken. Das Wort „deutsch“ spielt bei der in der Schule vermittelten  Kultur eine untergeordnete Rolle. Außer in den Fächern Deutsch und Geschichte gehören die  Stoffinhalte der  gymnasialen Fächer zum Weltwissen: die Sprachen, Mathematik, die Naturwissenschaften, Musik und Kunst. Selbst im Fach Geschichte ist die deutsche Nationalgeschichte in die Weltgeschichte  eingebettet. Wenn Lehrkräfte kulturelle Werte vermitteln,  ist ihnen bewusst, dass eine solche Werteerziehung  in erster Linie  der Persönlichkeitsbildung der Schüler dient.  Denn nur starke Persönlichkeiten sind in der Lage, im Strudel des Lebens ihren Mann oder ihre Frau zu stehen. Man denke an  Goethes Lobpreis auf die Persönlichkeit aus seinem Gedichtzyklus „Westöstlicher Diwan“: „Höchstes Glück der Erdenkinder / Sei nur die Persönlichkeit.“  Goethe war  der Meinung, dass der  Wesenskern der Persönlichkeit in jedem Menschen schon von klein an  angelegt sei, er müsse  nur durch die helfende und leitende Hand des Pädagogen zum Erblühen gebracht werden. „Werde, der du bist!“ – Dieses Wort von Friedrich Nietzsche wurde zum Leitfaden einer Pädagogik, die die Kinder nicht mehr nach den Regeln der Gesellschaft modeln, sondern ihnen den Weg ins Offene, in eine freie Selbstbestimmung zeigen wollte. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Historisches Bewusstsein, Unterrichtsinhalte

Unterforderung ist das Übel der Zeit

Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 18. 10. 2018

Warum wir einen literarischen Kanon in der Schule brauchen

Als ich 1975 an einem hessischen Gymnasium  zum ersten Mal vor einer  Klasse stand, um die Schüler  in deutscher Literatur zu unterrichten, war ich mit den Folgen der drei Jahre zuvor erlassenen „Hessischen  Rahmenrichtlinien Deutsch“ konfrontiert. Literaturunterricht sollte nicht mehr die Interpretation der „schönen“ klassischen Literatur sein,   sondern der „Umgang mit Texten“. Diesem Textbegriff war  alles eins: ein Gedicht von Rilke, eine Stellenanzeige und  ein Zeitungsartikel. Die  „hohe“ Literatur sollte vom Sockel geholt werden, um die Benachteiligung der  Schüler zu beseitigen, denen es nicht vergönnt ist, im Elternhaus mit Büchern und intellektuellen Gesprächen aufzuwachsen. Statt dem Kind aus der Unterschicht den Umgang mit Literatur wenigstens in der Schule zu ermöglichen, wurde  die Literatur gleich ganz  eliminiert.  Aus der „Ungleichheit“ weniger wurde   Ungleichheit für alle. Welch  fataler Irrtum, der bis heute nachwirkt. Weiterlesen

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Quereinsteiger tun den Schulen gut

Veröffentlicht in der „Welt am Sonntag“ vom 9. 9. 2018

Weil Lehrer fehlen, werden vermehrt angelernte Kräfte aus anderen Berufen angeworben. Die meisten sind keine Notlösung, sondern eine Bereicherung.

Landauf, landab wird zur Zeit  darüber geklagt, dass der Lehrermangel  an unseren Schulen vor allem durch Quereinsteiger kompensiert  wird.  Je nach Temperament des  Kommentators werden sie als „Anfänger“, „Dilettanten“ oder „Amateure“ bezeichnet.  Auch von  „Laientheater“ ist die Rede. Für Außenstehende erscheint die Situation an unseren Schulen bedrohlich: Laien kapern die heiligen Hallen unserer Ausbildungsstätten – zum Schaden unserer Kinder. Aus der Sicht des Lehrers  halte ich  diese Schelte für maßlos übertrieben. Weiterlesen

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Lernen mit Konfuzius

       Erschienen in der Tageszeitung DIE WELT vom 4. 9. 2019

 In Schulen hierzulande erzielen asiatische Kinder den größten Erfolg. Sie könnten Einheimischen und Zuwanderern als Vorbild dienen. Das Problem: Bei uns ist Spaß die wichtigste pädagogische Kategorie.

In den Klassenzimmern unserer Schulen sitzen  Schüler mit fremdländischen Wurzeln, die nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Sie schlagen  sich nicht auf dem Pausenhof, sind nicht aufsässig und verstoßen auch nicht  gegen die Regeln. Sie sind höflich, zuvorkommend und leistungsorientiert. Gemeint sind die Kinder asiatischer Eltern. In Deutschland leben zur Zeit 450.000 Menschen aus asiatischen Staaten.  Chinesen, Inder, Vietnamesen und Thais bilden unter ihnen die größten Gruppen. Oft habe ich im Lehrerzimmer  Kollegen  von asiatischen Schülern schwärmen hören, weil sie sich still und beharrlich, mit Fleiß und Ehrgeiz an die Leistungsspitze emporarbeiten. Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland schaffen 64 Prozent der vietnamesischen Kinder den Sprung aufs Gymnasium. Dieser Anteil ist um 11 Prozentpunkte höher als der Anteil der deutschen Schüler und  fünfmal so hoch wie bei türkischen Schülern. Weiterlesen

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Entzaubert

Am Ländervergleich schulischer Leistungen wird deutlich, dass das „längere gemeinsame Lernen“ die damit verbunden positiven Erwartungen  nicht erfüllt.

Fast jeder vierte Einwohner Deutschlands hat einen Migrationshintergrund. Diese ethnische Vielfalt bildet sich in keiner anderen Institution so sichtbar ab wie in der Schule.  Kinder aus aller Herren Länder lernen gemeinsam mit deutschen Kindern. Die Vielfalt der Herkunftssprachen ist  enorm.   Alle Schüler bringen die geistigen und kulturellen Prägungen  mit, die  sie im Elternhaus und in ihrem sozialen Milieu erworben haben. Heute lautet die Gretchenfrage der Pädagogik: Wie kann man  die Vielfalt an Begabungen, sprachlichem Vermögen, sozialem Verhalten und kulturellen Prägungen  pädagogisch  so  handhaben, dass für jedes Kind das optimale Lernergebnis herauskommt. Nicht-Pädagogen, die zum ersten Mal eine quirlige Multi-Kulti-Klasse live erleben, erscheint diese Aufgabe als die Quadratur des Kreises. Sie empfinden die Lehrkraft auf einer „mission impossible“. Doch die Lehrkräfte  wissen sich offensichtlich zu helfen. Darum gelingt auch der Unterricht im ganzen Land  überwiegend konfliktfrei. Auf einem anderen Blatt steht jedoch die Frage, wie sich der Umgang mit der heterogenen Schülermischung in den Lernergebnissen niederschlägt. Weiterlesen

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