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Utopie: „digitale Schule“: Der Computer wird´s nicht richten!

 Die Hoffnung der Technik-Optimisten, der Einsatz des Computers im Klassenzimmer werde den Unterricht verbessern, hat sich als Illusion erwiesen.

 Technische Neuerungen lösen oft gesellschaftliche Befreiungsphantasien aus. So auch die Erfindung von PC und Internet. Pädagogen knüpften daran die Hoffnung, die Schule von den Zwängen des mühsamen Lehrens und Lernens im Klassenzimmer erlösen zu können. Sie schrieben sich die  Überwindung der „Kreidezeit“ auf die Fahnen und versprachen das goldene Zeitalter der Didaktik. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

Das Ende der Inkompetenz

Aus der  Geschichte  der Technik ist uns geläufig, dass Altgewohntes plötzlich  durch den Geistesblitz eines Einzelnen über den Haufen geworfen wird.  In den Geisteswissenschaften  sind solche „Umstürze“ selten. Auch in der Pädagogik hat es seit der Erfindung der Reformpädagogik zwischen 1890 und 1920  keine „kopernikanische Wende“  mehr gegeben. Jetzt könnte  sie erneut  geschehen: durch einen  neuen Pädagogik-Guru, den neuseeländischen Bildungsforscher  John Hattie. Die Times nennt ihn den „wohl einflussreichsten Bildungswissenschaftler der Welt“.  Hat dieser Forscher den Stein der Weisen in  der Unterrichtsforschung  gefunden?  Seine Forschungsergebnisse scheinen dazu angetan, die pädagogische Zunft aufzuschrecken und  ihre Gewissheiten durcheinanderzuwirbeln. Wenn Hatties Forschungsergebnisse in Deutschland ernst genommen würden, wären 50 Jahre schulpolitischer Kämpfe um die richtige Schulform schnöde Makulatur. Weiterlesen

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Pädagogik der Vereinzelung

 

Wenn Sozialdemokraten und Grüne über Bildung reden, werden immer dieselben Formeln bemüht: Es gelte, die Bildungschancen unserer Kinder von ihrer sozialen  Herkunft zu entkoppeln;  den Kindern der Unterprivilegierten sollte durch Bildung die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden; der Schlüssel zur besseren Integration von Kindern mit Migrationshintergrund sei eine bessere Bildung. Diesen Zielen wird kein vernünftiger Mensch, schon gar kein Pädagoge widersprechen können. Bildung war immer schon der Türöffner für den sozialen Aufstieg, für ein Leben in Wohlstand und Würde. Alle wohlhabenden Nationen dieser Welt   haben ihren Aufstieg über Ausbildung, Forschung, wissenschaftliche Entdeckungen  und technische Innovationen geschafft.

So unstreitig die Zielbeschreibung von Rot-Grün ist, so problematisch wird es, wenn man genauer betrachtet, wie diese  Ziele pädagogisch in die Tat umgesetzt werden. Dem gegliederten Schulsystem setzt Rot-Grün die Gemeinschaftsschule entgegen. In ihr ist die Aufteilung der Schüler nach ihren Begabungen aufgehoben. Da in den gemischten Klassen ein vernünftiger Klassenunterricht nicht mehr möglich ist, haben die rot-grünen Bildungsplaner das „individuelle Lernen“ entdeckt. Jeder Schüler erhält einen an  seinen Kenntnisstand und sein Leistungsvermögen angepassten Lernplan. Ihn arbeitet er nach eigenem Gutdünken und mit der ihm zuträglichen Geschwindigkeit ab. Da nie alle Schüler eine Lernsequenz gleichzeitig abschließen, werden die Tests zur Überprüfung des Gelernten zeitlich gestaffelt geschrieben.  Die Guten zuerst, die Schlechten zum Schluss.

Ein Axiom des individualisierten Lernens ist die nur noch beratende Rolle der Lehrkraft. Sie ist nicht mehr Initiator des Lernprozesses, nicht mehr Lehrender und Erklärender, sondern nur noch Lernbegleiter. Die Schüler sind weitgehend auf sich allein gestellt: Das Verstehen aus eigener Kraft hat  Vorrang vor der Erläuterung durch den Lehrer.

In der Theorie hört sich all  dies gut an. Zum Glück gibt es schon Erfahrungsberichte aus den Schulen, die Einblick in die praktische Umsetzung des neuen Lernkonzepts  gewähren.  Sie trüben  das schöne Bild vom  Lernglück. In einem Bericht beschreibt eine Mutter, wie die  Kinder der  Grundschulklasse ihres Sohnes ihre  eigene „Lernstraße“ entlanggehen, sich abstrampeln, um  sich zu den Guten hochzuarbeiten.  Ihr Fazit:  „Allerdings stellte sich schnell heraus, dass es nur für die Kinder aus dem vorderen Leistungsdrittel wirklich motivierend und gewinnbringend und leichtfüßig ist. Die Kinder der beiden anderen Leistungsdrittel, die nicht so fit sind, irren irgendwann alleingelassen und orientierungslos umher.“ Die Kinder, die mit dem durchschnittlichen Lerntempo in der Gruppe nicht mithalten können, geraten immer mehr ins Hintertreffen. Ständig sehen sie, dass ihre Mitschüler  schon mehr bearbeitete Lernblätter abgeheftet haben als sie selbst, dass sie im Lehrbuch schon zwei Kapitel weiter sind als sie. Sie bekommen mit, welche Klassenkameraden schon den ersten Lerntest schreiben dürfen. Die Mutter: „Stets wird dem Kind klar: ich hänge hintendran.“

Eine wichtige Errungenschaft der modernen Schule ist die Achtung der Persönlichkeit der Schüler. Jede Form der  Herabwürdigung ihrer Leistungen oder ihrer Person ist verpönt. Positive Bestärkung, Lob, Ermutigung sind die wichtigsten pädagogischen Instrumente, um die Schüler zum Lernen zu ermuntern und ein harmonisches Lernklima zu erzeugen.  Jeder vernünftige Lehrer geht heute auf schwache Schüler ein, stellt ihnen  leistungsstarke Schüler als Lernpaten zur Seite, organisiert  Fördermodelle nach dem Motto: „Wir lassen keinen zurück!“  Deshalb ist es so verstörend, dass ausgerechnet die Parteien, denen das Menschliche in der Schule, die soziale  Kompetenz  der Schüler immer besonders  am Herzen lagen, einer Pädagogik das Wort reden, die die Vereinzelung der Schüler und ihre  Separierung in  Gut und Schlecht fördert. Die verpönte „Selektion“ des gegliederten Schulsystems kehrt in sublimer Form in die Lerngruppe zurück.  In Umkehrung des bekannten Spruches von Mephisto aus Goethes „Faust“ könnte man sagen:  Hier waltet der Geist einer Pädagogik, die   das Gute will und   das Böse schafft.

Die Schwächung, ja Auflösung des Klassenverbandes durch das individuelle Lernen kommt einem Kulturbruch gleich. Die Schulromane  „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner, „Die Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl und die Schulgeschichten aus den  „Buddenbrooks“ von Thomas Mann wären ohne die Schulklasse als Organisationsform nicht möglich gewesen. Die Klasse ist für die Schüler nicht nur  Lernraum, sie ist auch Ort der sozialen Auseinandersetzung, der Selbstbehauptung und Rollenerprobung. Und sie ist  Schutzraum vor den Zumutungen rabiater Lehrer, schulischer Dramen   oder  persönlicher Krisen. Welchem  Erwachsenen hat sich „seine“ Schulklasse nicht ins Gedächtnis eingegraben?  Wem ist seine  Klasse nicht als der Ort vor Augen, in dem man Jahre seines jungen Lebens an der Seite von Freunden und Kameraden  zugebracht hat?  Diesen Ort preiszugeben, um eine zur heiligen Kuh erklärte Schulform – die Gemeinschaftsschule – verwirklichen zu können, ist eine pädagogische Ursünde. Schlimmer noch: Es ist ein unsozialer Akt, weil  er den Kindern einen wichtigen Schonraum raubt und sie als Einzelwesen  auf sich selbst zurückwirft.

Das segensreiche Miteinander der Schüler im Klassenverband ist schon lange bekannt. Wilhelm von Humboldt, der große Bildungsreformer, schreibt 1810, dass das gemeinsame Lernen in der Klasse wichtig sei, „damit die gelingende Thätigkeit des Einen den Anderen begeistere und Allen die hervorstrahlende Kraft [des Wissens] sichtbar werde.“ Auch aktuelle Untersuchungen stützen die Wichtigkeit der Lerngruppe für den Lernprozess des Einzelnen. In der  Studie des neuseeländischen Pädagogen John Hattie  kann man nachlesen, dass ein positives Klima in der Klasse für die Lernleistung der Schüler  von ausschlaggebender Bedeutung ist.   Klassenzusammenhalt  ist für ihn  das „Gefühl, dass alle (Lehrperson und Lernende) gemeinsam für positive Lernerfolge arbeiten.“ Jeder, der schon einmal als Lehrer vor einer Klasse stand, wird bestätigen, dass das Klima in der Klasse das Lernen entscheidend bestimmt. Ein aggressives, widerständiges Verhalten der Schüler blockiert den Lernprozess, ein offenes, erwartungsvolles Verhalten beflügelt ihn. Das Klima zu beeinflussen ist in erster Linie die Aufgabe der Lehrkraft. Deshalb sind sozialpsychologische Fähigkeiten so wichtig. Mit Empathie, Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen kann ein Lehrer die  Stimmungen  in einer Klasse erkennen und  sie für den Lernprozess nutzbar machen.  Dazu braucht es aber eine Lehrperson und keinen  Lernbegleiter.

Der Regisseur Helmut Weiss hat seiner Verfilmung des Romans „Die Feuerzangenbowle“ ein Zitat aus dem Roman vorangestellt:  „Dieser Film ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, dass  die Schule es nicht merkt.“ Heute wissen wir, was  eine gute Schule ausmacht und dass  vieles an der „alten“ Schule so schlecht nicht war.  Diejenigen, die eine altbewährte Schulkultur auf dem Altar des vermeintlich Progressiven opfern, sollten sich später nicht damit herausreden dürfen, dass sie nicht wussten, was sie taten.

 

 

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Schulreform – aber richtig!

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Gute Schule – ein wichtiges Ziel der Bildungspolitik in unserem Lande!

In der Vergangenheit hat es in Deutschland einen unfruchtbaren Streit um die vermeintlich richtige Schulform gegeben. Die beiden großen politischen Lager blockierten sich gegenseitig, indem sie in ihrem Machtbereich (in den von ihnen regierten Bundesländern) nur die Schulformen zuließen, die ihren  politischen Vorstellungen  entsprachen. CDU und FDP hielten am dreigliedrigen Schulsystem fest und lehnten die Gründung von Gesamtschulen ab. SPD und Grüne hingegen favorisierten die Gesamtschule und neuerdings auch die Gemeinschaftsschule, die Kinder aller Begabungen und Lernvoraussetzungen gemeinsam unterrichtet. Neue Koalitionskonstellationen, aber vor allem auch der Rückgang der Schülerzahlen haben diese starren Fronten in Bewegung gebracht. In Nordrhein-Westfalen haben CDU und  SPD sogar einen „Schulfrieden“ ausgerufen, der auf einem Zwei-Säulen-Modell der Schule beruht. Auf diese  Zweigliedrigkeit wird die Entwicklung unseres Schulsystems im ganzen Land  hinauslaufen. Das klassische Gymnasium, das keine Partei anzutasten wagt, wird ergänzt durch die Sekundarschule, die in jedem Bundesland – dem Föderalismus ist es geschuldet – einen anderen  Namen trägt. Bild

Die Festschreibung der Zweigliedrigkeit des Schulsystems schafft gute Voraussetzung dafür, dass sich die Bildungspolitik den eigentlichen Zielen der Schulreform  zuwendet. Der Blick wird frei auf die zentralen Fragen: Wie können die Schulen noch besser werden? Wie können sie es schaffen, die Schüler noch fundierter  auf die Herausforderungen der modernen globalisierten Welt vorzubereiten? Wie kann der Schulerfolg der Schüler noch deutlicher von ihrer  sozialen Herkunft  entkoppelt werden?

Die Antwort auf  diese  Fragen findet man nur, wenn man den Unterricht der Lehrkräfte in den Blick nimmt. Das, was zwischen den vier Wänden eines Klassenzimmers tagtäglich in Tausenden von Schulen in unserem Lande geschieht, muss endlich einer kritischen Würdigung unterzogen werden. Erst wenn es gelingt, an den vielen Stellschrauben des Unterrichts so zu drehen, dass er sich bei allen Lehrkräften verbessert, kann man von der eigentlichen Bildungsrevolution in Deutschland reden.

Dieser Blog soll mit seinen Beiträgen helfen, die  wichtigen Stellschrauben der inneren Schulreform zu finden. Die Artikel und Texte, die ich hier veröffentliche, basieren auf der Erfahrung von über 30 Jahren Unterricht in den Fächern Deutsch, Geschichte und Politische Wissenschaft an einer Gesamtschule und zwei Gymnasien in Berlin.

Die Artikel richten sich an die Praktiker der Schule, die Lehrer, aber auch an diejenigen, die als Wissenschaftler an den Universitäten kritisch über die Schule nachdenken. Abdrucke der Texte in Fachzeitschriften oder Presseorganen sind – mit dem Hinweis auf die Quelle versehen – erwünscht.

Rainer Werner

 

Um die Unterrichtsqualität zu verbessern, empfehle ich allen Lehrkräften, gelungene Unterrichtsideen auf einer Online-Plattform anzubieten, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Lehrkräfte bei der Vorbereitung ihres Unterrichts durch das Angebot qualitativ hochwertiger Unterrichtseinheiten zu unterstützen. Hier die Adresse des Online-Marktes: http://lehrerheld.com

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