Schlagwort-Archive: Literaturkanon

Unterforderung ist das Übel der Zeit

Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 18. 10. 2018

Warum wir einen literarischen Kanon in der Schule brauchen

Als ich 1975 an einem hessischen Gymnasium  zum ersten Mal vor einer  Klasse stand, um die Schüler  in deutscher Literatur zu unterrichten, war ich mit den Folgen der drei Jahre zuvor erlassenen „Hessischen  Rahmenrichtlinien Deutsch“ konfrontiert. Literaturunterricht sollte nicht mehr die Interpretation der „schönen“ klassischen Literatur sein,   sondern der „Umgang mit Texten“. Diesem Textbegriff war  alles eins: ein Gedicht von Rilke, eine Stellenanzeige und  ein Zeitungsartikel. Die  „hohe“ Literatur sollte vom Sockel geholt werden, um die Benachteiligung der  Schüler zu beseitigen, denen es nicht vergönnt ist, im Elternhaus mit Büchern und intellektuellen Gesprächen aufzuwachsen. Statt dem Kind aus der Unterschicht den Umgang mit Literatur wenigstens in der Schule zu ermöglichen, wurde  die Literatur gleich ganz  eliminiert.  Aus der „Ungleichheit“ weniger wurde   Ungleichheit für alle. Welch  fataler Irrtum, der bis heute nachwirkt. Weiterlesen

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Literarische Magerkost

Zur Kritik am neuen Rahmenlehrplan für das Fach Deutsch in der Gymnasialen Oberstufe, Berlin, Anhörungsfassung vom 19. 02. 2014

 

Kompetenz verdrängt Inhalt

Im alten Rahmenlehrplan war der Sündenfall noch eindeutig formuliert: „Dabei dienen Inhalte dem Erwerb von Kompetenzen.“ Die literarischen und sprachwissenschaftlichen Gegenstände waren dem Ziel des Kompetenzerwerbs eindeutig untergeordnet, was im Literaturunterricht zur inhaltlichen Beliebigkeit führte.   An   Kritik an dieser Festschreibung fehlte es in der Folge nicht. In der neuen Fassung des Plans wird die apodiktische Betonung des Vorrangs der Kompetenzen etwas abgemildert, nicht aber korrigiert: „nicht nur die Systematik des Faches, sondern vor allem (Hervorhebung von mir) der Beitrag zum Kompetenzerwerb [sollen] berücksichtigt werden.“ Weiterlesen

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