Monatsarchiv: April 2016

Mogelpackung Ganztagsschule

 Früher gab es für Kinder und Jugendliche  eine klare Zeiteinteilung: vormittags Schule, nachmittags frei. Nach dem Mittagessen im Elternhaus konnten sie sich austoben: in ihren Cliquen, auf dem Sportplatz, bei ihren Hobbys. Als in den 1960er Jahren dann die Gesamtschule aufkam, war es mit dieser klaren Tageseinteilung vorbei. Diese Schule war gegründet worden, um die Schüler, die im bildungsfernen Elternhaus zu wenig Rückhalt und Förderung erfahren, durch eine  kompensatorische Didaktik  fördern zu können. Die Gesamtschule  wollte die Defizite, die die Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern in die Schule mitbringen, beheben. Dazu dienten ein flächendeckender Förderunterricht, eine frühe Berufsorientierung  mit dem Fach Arbeitslehre und  diversen  Werkstätten und vor allem der gebundene  Ganztagsbetrieb. Von ihm erwartete  man, dass die Schüler  durch verschiedene pädagogische Angebote, wie z.B. Sport, Theater, Werken,  in ihrer Persönlichkeit so  gestärkt würden, dass dies auch dem regulären Unterricht zugutekommt. Auch die Hausaufgabenbetreuung gehörte zum Konzept der gebundenen Ganztagsschule. Wenn die Schüler am späten Nachmittag nach Hause kommen, sollten sie von allen schulischen Aufgaben befreit sein. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsinhalte

„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ (Kurt Tucholsky)

Wie eine Schulform ihre eigenen pädagogischen Ziele ad absurdum führt

Am 23. 04. 2016 erschien in der „Stuttgarter Zeitung“ eine Anzeige von Eltern, die es in sich hat. Unter der  Überschrift  Was  denken die Eltern zur Schulpolitik? wird ein gruseliges Bild vom Lernprozess an den in Baden-Württemberg neu eingeführten Gemeinschaftsschulen gezeichnet.

Die Rechtschreibung der Schüler scheint an den Gemeinschaftsschulen  völlig  unter die Räder gekommen zu sein. Hier einige Kostproben aus Schülertexten: „Die Katze schlägt (schleckt!) einen grossen Teller Sane.“ / „Das Pferd galopiert einen grossen Greiss.“(Kreis) / „Die Augen sind rod und das Fell ist bund.“ Man kann getrost  vermuten, dass hier die Methode des phonetischen Schreibens (Schreib, wie du es hörst!) angewendet wurde, die auch anderen Ortes zu katastrophalen Ergebnissen geführt hat. Der Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb hat nach desaströsen Ergebnissen beim VERA-Vergleichstest der Grundschulen angekündigt,  von der umstrittenen Methode wieder Abstand nehmen zu wollen. Ein Redakteur von SPIEGEL-online hält diese Rechtschreibmethode für „unterlassene Hilfeleistung„. Der Medienwissenschaftler und Lektor  Dr. Peter Kruck von der Ruhr-Universität Bochum ist  der Meinung, dass die negativen Auswirkungen dieser verfehlten Unterrichtsmethode inzwischen schon an der Hochschule zu spüren seien: „Die meisten Lehramtsstudenten schaffen es nicht, zwei bis drei Sätze fehlerfrei zu schreiben.“ Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden

Lehrer unterstützen Lehrer

Lehrer sind  immer noch überwiegend Einzelkämpfer. Sie bereiten ihren Unterricht alleine vor, führen ihn alleine durch und korrigieren die Klassenarbeiten und Tests zu Hause alleine.  Vor allem die Planung und  Ausarbeitung von Unterrichtssequenzen und  die  Erstellung von Lernmaterial  für die Schüler nimmt viel Zeit in Anspruch, bindet wertvolle Kräfte, die die sie  gut an anderer Stelle gebrauchen könnten: für Gespräche mit Schülern, Kollegen und Eltern. Gerade weil die Unterrichtsplanung so aufwändig ist, greifen Lehrer gerne auf bewährtes Material zurück. Wer wollte es ihnen verdenken? Der Innovation im Unterricht ist dies  allerdings  nicht unbedingt zuträglich.

Kaum ein Lehrer weiß, was der Kollege, der dasselbe Fach in einer Parallelklasse unterrichtet, in seinem Unterricht veranstaltet. Das bekommt er oft nur dann mit, wenn Schüler davon berichten, die in der Regel gut mit ihren  Mitschülern vernetzt sind.  Dann erfährt der Lehrer, welche Texte die anderen Klassen in Deutsch gerade lesen und wie der Geschichtsunterricht verläuft. Dann häufen  sich Fragen wie: „Warum machen wir nicht auch Rollenspiele zum Wartburgfest wie die 8 c bei  Herrn Weber?“ oder „Frau Müller liest in der 9 b die `Schachnovelle´. Die  soll sehr spannend sein.  Lesen wir das Buch auch?“  Wie man sieht, fordern  Schüler einen interessanten Unterricht manchmal  regelrecht ein. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Innere Schulreform, kollegiale Hospitation, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität