Monatsarchiv: Oktober 2018

Unterforderung ist das Übel der Zeit

Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 18. 10. 2018

Warum wir einen literarischen Kanon in der Schule brauchen

Als ich 1975 an einem hessischen Gymnasium  zum ersten Mal vor einer  Klasse stand, um die Schüler  in deutscher Literatur zu unterrichten, war ich mit den Folgen der drei Jahre zuvor erlassenen „Hessischen  Rahmenrichtlinien Deutsch“ konfrontiert. Literaturunterricht sollte nicht mehr die Interpretation der „schönen“ klassischen Literatur sein,   sondern der „Umgang mit Texten“. Diesem Textbegriff war  alles eins: ein Gedicht von Rilke, eine Stellenanzeige und  ein Zeitungsartikel. Die  „hohe“ Literatur sollte vom Sockel geholt werden, um die Benachteiligung der  Schüler zu beseitigen, denen es nicht vergönnt ist, im Elternhaus mit Büchern und intellektuellen Gesprächen aufzuwachsen. Statt dem Kind aus der Unterschicht den Umgang mit Literatur wenigstens in der Schule zu ermöglichen, wurde  die Literatur gleich ganz  eliminiert.  Aus der „Ungleichheit“ weniger wurde   Ungleichheit für alle. Welch  fataler Irrtum, der bis heute nachwirkt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Historisches Bewusstsein, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität