Schlagwort-Archive: Schulversagen

Bessere Bildung durch mehr Geld?

Über die Sozialdemokratie gibt es das Bonmot, wonach sie für jedes gesellschaftliche Wehweh ein passendes Pflaster parat hält: ein Geldgeschenk. Für eine Partei der Solidarität, die eigentlich ein kritisches Verhältnis zum Geld haben sollte, ist das zumindest eine merkwürdige Haltung. Als wollte die SPD das Vorurteil bestätigen, ihr gehe es nur ums Geld, wurde jüngst publik, dass sie folgende Forderungen ins „Wahlprogramm 2017“ schreiben wolle: Beitragsfreiheit für alle Kitas, neun Milliarden Euro für die Sanierung der Schulen, hohe Finanzmittel für die flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen und hohe Beträge für die „digitale Aufrüstung“ der Schulen. Eine bessere Bildung durch höhere finanzielle Aufwendungen erzwingen zu wollen, ist gut gemeint, geht aber an der Problematik unseres Schulsystems vorbei. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsqualität

Nachlässiger Umgang mit pädagogischen Fakten

Als Lehrer muss man immer wieder erleben, dass in der Presse in einer Weise über die Schule geschrieben wird, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen. So geschah es jüngst in der Titelstory des SPIEGEL (11/2016): „Die geteilte Nation“. Dort finden sich folgende Pauschalurteile über Lehrer und über unser Schulsystem: „Wer aus einem Hartz IV-oder einem Migrantenviertel stammt, hat bei den Lehrern oft schlechte Karten.“ / „…ein Bildungssektor, der Unterschichtskinder pauschal zu Verlierern stempelt.“

Als Lehrer mit langer Berufserfahrung bin ich verwundert darüber, wie wenig die Redakteure ihre Behauptungen durch Recherchen an den Schulen oder durch die Auswertung von Statistiken untermauert haben. Den Redakteuren des SPIEGEL genügt es anscheinend, wenn sie über die Schule schreiben, eine starke Meinung zu haben. Wenn man der Frage, wie Schulversagen entsteht, nachgeht, stößt man auf eine Fülle an Material. Man muss nur die Statistiken der Schulbehörden und auch der Kriminalpolizei (Schulversagen korreliert mit Delinquenz) einsehen, um die nötige Auskunft zu bekommen. Schulversagen beginnt in aller Regel mit Schulschwänzen. Es gibt Abgänger ohne Abschluss, die summa summarum ein ganzes Schuljahr geschwänzt haben. In allen Bundesländern gibt es, weil man um das Problem inzwischen weiß, ein Frühwarnsystem und eine Meldepflicht an unterschiedliche Behörden. In Berlin gibt es sogar eine spezielle Polizeieinheit, die morgens um 10 Uhr durch die Einkaufszentren streift, um Schulschwänzer einzufangen und in die Schulen zu bringen. Trotzdem konnte das Schwänzen nicht nennenswert eingedämmt werden. Wenn Bußgelder verhängt werden, weigern sich die Familien, es zu zahlen. Bei Hartz-IV-Familien wird es von der Arbeitsagentur übernommen. Dann zahlt eine staatliche Behörde das Bußgeld, das eine andere Behörde gegen eine Familie verhängt hat. Absurder geht´s nimmer. Am Schwänzen hat all dies wenig geändert. Weiterlesen

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Schulversagen und die Folgen

 Im Februar 2016 war wieder mal etwas von der OECD in Sachen Bildung zu vernehmen. Die PISA-Experten dieser Organisation hatten untersucht, was die Ursachen für totales Schulversagen sind. Was sie zu Tage förderten, ist wirklich keine Überraschung: Die soziale und wirtschaftliche Lage der Familie eines Schülers sei der größte Risikofaktor für Jugendliche, zum Schulversager zu werden. Wenn Schüler aus einem armen und sozial schwierigen Elternhaus stammen, steige das Risiko, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, um den Faktor vier. Wie immer formuliert die OECD die Botschaft ihrer Studien griffig, wenn sie behauptet, dass in Deutschland die soziale Herkunft so stark wie in kaum einem anderen Land über den Bildungserfolg der Kinder entscheide. Untergründig schwingt hier eine Schuldzuweisung an die Schule mit, weil sie es nicht schaffe, prekäre soziale Herkunft und Misserfolg in der Schule zu entkoppeln. Weiterlesen

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Einwandererkinder ohne Chancen?

Jedes Jahr stellt der/die „Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration“ den „Bericht zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland“ vor. Seit der letzten Bundestagswahl im September 2013 wird die Position der „Beauftragten“ von der SPD-Politikerin Aydan Özoguz wahrgenommen. In der Öffentlichkeit wurde nach der Vorstellung des Berichts vor allem über den Aspekt der Bildung diskutiert, weil immer davon die Rede ist, dass Integration am besten durch Bildung gelinge. Der Bericht registriert zwar Verbesserungen bei den Schulabschlüssen von Kindern mit ausländischen Wurzeln gegenüber den Vorjahren. Im Vergleich zu den deutschen Kindern seien sie aber immer noch „benachteiligt“. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Ausländische Kinder sind an den Hauptschulen mit 27,5 % (im Vergleich dazu deutsche Kinder: 10,6 %) und an den Gymnasien mit ca. 26 % (deutsche Kinder: ca. 52 %) vertreten. Keinen Schulabschluss schaffen 11,6 % der ausländischen Kinder, während bei den deutschen nur 5 % zu den absoluten Schulversagern zählen. Als Fazit formuliert der Bericht, dass die Chancengleichheit und -gerechtigkeit „trotz Verbesserungen in den letzten Jahren in unserem Bildungssystem nicht gewährleistet sind.“ Weiterlesen

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