Monatsarchiv: Februar 2017

Gefühlte Wahrheiten statt Fakten

Es ist kein gutes Zeichen, wenn selbst Medien, die sich aufklärerischem Denken verpflichtet fühlen, die Analyse von Fakten durch suggestiv dargebotene „gefühlte Wahrheiten“ ersetzen. So geschah es in der Titelgeschichte des SPIEGEL „So gut /so  schlecht geht es den Deutschen“ (Heft 9/2017). Da liest man folgenden Satz:

„Noch immer studieren hierzulande vor allem Kinder, deren Eltern selbst Akademiker sind.“

Die Aussage des Satzes ist richtig, trotzdem erklärt er so gut  wie nichts. Er soll auch nichts erklären, sondern ein Gefühl bedienen: So ungerecht geht es zu in Deutschland. Nicht einmal das „Aufstiegsversprechen im Wirtschaftswunderland“ (SPIEGEL) werde eingelöst. Schuld sei der Neoliberalismus, der in  seinem Effektivitätsdenken die Schwachen – die Arbeiterkinder – zurücklässt. Damit stimmt der SPIEGEL in den Gerechtigkeitssound ein, den  zur Zeit Martin Schulz (SPD) landauf, landab anstimmt. Merkwürdig, dass sich selbst  Journalisten, die der kühlen Analyse verpflichtet sind, vom Erlösungsversprechen eines Politikers anstecken lassen. Weiterlesen

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode

Ideologie oder Kindeswohl?

Wie   eine  unsoziale  Schulpolitik unseren Kindern schadet

Im beschaulichen Kleve, nahe  an der niederländischen Grenze gelegen, ist der Schulkampf ausgebrochen. Es kämpfen nicht Schüler gegen unbeliebte Lehrer, wie dies ab und zu vorkommt  – nein, Eltern gehen auf die Barrikaden, weil sie ihre Kinder durch die von oben verordnete Zuweisung zu einer weiterführenden Schule benachteiligt sehen. Am 21. Februar wollen sich die Eltern mit ihren Kindern vor dem Gebäude des Rats der Stadt zum Protest versammeln. Was war geschehen? Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Schulformdebatte

Respektlose Sprache

Erschienen in:

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09. 02. 2017 (Bildungswelten)

 Eine Eigenart der deutschen Sprache bringt es mit sich, dass Gattungsbezeichnungen oft durch männliche grammatische Formen bezeichnet werden. Wenn von einem Lehrer die Rede ist, sind deshalb die weiblichen Lehrkräfte inbegriffen. Das Amtsdeutsch flüchtet sich, um der Gleichberechtigung der Geschlechter auch sprachlich Genüge zu tun, in unschöne Doppelbezeichnungen,  wie z.B.  Lehrer und Lehrerinnen. Ähnlich umständliche Wortverbindungen findet man auch in Stellenanzeigen. In amtlichen Stellenausschreibungen sind sie gesetzlich vorgeschrieben.  Sprachwissenschaftlerinnen, die sich dem Feminismus verpflichtet fühlen, gingen noch einen Schritt weiter. Sie führten in ihren Texten den Gendergap ein („Bürger_innen“). Eine Variante davon ist der Genderstern („Schüler*innen“). Diese beiden Formen haben inzwischen das Binnen-I verdrängt, das in der ersten Generation der „geschlechtergerechten Sprache“ noch üblich war („SchauspielerInnen“). Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ricchtiger Umgang mit der Sprache