Monatsarchiv: März 2019

Schüler wollen Grenzen testen

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 19. 03. 2019

Die Klage von Lehrern über den Sittenverfall  der Jugend ist unberechtigt und unproduktiv. Junge Leute sind seit jeher rebellisch. Einen wesentlichen Unterschied zu früher gibt es dennoch.

Immer wieder kann man in Zeitungen Erfahrungsberichte junger Lehrer  lesen, die nach dem Studium hoffnungsfroh in die Schule  kamen und dort einen heftigen Praxisschock erlitten. Sie klagen über ungezogene Kinder, die nicht stillsitzen können, die sich mit Stiften bewerfen, die essen, trinken und Musik hören. Die konsternierte  Klage  eines Neu-Lehrers: „Niemand hat mich vor dieser Hölle gewarnt!“. Erfahrene Lehrer können  über solch harsche Urteile nur den Kopf schütteln. Hätte sich der  Lehrer  mit einigen  der störenden Schüler während der Aufsicht auf dem Pausenhof oder in der Cafeteria unterhalten, hätte er sie  als freundlich und zugewandt  erlebt – als  normale Kinder. Es gehört zum kleinen Einmaleins der Jugendpsychologie, dass sich Schüler in der Gruppe anders verhalten als im Einzelgespräch. Die Gruppendynamik, die virile Rivalität der Jungen um die Rangordnung in der Klasse, die Koketterie der Mädchen, sind klassische Such- und Orientierungsverhaltensweisen. Wenn man sie versteht, kann man sie pädagogisch beeinflussen. Ein Lehrer, der anstößiges Verhalten von Schülern persönlich nimmt, hat schon verloren. Kein Schüler steht morgens auf, um in der Schule den Mathelehrer zu ärgern. Das pubertäre Verhalten von Schülern sollte Lehrer vor allem  nicht dazu verleiten, die Jugend für schlecht   oder gar für  bösartig zu halten. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Jugendkultur, Rolle des Lehrers

Armut und Bildung

Erschienen in DIE WELT vom 7. März 2019

Wie kommt es, dass trotz einer boomenden Wirtschaft und Hunderttausender offener Stellen die Zahl der Abgehängten nicht sinkt? Viele Sozialpolitiker wollen das Problem durch höhere Sozialtransfers an bedürftige Familien lösen. Ein Fehler.

Deutschland hat in den letzten zehn Jahren einen beispiellosen Wirtschaftsboom erlebt. Seit dem Einbruch im Krisenjahr 2009 wächst das Bruttoinlandsprodukt stetig. Die Zahl der Beschäftigten ist auf  45 Millionen Menschen gestiegen, während die Arbeitslosenzahl auf 2,4 Millionen zurückging. Das entspricht einer Quote von 5,3  Prozent. Diese gute Bilanz wird  durch eine traurige Zahl getrübt: Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen  ist seit 2010 annähernd konstant. Im Jahr 2018  betrug  er 34,8 Prozent.  Wie kommt es, dass trotz einer boomenden Wirtschaft und 758.000 offener  Stellen die Zahl der Abgehängten  nicht abnimmt? Lässt man Ursachen wie Krankheit oder Drogensucht beiseite, ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei den Arbeitslosen um Menschen mit niedrigen  Qualifikationen  handelt. Die meisten von ihnen haben keinen Schulabschluss und deshalb auch keinen erlernten Beruf. Man kann auch vermuten, dass sich von den 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in unserem Land  eine gehörige Anzahl unter diesen Dauerarbeitslosen findet. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden, Verantwortung der Eltern

Greta-Hype in Deutschland

Sympathisch ist der Klimaprotest deutscher Schüler durchaus. Mehr könnten sie erreichen, wenn sie in der Schule um Zustimmung ringen würden. Die schweigende Mehrheit muss auch dort überzeugt werden.

 Es gehört zum Privileg der Jugend, über die Stränge zu schlagen und zu rebellieren. Einen Fürsprecher hätte  sie  in  Johann Wolfgang von Goethe, der in seiner Jugend selbst ein Rebell war: „Lasst mir die jungen Leute nur  /  und ergetzt euch an ihren Gaben! / Es will doch Großmama Natur / manchmal einen närrischen Einfall haben.“ – Zur Zeit kann man wieder eine kleine Jugendrevolte erleben: die Bewegung „Schulstreik fürs Klima“, die in vielen Ländern unter dem Namen „Fridays for Future“  auftritt. Jeden Freitag schwänzen bei uns einige tausend Schüler die Schule und versammeln sich auf öffentlichen Plätzen, um ihrer  Forderung  nach  effektivem  Klimaschutz Nachdruck  zu verleihen.  Weiterlesen

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