Archiv der Kategorie: Unterrichtsinhalte

Leitkultur -pädagogisch

Jeden Tag machen sich von der Öffentlichkeit unbemerkt an den Schulen unserer Republik  Lehrkräfte ans Werk, um bei ihren Schülern eine Leitkultur einzuüben. Sie dient dem friedlichen Zusammenleben im Kosmos Schule, der in unseren  Großstädten von Kindern aus über 100 Nationen „bevölkert“ wird. Sie dient auch der Festigung der Werte, ohne die ein zivilisiertes Miteinander in der Gesellschaft nicht möglich wäre. Die Lehrkräfte tun dies, ohne auch nur eine Sekunde lang an die ideologisch aufgeladene Debatte um eine „deutsche Leitkultur“ zu denken. Sie tun dies aus reiner Selbstverständlichkeit und weil eine Werteerziehung  der Persönlichkeitsbildung der Schüler dient. Im folgenden Glossar findet man die Werte, die mir in meiner Arbeit als Lehrer besonders wichtig waren. Sie reflektieren natürlich meine Unterrichtsfächer Deutsch, Geschichte und Politik. Aber auch meine Liebe zur Musik. Lehrkräfte anderer Fachrichtungen (Naturwissenschaften, Sprachen, Künste) mögen andere Vorlieben haben. Das zivilisatorische Wertefundament bleibt  jedoch stets das gleiche. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Rolle des Lehrers, Unterrichtsinhalte

Satire, Kunst, Beleidigung?

Wie sich eine Gymnasialklasse in Baden-Württemberg im Satire-Gestrüpp verheddert

 Ein Deutschlehrer, von dem es in einem Artikel des SPIEGEL heißt, er wolle „seine Schüler zur Meinungsfreude ermuntern“, bespricht mit  einer 10. Klasse das Schmähgedicht, durch das der Satiriker Jan Böhmermann eine  kleine Staatskrise  ausgelöst hat. Dass es  dieses Produkt, das sich „Gedicht“ nennt, in den Schulunterricht geschafft hat, ist erstaunlich. Das Kultusministerium von Baden-Württemberg bietet dazu sogar Unterrichtsmaterial an. Wenn man dem Stundenverlauf folgt, den der  SPIEGEL-Redakteur Alexander Kühn beschreibt, muss man allerdings festhalten: Unterricht suboptimal, entscheidendes  Lernziel nicht erreicht. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität

Mogelpackung Ganztagsschule

 Früher gab es für Kinder und Jugendliche  eine klare Zeiteinteilung: vormittags Schule, nachmittags frei. Nach dem Mittagessen im Elternhaus konnten sie sich austoben: in ihren Cliquen, auf dem Sportplatz, bei ihren Hobbys. Als in den 1960er Jahren dann die Gesamtschule aufkam, war es mit dieser klaren Tageseinteilung vorbei. Diese Schule war gegründet worden, um die Schüler, die im bildungsfernen Elternhaus zu wenig Rückhalt und Förderung erfahren, durch eine  kompensatorische Didaktik  fördern zu können. Die Gesamtschule  wollte die Defizite, die die Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern in die Schule mitbringen, beheben. Dazu dienten ein flächendeckender Förderunterricht, eine frühe Berufsorientierung  mit dem Fach Arbeitslehre und  diversen  Werkstätten und vor allem der gebundene  Ganztagsbetrieb. Von ihm erwartete  man, dass die Schüler  durch verschiedene pädagogische Angebote, wie z.B. Sport, Theater, Werken,  in ihrer Persönlichkeit so  gestärkt würden, dass dies auch dem regulären Unterricht zugutekommt. Auch die Hausaufgabenbetreuung gehörte zum Konzept der gebundenen Ganztagsschule. Wenn die Schüler am späten Nachmittag nach Hause kommen, sollten sie von allen schulischen Aufgaben befreit sein. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsinhalte

Lehrer unterstützen Lehrer

Lehrer sind  immer noch überwiegend Einzelkämpfer. Sie bereiten ihren Unterricht alleine vor, führen ihn alleine durch und korrigieren die Klassenarbeiten und Tests zu Hause alleine.  Vor allem die Planung und  Ausarbeitung von Unterrichtssequenzen und  die  Erstellung von Lernmaterial  für die Schüler nimmt viel Zeit in Anspruch, bindet wertvolle Kräfte, die die sie  gut an anderer Stelle gebrauchen könnten: für Gespräche mit Schülern, Kollegen und Eltern. Gerade weil die Unterrichtsplanung so aufwändig ist, greifen Lehrer gerne auf bewährtes Material zurück. Wer wollte es ihnen verdenken? Der Innovation im Unterricht ist dies  allerdings  nicht unbedingt zuträglich.

Kaum ein Lehrer weiß, was der Kollege, der dasselbe Fach in einer Parallelklasse unterrichtet, in seinem Unterricht veranstaltet. Das bekommt er oft nur dann mit, wenn Schüler davon berichten, die in der Regel gut mit ihren  Mitschülern vernetzt sind.  Dann erfährt der Lehrer, welche Texte die anderen Klassen in Deutsch gerade lesen und wie der Geschichtsunterricht verläuft. Dann häufen  sich Fragen wie: „Warum machen wir nicht auch Rollenspiele zum Wartburgfest wie die 8 c bei  Herrn Weber?“ oder „Frau Müller liest in der 9 b die `Schachnovelle´. Die  soll sehr spannend sein.  Lesen wir das Buch auch?“  Wie man sieht, fordern  Schüler einen interessanten Unterricht manchmal  regelrecht ein. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Innere Schulreform, kollegiale Hospitation, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

„Wann machen Sie wieder einmal Ihren begnadeten Frontalunterricht?“

Veröffentlicht in:    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. 01. 2016 (Bildungswelten)

Wie „moderne“ Unterrichtsmethoden dazu beitragen, die intellektuelle Substanz des Unterrichts zu untergraben

 Kluge Schüler helfen Lehrern manchmal auf die Sprünge. Als ich an einer Berliner Gesamtschule unterrichtete, öffnete mir eine Schülerin die Augen darüber, was im Unterricht dieser Schule im Argen liegt. Sie fragte mich zum Beginn der Stunde: „Müssen wir heute schon wieder das machen, was wir machen wollen?“ – Hintergrund dieser erstaunlichen Frage war die Angewohnheit einiger Lehrer, schwierige Klassen dadurch „ruhig zu stellen“, dass sie ihnen eine „stille Selbstbeschäftigung“ – natürlich mit dem laufenden Stoff – gestatteten. Dieser gönnerhafte Verzicht auf Unterricht war in Wahrheit eine Form der Kapitulation vor den disziplinarischen Schwierigkeiten, die in Schulklassen immer wieder auftreten – auch am Gymnasium. Diese Lehrer gingen selbstverständlich von der Annahme aus, den Schülern dadurch einen Gefallen zu tun, dass sie ihnen die Konfrontation mit dem anstrengenden Stoff ersparten. Allzu oft erweckt das aufmüpfige Gebaren der Schüler, der Gestus des hinhaltenden Widerstandes den Anschein, sie wollten nur eines: das Lernen vermeiden. Das mag für einige Schüler in einer Klasse durchaus zutreffen, keineswegs aber für die Mehrheit. Die aufgeweckte Schülerin, die diesen bemerkenswerte Satz sagte, sprach für diejenigen, die etwas lernen wollten und die von der Lehrkraft zurecht erwarteten, dass sie in der Lage ist, eine ruhige Lernatmosphäre herzustellen, auch wenn es einer Kraftanstrengung bedarf und mit Konflikten verbunden ist. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Kompetenzen, Rolle des Lehrers, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsmethode

Pädagogik des Neids

Im Bremer Stadtteil Horn-Lehe legen 85 eines Schülerjahrgangs das Abitur ab. Im Stadtteil Gröpelingen hingegen nur 15%. Nicht-Bremer werden die beiden Stadtteile nicht kennen. Deshalb ist es ratsam, sich Expertise von der Politik einzuholen. Die Partei „Die Linke“ klärt uns auf: Nirgends sei der Bildungserfolg der Kinder so stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig wie in Bremen. Also wissen wir jetzt: In Horn-Lehe wohnen die Reichen, in Gröpelingen die Hartz-IV-Empfänger. Man fragt sich weiter: Was hat der Schulerfolg der Kinder mit dem „Geldbeutel der Eltern“ zu tun? In Deutschland ist der Besuch staatlicher Schulen und Universitäten kostenlos. Für minderbemittelte Eltern gibt es das sog. Bildungspaket, in dem Geld für Bücher, Unterrichtsmaterial und das Mittagsessen in der Schulmensa enthalten ist. Für Klassenfahrten kommt entweder das Job-Center oder der Sozialfonds der Schule auf. Wo spielt das Geld also noch eine Rolle? Weiterlesen

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Eingeordnet unter Lehrplanverfehlungen, Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität

Kopftuchurteil mit Folgen

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Kopftuchstreit hat bei der Abwägung zwischen der Neutralitätspflicht staatlicher Institutionen und der freien Glaubensausübung auch für Staatsbedienstete zugunsten der individuellen Freiheit der Lehrkraft entschieden. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren, wie zu erwarten war, gemischt. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky nannte das Urteil eine „Katastrophe“ und das Kopftuch ein „Besitzzeichen des Mannes“. Für die muslimische Journalistin Kübra Gümüsay hingegen ist das Kopftuch „Ausdruck ihrer Spiritualität“ und demzufolge unbedingt zu erlauben – auch auf dem Kopf einer Lehrerin. Die Soziologin Necla Kelek sieht in dem Urteil eine indirekte Ermunterung zum „Kopftuchzwang“. Die Journalistin Iris Radisch schrieb in einem Leitartikel der ZEIT ein flammendes Plädoyer gegen das Urteil der Richter: „Nicht mit mir!“. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Lehrplanverfehlungen, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität