Monatsarchiv: September 2016

Verteidigung der Gesamtschule

Das deutsche Erbrecht kennt die Regelung, dass man ein  Erbe   ausschlagen kann. Dies ist  vor allem dann ratsam, wenn man von dem Verstorbenen Schulden erbt, die man mit dem eigenen Vermögen nicht begleichen kann. In der Politik kommt es selten vor, dass man das politische oder moralische Erbe negiert, das von einem früheren Heros der Partei überkommen ist. So sonnt sich die  CDU  heute noch im Glanze  Konrad Adenauers. In der SPD ist Willy Brandt fast zur Heiligenfigur aufgestiegen. Mit der Sachpolitik früherer Parteiführer geht man schon etwas vorsichtiger um. Manches Erbteil wird auch schlicht verweigert.  So distanzieren sich heute große Teile der  SPD  von der Agenda 2010 von Gerhard Schröder, obwohl diese Reform die Grundlage für unser heutiges Wirtschaftswachstum gelegt und den Sozialstaat vor dem Kollaps bewahrt hat. Schändlich geht die SPD heute mit einer Schulform um, die sie einst erfunden hat und die auf eine lange, ehrwürdige Geschichte zurückblicken kann: die Gesamtschule. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

Hamburgs Stadtteilschule: Note „mangelhaft“

Die Ergebnisse der bundesweit durchgeführten Tests zur Überprüfung schulischer Kompetenzen („Kermit“ 2016) sind für die 8-Klässler an Hamburgs „Stadtteilschulen“ (so heißen dort die Sekundarschulen) verheerend ausgefallen. Beim „Leseverstehen“ erreichten 35% der Schüler nicht den geforderten Regelstandard. Von diesen Schülern  scheiterten 15% sogar am niedrigeren Mindeststandard. Im Bereich „Sprachgebrauch“ sieht es nicht besser aus. Hier verfehlten  43% der Schüler den  Regelstandard. Im Fach Mathematik gibt es einen  ähnlich  düsteren Befund:  77% der Schüler liegen  unterhalb des Mindeststandards. Beim „Englisch-Hörverstehen“ liegt  die Quote bei 48,5%.  Weiterlesen

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Gut gehütete Tabus

Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. 9. 2016 (Bildungswelten)

Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 startete die Pilotphase der Gemeinschaftsschule, an der zunächst  24  Berliner  Schulen teilnahmen. Inzwischen haben zwei  Schülergenerationen diese Schulform vollständig durchlaufen. Grund genug, Bilanz zu ziehen. Wenn eine neue Schulform gegründet wird, steht sie unter einem besonderen Rechtfertigungszwang. Sie muss unter Beweis stellen, dass sich ihre Gründung gelohnt hat, weil sie  gute Lernergebnisse erzielt. Dies wollen vor allem die Eltern wissen, die jedes Jahr aufs Neue vor der Frage stehen, in welche Schule sie ihre Kinder schicken sollen. Aber auch der Steuerzahler hat ein Recht darauf zu erfahren, ob die neue Schule die Investitionskosten wert ist, die sie verursacht hat.

Im März 2016 hat nun die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin, vertreten durch die Senatorin, Frau Sandra Scheeres, den Abschlussbericht zur Pilotphase der Gemeinschaftsschule der Öffentlichkeit vorgestellt und, wie es bei Politikern üblich ist, voreilig eine positive Bilanz gezogen. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch Zweifel an der Erfolgsbilanz  und viele Fragen, die nicht beantwortet werden. Weiterlesen

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