Archiv der Kategorie: Der richtige Umgang mit Schülern

Viele Lehrer scheitern, weil sie keinen „Draht“ zu den Schülern finden. Soziale Interaktion und emotionale Intelligenz kann man lernen. Sie gehören zum wichtigsten „Handwerkszeug“ eines Lehrers.

Muslimische Mädchen starten durch

Erschienen in DIE WELT vom 10. April 2018

„Wie hoch ist an Ihrer Schule der Ausländeranteil?“ – Diese Frage an den Direktor eines renommierten Gymnasiums im Berliner Bezirk Mitte richtete keinesfalls ein besorgter bildungsbeflissener Vater aus dem Bildungsbürgertum. Nein, sie kam von einem türkischen Vater, der seine 12-jährige  Tochter zum Schulbesuch  anmelden wollte. Die Tochter sei klug und wolle unbedingt das Abitur machen –  und er habe vom guten Ruf des Gymnasiums gehört. Dem Wunsch stand nichts entgegen. Der  verblüffte Direktor stellte allerdings  die Gegenfrage: „Sind  Sie denn nicht selbst Ausländer?“  Der  Vater  antwortete  nicht ohne Stolz, mit den „Türken in Neukölln“ wolle er nichts zu tun haben, mit den Schulen dort schon gar nichts. Sein Mädchen könne nur vernünftig lernen, wenn an der Schule – auch in den Pausen – Deutsch gesprochen werde. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Sozialer Aufstieg durch Bildung

Die Klasse ist Heimat

Erschienen in  DIE WELT vom 14. 03. 2018

Bildungspolitik ist nicht Sozialpolitik. Der Streit über guten Unterricht dreht sich daher um die Frage, wie man mit der Heterogenität von Schülern umgehen soll. Man kann sie jedenfalls nicht sich selbst überlassen.

In Deutschland wird  vom Fahrradhelm bis zum  elektrischen Eierkocher alles getestet. Wenn ein Produkt Mängel offenbart, wird es vom Hersteller  schnell nachgebessert. In krassen Fällen wird es auch aus den Regalen genommen, um die Kunden vor Schaden zu bewahren. Wie ist es in der Bildung? Auch hier wird viel getestet. Es gibt den PISA-Test der OECD, der im dreijährigem Turnus stattfindet. Auf nationaler Ebene gibt es TIMSS und VERA. Das  Institut der deutschen Wirtschaft in Köln veröffentlicht jedes Jahr den Bildungsmonitor, der Aufschluss darüber gibt, wie sich die Bildungssysteme der Bundesländer entwickeln.  Bei all diesen Tests  schneiden die egalitär ausgerichteten Schulsysteme gegenüber dem gegliederten System deutlich schlechter ab. Im Bildungsmonitor 2017 rangieren  sechs damals noch rot-grün regierte Bundesländer auf den letzten Plätzen. Berlin hat schon seit Jahren die Rote Laterne inne. Man sollte annehmen, dass dies die Verantwortlichen in Unruhe versetzt und zu einer Korrektur veranlasst: „Unser Produkt überzeugt nicht. Wechseln wir es aus“. Das Gegenteil geschieht. Von Selbstkritik keine Spur. Man richtet es sich am Tabellenende wohnlich ein. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Unterrichtsqualität

Vergötzung der Bildung

Veröffentlicht in:  DIE WELT vom 17. 02. 2018

Unsere Schulen werden  immer mehr mit gesellschaftlichen Aufgaben überfrachtet, die im Elternhaus besser aufgehoben wären. Sie sollten sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrierten: guten Unterricht, die Schulung des Denkens und des Geistes.

Politiker aller Parteien werden nicht müde, Bildung als den Schlüssel zur Lösung all unserer Probleme  anzupreisen. Um griffige Metaphern sind sie dabei nicht verlegen. Schulen sollen „Leuchttürme“ sein oder „Kathedralen“. Vielfältige Heilserwartungen knüpfen sich an unser Bildungssystem. Es soll die klugen Köpfe hervorbringen, die durch ihre Erfindungen unserem rohstoffarmen Land weiterhin  Wohlstand sichern. Bildung soll  als Fahrstuhl des sozialen Aufstiegs fungieren. Für die Bertelsmann-Stiftung – um Skandalsierungen nie verlegen – ist der Zusammenhalt unserer von sozialer Spaltung bedrohten Gesellschaft nur durch Bildung zu retten.  Auch die Integration von Schülern mit Migrationsgeschichte könne nur durch Bildung gelingen. In der  Aufladung von Bildung zum universellen Heilsbringer sieht  der Philosoph Konrad Paul Liessmann eine  „säkularisierte Religion“. Wer den Heilserwartungen keinen Glauben schenkt, weil er einen realistischen Blick auf das durch Bildung Leistbare hat, gelte als ketzerischer Ignorant.  Da Schule alles können soll, wird der Bildungsprozess ständig mit gesellschaftlichen Anliegen überfrachtet: Verkehrserziehung müsse sein, damit die Kinder nicht Opfer im Straßenverkehr werden; Sexualaufklärung mit HIV-Prophylaxe sei ethisch geboten; sich in der Geschlechtervielfalt unserer Zeit  auszukennen, könne auch nicht schaden; gesunde Ernährung? auch sie sei als Lernthema nützlich.  All diese Themen gehen, da sie in die existierenden Fachlehrpläne eingefügt werden, zeitlich zu Lasten des Fachunterrichts. Außer den Lobbyverbänden  hat niemand daran wirklich Freude. Den  Lehrkräften bleibt der ideologische Background dieser Themen nicht verborgen. Kritiker sprechen von „Schulungskursen für Political Correctness“ (Norbert Bolz).  Die meisten Schüler langweilen sich, weil sie  das nötige Wissen  schon im Elternhaus erworben haben. Weiterlesen

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Warum ich nicht mehr links bin

 „Sozialismus ist die Philosophie des Versagens, das Credo der Ignoranz  und das Glaubensbekenntnis des Neides.“   (Winston Churchill)

Das rauer gewordene gesellschaftliche Klima färbt auch auf persönliche Beziehungen ab. Freunde aus der gemeinsamen linken Vergangenheit fangen an, sich von mir zu distanzieren. Sie haben meine Verteidigungsschrift für das Gymnasium  gelesen („Fluch des Erfolgs. Wie das Gymnasium zur Gesamtschule light mutiert“, 2015) und werfen mir vor, für die „Selektion von Kindern“ einzutreten. Sie haben Essays von mir bei den  „Starken Meinungen“  gelesen und klagen mich an, mich von der Willkommenskultur des Herbstes 2015 zu distanzieren und mich dadurch „mit den Rechten “ gemein zu machen. Wie früher in der  katholischen Kirche ist man mit  Stigmatisierungen schnell zur  Hand, wenn ein „Ehemaliger“  vom rechten Glauben abgefallen ist. Und wie man sieht, verlieren Werte  wie Freundschaft, Loyalität und Treue an Bedeutung, wenn ideologische Überzeugungen im Spiele sind. Es wäre leicht, den Freunden von einst vorzuwerfen, sie hielten an linken Dogmen fest, die sich vor der Realität längst blamiert  haben  und die sie nur noch  als Lebenslügen mit sich herumtragen. Das würde sie kaum treffen. Man legt ja den wärmenden Mantel nicht ab, wenn es kalt um einen herum wird. Also versuche ich es auf anderem Wege. Ich zeichne nach,  weshalb ich die linken Denkmuster, die mich in den 1970er Jahren geprägt hatten, abgelegt habe. Dass ich mich bei diesem „Bekenntnis“  auf den Bereich der Bildung konzentriere, liegt in der Natur der Sache: Hier habe ich mein Links-Sein verlernt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsqualität

Wie eine Kulturtechnik verkümmert

Das Berliner Gymnasium, an dem unterrichtet habe, bekam seine Schüler aus über zehn Grundschulen „angeliefert“. Den Lehrkräften der Eingangsklassen (in Berlin ist das die 7. Klasse) war schnell klar, welche Grundschulen ihre Schüler gut auf die Oberschule vorbereitet haben und welche nicht. In Deutsch beherrschten einige Schüler schon Wortarten und  Satzglieder, während andere  diese Fachbegriffe noch nie  gehört hatten. Auch beim Lesen gingen die Leistungen weit auseinander. Ich habe erlebt, dass (männliche) Schüler mich vor der Stunde baten, sie nicht laut vorlesen zu lassen, weil „sie das nicht können“. Sie wollten sich nicht vor ihren Mitschülern blamieren. Diese Unterschiede bestanden nicht  nur – was inzwischen gesichertes Wissen ist – zwischen Schülern aus kulturell unterschiedlich geprägten Elternhäusern. Die Leistungen differierten nach der Grundschule, die die Schüler jeweils  absolviert hatten. Man kann also den Schluss wagen, dass  es Schulen gibt, die ihren Auftrag, die Kinder auf die weiterführenden Schulen vorzubereiten, ernst nehmen und dabei auch erfolgreich sind, und solche, die sich eher einer Laissez-faire-Pädagogik verschrieben haben. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut

Frankfurter Allgemeine Zeitung (16. 11. 2017)

Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut

 Warum G8 im Westen gescheitert ist und wie sich die Kultusminister in ihren eigenen Absichten verheddert haben

 von Rainer Werner

In Anlehnung an einen berühmten Buchtitel von Hans Magnus Enzensberger könnte man vom „kurzen Sommer des G8-Gymnasiums“ sprechen. Ein Bundesland nach dem anderen hat inzwischen den Rückzug angetreten und will wieder zu G9 zurückkehren. Die schulpolitische Springprozession hat seit der Einführung von G8 im Jahre 2012 eine beispiellose   Zerklüftung der Schullandschaft  bewirkt. Mal gibt es wie in Hessen das 8- und 9-jährige Gymnasium parallel. Dann ist wie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zwar  G8 die Regel, es  gibt  aber auch G9 als Modellversuch, quasi als Einstieg in den Ausstieg. Schleswig-Holstein geht bis auf wenige Ausnahmen  zu G9 zurück.  Die dem Populismus nie abgeneigte bayerische Landesregierung hat eine radikale Kehrtwendung vollzogen und setzt wieder auf G9, weil es die Bevölkerung so will. Man könnte meinen, es habe nie einen plausiblen Grund dafür gegeben, die Schulzeit am Gymnasium von neun  auf acht  Schuljahre zu verkürzen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Stärkung des Gymnasiums, Unterrichtsqualität

Die Leistungen unserer Grundschüler werden schlechter

Die deutsche Wirtschaft eilt von Rekord zu Rekord: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Tiefstand angekommen, die Zahl der Erwerbstätigen so hoch wie nie. Der Staat profitiert davon in einzigartiger Weise: Seit Jahren ist der Staatshaushalt ausgeglichen, weil die Steuereinnahmen sprudeln. Die Schuldenbremse kann problemlos eingehalten werden.

Ganz anders sieht es in einem Bereich aus, der für die Wirtschaft von morgen von zentraler Bedeutung ist: in der schulischen Bildung. Die am 13. Oktober 2017 vorgestellte Studie des „Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) zeitigt ernüchternde Resultate: 30.000 Grundschüler der vierten Klasse  aus mehr als 1.500 Schulen wurden in Deutsch und Mathematik getestet. In beiden Fächern fallen die Ergebnisse zum Teil deutlich  hinter die Resultate von 2011 zurück. In der Rechtschreibung erreichen nur 55 Prozent der Schüler den Mindeststandard gegenüber 65 Prozent im Jahr 2011. In Mathematik sind es  62 Prozent im Jahr 2016 gegenüber 68 Prozent im Jahr 2011. Diese schlechten  Ergebnisse sind deshalb verwunderlich, weil andere Studien – vor allem die PISA-Studie der OECD –  unseren Schülern von Mal zu Mal bessere  Leistungen attestiert  haben. Die schlecht getesteten Grundschüler werden bald  in der Sekundarstufe I sitzen und dann auch für schlechtere PISA-Ergebnisse sorgen, wenn jetzt  nicht entschieden gegengesteuert wird. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Rolle des Lehrers, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität