Archiv der Kategorie: Der richtige Umgang mit Schülern

Viele Lehrer scheitern, weil sie keinen „Draht“ zu den Schülern finden. Soziale Interaktion und emotionale Intelligenz kann man lernen. Sie gehören zum wichtigsten „Handwerkszeug“ eines Lehrers.

Wie eine Schule ihre reformpädagogische Tradition verspielt

Vor genau 190 Jahren erschien ein Roman, der ein pädagogisches Konzept enthält, das aus heutiger Sicht verblüffend modern erscheint: „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ von Johann Wolfgang von  Goethe. Wilhelm Meister  besucht mit seinem Sohn Felix in der  „pädagogischen Provinz“ eine Internatsschule, die in unberührter Natur liegt, um seinen Sprössling   dieser Einrichtung anzuvertrauen. Beim Rundgang durch die Schule  erfährt der alleinerziehende Vater die Grundsätze der dort geübten Pädagogik. Deutlich wird, dass der Persönlichkeitsbildung der jungen Schüler  höchstes  Gewicht beigemessen wird. Musik, Gesang und Tanz, aber auch die Arbeit in  Garten und  Landwirtschaft  fördern und fordern die ganze Person, weil in diesen Tätigkeiten alle Sinne angesprochen werden. Goethe, der die sinnliche Wahrnehmung überaus schätzte, entwirft hier das Konzept einer ganzheitlichen Pädagogik,  das dem durchrationalisierten Ausbildungsbetrieb  unserer heutigen staatlichen  Schulen fundamental widerspricht. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, ganzheitliche Bildung, Schulinspektion, Unterrichtsmethode

Sackgasse Berlin

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 25. Sept. 2019

Seit Jahren landen die Schüler der Hauptstadt beim Vergleich der Länder auf dem letzten Platz.  Die Schulverwaltung weigert sich hartnäckig, die Rezepte erfolgreicher Bundesländer zu übernehmen. Eine Abrechnung.

Auswärtige Expertise soll es jetzt richten: Eine Kommission unter Prof. Olaf Köller vom Leibniz-Institut für die  Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel hat die Arbeit aufgenommen, um die Misere des Berliner Schulsystems zu durchleuchten und auf Abhilfe zu  sinnen. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sah sich zu diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen, weil  sich zu Beginn des neuen Schuljahres die Katastrophenmeldungen über die Berliner Schule häuften.  Aktuelle Schulleistungsdaten verweisen Berlins Schüler wieder einmal auf den letzten Platz.  Im „Bildungsmonitor 2019“ der Neuen Initiative Soziale Markwirtschaft (NISM) erreicht die Hauptstadt bei der Schulqualität nur 10 von möglichen 100 Punkten, der Sieger Sachsen glänzt mit 85 Punkten. Beim „Vera 3“- Vergleichstest, der die Leistungen der Grundschüler misst,  erfüllen in Deutsch  52 Prozent  nicht den durchschnittlichen Standard, in Mathematik sind es 56 Prozent. Von 2015 bis 2017 ist die Anteil der Schüler ohne Abschluss von 9,3 Prozent auf 11,7 Prozent gestiegen. Im bundesdeutschen  Durchschnitt beträgt die Quote nur 6,9 Prozent. Die Bildungsverwaltung musste zu Schulahrbeginn zugeben, dass bis zum Schuljahr 2021/2022  bis zu  9.500 Schulplätze  fehlen. Wegen all dieser schlechten Nachrichten legte der  „Landeselternausschuss Berlin“ der Schulsenatorin indirekt den Rücktritt nahe, weil er ihr  nicht mehr zutraut, Berlins Schulen aus der Misere herauszuführen.  Diese Attacke hat die SPD kalt erwischt, hatte sie doch gerade finanzielle Wohltaten unters Wahlvolk gestreut: kostenlose Kita, Freiticket im Öffentlichen Nahverkehr, freies Essen in der Schule. Diese Spendierfreudigkeit bestätigt wieder einmal, dass für die SPD  Schulpolitik  letztlich Sozialpolitik ist. Sie ist auch eine  Form von Ablasshandel: Geld soll den Unmut der Eltern über die schlechten Schülerleistungen besänftigen. Der Elternverband schreibt sarkastisch,  das durch die Freitickets eingesparte Geld  müsse  locker wieder ausgegeben werden, um Nachhilfe oder  eine  Privatschule zu bezahlen. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Kompetenzen, Lehrplanverfehlungen, Leistungsbereitschaft, Schülerleistungen, Schulformdebatte, Schulgesetz, Stärkung des Gymnasiums, Unterrichtsinhalte

Versager Grundschule

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 28. 08. 2019

Sie bereitet immer schlechter auf weiterführende Schulen vor. Das hat fatale Folgen für alle Kinder. Doch das eigentliche Problem sind Bildungspolitiker und Pädagogen, die hilfreiche Methoden als politisch  unkorrekt abqualifizieren.

Jedes Kind in Deutschland besucht eine Grundschule. Mit ihr beginnt die allgemeine Schulpflicht. 2018 gab es in unserem Land  15.400 Grundschulen.  Eingeschult wird man in der Regel in einer wohnortnahen Schule, damit weite Wege für die  sechs  Jahre alten Kinder vermieden werden.  Weil die Grundschule  eine Zwangsgemeinschaft ist, der sich kein Kind entziehen kann, achten Eltern  auf die pädagogische Qualität der ins Auge gefassten  Schule. Sie lässt sich verlässlich an den Ergebnissen eines Testverfahrens ablesen, das in ganz Deutschland angewandt wird.  In  dem Vergleichstest  VERA  für Schüler  der  3. Klasse  werden Kenntnisse und  Fähigkeiten in Deutsch und Mathematik abgefragt. Den Test in der 3. Klasse durchzuführen, ist sinnvoll, weil danach noch ein ganzes Schuljahr  bleibt (in Berlin und Brandenburg noch drei), bevor der Übergang auf die weiterführende Schule stattfindet. Da einige Bundesländer den Zugang zum Gymnasium noch nicht gänzlich dem Elternwillen anheimgestellt haben, können die Eltern an den „VERA 3“-Ergebnissen ablesen, ob „ihre“ Grundschule die Schüler gut auf den Übergang in die beliebteste Schulform  vorbereitet. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode

Auch schwierige Schüler haben Potential

Abgedruckt in der WELT vom 14. 08. 2019

In vielen Problemschulen kapitulieren Lehrkräfte und lassen sich an „leichtere“ Schulen versetzen. Exzellenz gibt es bei uns nur in der Beletage des Bildungssystems.  Warum nicht auch im Souterrain?

Jedes Jahr  verlassen in Deutschland knapp 50.000 Schüler die Schule ohne  Abschluss.  Diese Zahl ist wie in Stein gemeißelt.  Dabei sind die Ursachen für  Schulversagen   gut erforscht. Dauerhaftes Schwänzen steht  an erster Stelle.   Schulbehörden greifen inzwischen durch.  Gegen uneinsichtige Eltern  verhängen sie Bußgelder. Säumige  Kinder werden  auch schon mal  von der Polizei zur Schule gebracht. In vielen Großstädten gibt es Polizeistreifen, die morgens um 10 Uhr   in den Elektronikmärkten Jugendliche  „einsammeln“ und zur Schule bringen. Wer über einen längeren Zeitraum den Unterrichtsstoff versäumt, hat über kurz oder lang so große Lücken, dass er sie kaum noch ohne fremde Hilfe  füllen kann. Ein Teufelskreis beginnt: Um der Schmach des Versagens im Unterricht zu entgehen, bleibt der Schüler lieber ganz der Schule fern. Funktionale Analphabeten berichten, dass sie schon in der Grundschule wegen  Schwänzens den Anschluss verloren hätten. Aus Scham und Frust hätten sie nur noch  versucht, sich bis zur Ausschulung ohne Schreiben  durchzumogeln.  Sich die Schreibhand zu verbinden, ist dabei ein beliebtes  Täuschungsmittel. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Fehlzeiten, Leistungsbereitschaft, Migrantenkinder in der Schule, Quereinsteiger in der Schule, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Unterrichtsmethode

Den Schaden haben die Schwächsten

Veröffentlicht in der Zeitung DIE WELT vom 26. 07. 2019.

Das egalitäre Bildungskonzept der Grünen negiert die unterschiedlichen Begabungen der  Schüler. Und der Wunsch  nach individualisiertem Lernen  führt zu einer Benachteiligung  bildungsferner Kinder.

Seit ihrer Niederlage bei der Bundestagswahl 2017 arbeiten die Grünen an einem Imagewechsel.  Sie wollen das Bild von der  Bevormundungs- und Verbotspartei vergessen machen und sich als politische Kraft präsentieren, die für die großen Zukunftsprobleme  mehrheitsfähige, „bürgerliche“ Lösungen anbietet. Das gegenwärtige Hoch bei den Meinungsumfragen scheint den grünen Strategen recht zu geben. Es lohnt sich, nicht nur den schön klingenden Losungen zu vertrauen, sondern einen Blick in das Kleingedruckte zu werfen.  In der Schulpolitik sind die Grünen  immer noch mit fragwürdigen linken Konzepten unterwegs. So findet sich im Grundsatzprogramm  das linke   Glaubensbekenntnis: Die Schüler sollen „länger miteinander und voneinander lernen“. Ungeachtet ihrer intellektuellen Voraussetzungen, Begabungen und Lerneinstellungen sollen alle Schüler möglichst lange  in derselben  Klasse unterrichtet werden. Begabung als Grundlage des Schulerfolgs von Kindern  wird explizit angezweifelt und stattdessen auf den Lernprozess vertraut, der alle Schüler  schon auf den gleichen Stand bringen werde. Die Grünen fordern sogar  „eine längere gemeinsame Grundschulzeit“, obwohl das Beispiel Berlins, wo die Grundschule sechs Schuljahre umfasst, nur abschrecken kann. Sechs Grundschuljahre verkürzen die Verweildauer am G8-Gymnasium auf sechs Schuljahre, was nicht ausreicht, um die Schüler verlässlich  auf das Studium vorzubereiten.   Das Wort „Leistung“ kommt im  Schulprogramm der Grünen ohnehin nicht vor. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Hochbegabte, Leistungsbereitschaft, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Schulformdebatte, Unterrichtsmethode

Klima in der Schule

Veröffentlicht in der Zeitung DIE WELT vom 18. 07. 2019

Seit soziale und ökologische Bewegungen auch Gymnasien  erfasst haben, müssen sich Lehrkräfte immer häufiger dafür rechtfertigen, dass sie Fakten vermitteln. Ist aufklärerisches Denken in der Schule in Gefahr?

Ein 18-jähriger Gymnasiast aus Köln rechtfertigt sich gegenüber dem Reporter eines Nachrichtenmagazins für seine Teilnahme an den Freitagsdemonstrationen der Klimaaktivisten mit den Worten: „Wieso sollte ich in die Schule gehen, wenn ich weiß, dass es in ein paar Jahrzehnten keine Schule mehr geben wird, wenn wir jetzt nicht auf die Straße gehen.“ –  Die Motive seiner Mitstreiter klingen ähnlich: Die Welt geht unter, wenn wir uns jetzt nicht für das Klima ins Zeug legen. In Geografie und Biologie haben die Freitagsaktivisten solche Untergangsszenarien sicher nicht gelernt. Selbst die Umweltorganisation Greenpeace, nicht eben für Untertreibungen  bekannt, kennt kein Klimamodell, das auch nur annähernd die  Weltuntergangsängste der demonstrierenden Schüler rechtfertigen würde. Natürlich darf man im Meinungskampf übertreiben. Das haben Jugendbewegungen  immer schon  getan. Wenn aber von sieben etablierten Umweltorganisationen eben mal drei  die  krassen  Forderungen der Klima-Jugend teilen, besteht die Gefahr, dass  sich die Schüler  durch ihren  dystopischen Radikalismus selbst  ins Abseits befördern. Die Öffentlichkeit wirkt an der quasireligiösen Überhöhung der Schülerbewegung fleißig mit. So hat Berlins katholischer Bischof Heiner Koch die Vorbildwirkung der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg mit der von Jesus Christus verglichen. Auch historische Parallelen drängen sich auf. Im Jahr 1212 brachen Tausende Kinder und Jugendliche zu einem Kreuzzug zur Befreiung des Heiligen Landes auf, weil fanatische Bischöfe der Meinung waren,  nur „unschuldige“ Kinder könnten die Erlösung bringen. Kein einziges Kind kam damals  ans Ziel. Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Klimathematik in der Schule, Schulstreik, Unterrichtsinhalte

Jugend muss forschen

Veröffentlicht in der WELT vom 04. Juni 2019

Bei den Patenten liegt Deutschland abgeschlagen hinter den USA und China. Unsere Schulen sollten sich mehr um Hochbegabte kümmern, damit sie die Erfindungen von morgen machen – und unseren Wohlstand sichern.

Beim PISA-Test 2015 befanden sich unter den 12 Ländern, die die Leistungstabelle anführten, acht  asiatische Länder. Seit Einführung dieses Ländervergleichstests  haben sie sich kontinuierlich  an die Spitze vorgearbeitet. Deutschland rangierte 2015 nur  auf dem 16. Platz von 70 teilnehmenden Ländern. Seit 2012 ist  beim PISA-Test im Fach Mathematik  der Anteil der besonders leistungsstarken deutschen  Schüler, die die höchste  Kompetenzstufe 6 erreichen,   von 18% auf 13% zurückgegangen, während er im OECD-Durchschnitt nur um 2% gesunken ist. Auch in Kompetenzstufe 5 ist ein Rückgang zu verzeichnen.  Im Jahr  2017 hat China 1.306.000 internationale Patente angemeldet, die USA 526.000. Deutschland ist mit 176.000 Patenten weit zurückgefallen. Unter den 20 führenden  Hightech-Unternehmen der Welt gibt es  mit  SAP  nur eine einzige deutsche Firma. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Hochbegabte, Leistungsbereitschaft, Schülerleistungen, Stärkung des Gymnasiums