Monatsarchiv: August 2017

Integration auf Vietnamesisch

In Deutschland leben  ca. 150 000 Vietnamesen. Es sind die Nachfahren der sog. Boat-People, die in den späten 1970er Jahren aus humanen Gründen in unserem Land aufgenommen wurden. Es sind auch die Nachkommen der Vietnamesen, die die ehemalige DDR als „Vertragsarbeiter“ aus dem kommunistischen Nordvietnam aufgenommen hatte. Im Unterricht habe ich viele Kinder mit vietnamesischem Hintergrund unterrichtet und mit ihnen nur gute Erfahrungen gemacht.  Im Lehrerzimmer haben die Kollegen manchmal gefeixt: Die lieben Vietnamesen machen etwas falsch. Sie sind nicht aufsässig, verstoßen nicht gegen die Regeln, beschimpfen die Lehrerinnen nicht als „deutsche Schlampen“, sie sind höflich und zuvorkommend – und leistungsorientiert. Und deshalb stehen sie nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit, wie das z.B. türkische oder arabische Jugendliche ständig zu tun pflegen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Leistungsbereitschaft, Sozialer Aufstieg durch Bildung

Ein Schritt vorwärts – zwei Schritte zurück

Alarmierender  Rückschritt in der Schulqualität

Mitte August 2017 wurde der „Bildungsmonitor 2017“ veröffentlicht, der vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ in Köln jedes Jahr herausgegeben wird. Diese Studie untersucht die Qualität von Bildung in Schule und Hochschule  und erstellt daraus ein Ranking der Bundesländer. Wie  zu erwarten war, belegen auch dieses Jahr  die Länder Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg  die vordersten Plätze. Die drei Länder Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin rangieren am Ende  der Tabelle. Studiert man die Ergebnisse der Studie im einzelnen, fallen einige Verbesserungen ins Auge. So nahm die Qualität in den Handlungsfeldern Internationalisierung um 16,5 Punkte, bei der  Förderinfrastruktur um 10,7 Punkte und bei den  Betreuungsbedingungen um 8,8 Punkte zu. Alarmierend ist hingegen die Abnahme der Schulqualität um 7,3 Punkte. Diese Verschlechterung ist deshalb besorgniserregend, weil die Schulqualität den Kernbereich der Bildung betrifft. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Innere Schulreform, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

Pädagogische Gretchenfrage

Der bildungspolitische Streit zwischen dem rot-grünen und dem konservativen Lager macht sich vor allem an der Frage fest, wie man mit der Heterogenität der Schülerschaft umgehen soll. Selten wird in der Diskussion auf die Erfahrung der Lehrer zurückgegriffen. Dabei könnten  sie am besten über wirkungsvolle Unterrichtskonzepte Auskunft geben. Dies ist ein Plädoyer für  pädagogische  Vernunft.

Wer als Lehrer schon einmal in einer heterogen zusammengesetzten Klasse – etwa in einer Gesamtschule – unterrichtet hat, dem wird folgende Situation vertraut vorkommen. Die Lehrkraft erläutert im Geschichtsunterricht der 8.  Klasse die Gewaltenteilung, die in der Französischen Revolution das  absolute Herrschaftssystem der Könige zerbrochen hat. Schnell wird deutlich werden, dass die leistungsstarken Schüler das Prinzip der Trennung der staatlichen Gewalten im Nu  verstehen, während es den leistungsschwachen Schülern, denen abstraktes Denken oft nicht gegeben ist, schwer fällt, den Sinn dieser demokratischen Herrschaftsform zu begreifen. Der Lehrer  wird den Umweg über ein lebensnahes Beispiel – etwa aus dem schulischen Leben – nehmen müssen, um Gewaltenteilung auch für die Schüler mit geringem Abstraktionsvermögen sinnlich erfahrbar  und dadurch begreiflich  zu machen. Mit den guten Schülern hätte er  schon längst im Stoff voranschreiten und noch weit schwierigere Sachverhalte diskutieren können. Die meisten Lehrer  werden jedoch, dem  sozialen Anspruch der Gesellschaft und ihrem eigenen pädagogischen Gewissen gehorchend, so lange auf die Verständnisschwierigkeiten der leistungsschwachen Schüler eingehen, bis sie das Gefühl haben, dass sie das Geforderte annähernd verstanden haben. In der Regel bleiben während dieser „Förderphase“ die guten Schüler ohne Aufgabe, im besten Fall wird ihnen  die Lehrkraft raten, im Geschichtsbuch schon einmal das nächste Kapitel zu lesen. Eine nachhaltige Förderung der leistungsstarken Schüler kann man das nicht nennen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

Leitkultur -pädagogisch

Jeden Tag machen sich von der Öffentlichkeit unbemerkt an den Schulen unserer Republik  Lehrkräfte ans Werk, um bei ihren Schülern eine Leitkultur einzuüben. Sie dient dem friedlichen Zusammenleben im Kosmos Schule, der in unseren  Großstädten von Kindern aus über 100 Nationen „bevölkert“ wird. Sie dient auch der Festigung der Werte, ohne die ein zivilisiertes Miteinander in der Gesellschaft nicht möglich wäre. Die Lehrkräfte tun dies, ohne auch nur eine Sekunde lang an die ideologisch aufgeladene Debatte um eine „deutsche Leitkultur“ zu denken. Sie tun dies aus reiner Selbstverständlichkeit und weil eine Werteerziehung  der Persönlichkeitsbildung der Schüler dient. Im folgenden Glossar findet man die Werte, die mir in meiner Arbeit als Lehrer besonders wichtig waren. Sie reflektieren natürlich meine Unterrichtsfächer Deutsch, Geschichte und Politik. Aber auch meine Liebe zur Musik. Lehrkräfte anderer Fachrichtungen (Naturwissenschaften, Sprachen, Künste) mögen andere Vorlieben haben. Das zivilisatorische Wertefundament bleibt  jedoch stets das gleiche. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Rolle des Lehrers, Unterrichtsinhalte

Ist die Schule daran schuld?

 Immer wieder kann man in der Zeitung  lesen, in Deutschland gehe es deshalb ungerecht zu, weil die Aufstiegserwartungen junger Menschen aus der sozialen Unterschicht nicht erfüllt würden. Selbst begabten Schülern falle es zunehmend schwer, in höhere Regionen –  Abitur oder Hochschulabschluss – aufzusteigen.  Die Schuld daran wird fast immer der Schule zugewiesen, die es nicht schaffe, die sozial benachteiligten Schüler ausreichend zu motivieren. Unterstützung bekommen diese Kritiker stets von Organisationen wie der OECD und der Bertelsmann-Stiftung, die seit Jahren  beklagen, dass bei uns der schulische Erfolg  der Kinder noch zu sehr vom Geldbeutel der Eltern abhänge. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung