Archiv der Kategorie: Uncategorized

Griechisch für den Tischler

Vortrag im Rahmen des Humboldt-Gedenkens  am 16. März 2017, Humboldt-Gymnasium Berlin-Tegel

 Das Bildungskonzept Wilhelm von Humboldts 

 

„Bienen haben Vorfahrt“

Im Jahre 1989 kam ich als Lehrer  an das  reformpädagogisch geprägte Internatsgymnasium Schulfarm Scharfenberg.  Schon in der vierten  Woche hatte ich eine überraschende Begegnung mit dem ganzheitlichen Bildungskonzept der Schule. Für einen erkrankten Kollegen hatte ich eine Klausur zu beaufsichtigen. Mitten in der Stunde schrillte ein hohe Klingel. Drei Schüler sprangen auf und verließen fluchtartig den Raum. Ich fragte die anderen Schüler, was hier los sei. Eine Schülerin klärte mich auf: Dies sei die Imker-Klingel gewesen. Bestimmt sei ein Bienenvolk ausgeschwärmt und müsse jetzt von den Schülern der Imkerei wieder  eingefangen werden. Nach der Klausur fragte ich etwas indigniert den Schulleiter, ob das rechtens  sei, dass die Schüler mitten in der Klausur den Raum verlassen – wegen der Bienen. Er meinte schmunzelnd: „Lieber Kollege, an eines müssen Sie sich gewöhnen. An unserer Schule haben die Bienen Vorfahrt.“ – Dieser Vorfall war für mich eine Art von  Paulus-Erlebnis in Bezug auf die Reformpädagogik. Ich lernte das Engagement der Schüler außerhalb des  Unterrichts schätzen, weil ich sah, mit welcher Begeisterung und Verantwortung sie ihre Aufgaben in den Werkstätten, die wir altertümelnd „Innungen“ nannten,  wahrnahmen und wie sie dabei  in ihrer Persönlichkeit reiften. Weiterlesen

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Hamburgs Stadtteilschule: Note „mangelhaft“

Die Ergebnisse der bundesweit durchgeführten Tests zur Überprüfung schulischer Kompetenzen („Kermit“ 2016) sind für die 8-Klässler an Hamburgs „Stadtteilschulen“ (so heißen dort die Sekundarschulen) verheerend ausgefallen. Beim „Leseverstehen“ erreichten 35% der Schüler nicht den geforderten Regelstandard. Von diesen Schülern  scheiterten 15% sogar am niedrigeren Mindeststandard. Im Bereich „Sprachgebrauch“ sieht es nicht besser aus. Hier verfehlten  43% der Schüler den  Regelstandard. Im Fach Mathematik gibt es einen  ähnlich  düsteren Befund:  77% der Schüler liegen  unterhalb des Mindeststandards. Beim „Englisch-Hörverstehen“ liegt  die Quote bei 48,5%.  Weiterlesen

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Durchgeknallte „Pädagogen“

Die Szenerie: Blockade einer Hauptverkehrsstraße, heftige Straßenschlachten der Blockierer mit der Polizei, angezündete Autos, Tränengasschwaden, Schusswechsel, sechs Tote, über 100 Verletzte, darunter 45 Polizisten, die Schusswunden erlitten hatten. So die Bilanz. Wer waren die Randalierer? Bergwerkarbeiter in Südafrika? Bauern in Argentinien? Nein! Es waren Lehrer, mexikanische Lehrer, die der radikalen Gewerkschaft CNTE angehören. Sie wollen eine Schulreform verhindern, die alle vernünftigen Beobachter und auch internationale Organisationen wie die OECD für dringend geboten halten. Weiterlesen

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Nachlässiger Umgang mit pädagogischen Fakten

Als Lehrer muss man immer wieder erleben, dass in der Presse in einer Weise über die Schule geschrieben wird, dass einem die Nackenhaare zu Berge stehen. So geschah es jüngst in der Titelstory des SPIEGEL (11/2016): „Die geteilte Nation“. Dort finden sich folgende Pauschalurteile über Lehrer und über unser Schulsystem: „Wer aus einem Hartz IV-oder einem Migrantenviertel stammt, hat bei den Lehrern oft schlechte Karten.“ / „…ein Bildungssektor, der Unterschichtskinder pauschal zu Verlierern stempelt.“

Als Lehrer mit langer Berufserfahrung bin ich verwundert darüber, wie wenig die Redakteure ihre Behauptungen durch Recherchen an den Schulen oder durch die Auswertung von Statistiken untermauert haben. Den Redakteuren des SPIEGEL genügt es anscheinend, wenn sie über die Schule schreiben, eine starke Meinung zu haben. Wenn man der Frage, wie Schulversagen entsteht, nachgeht, stößt man auf eine Fülle an Material. Man muss nur die Statistiken der Schulbehörden und auch der Kriminalpolizei (Schulversagen korreliert mit Delinquenz) einsehen, um die nötige Auskunft zu bekommen. Schulversagen beginnt in aller Regel mit Schulschwänzen. Es gibt Abgänger ohne Abschluss, die summa summarum ein ganzes Schuljahr geschwänzt haben. In allen Bundesländern gibt es, weil man um das Problem inzwischen weiß, ein Frühwarnsystem und eine Meldepflicht an unterschiedliche Behörden. In Berlin gibt es sogar eine spezielle Polizeieinheit, die morgens um 10 Uhr durch die Einkaufszentren streift, um Schulschwänzer einzufangen und in die Schulen zu bringen. Trotzdem konnte das Schwänzen nicht nennenswert eingedämmt werden. Wenn Bußgelder verhängt werden, weigern sich die Familien, es zu zahlen. Bei Hartz-IV-Familien wird es von der Arbeitsagentur übernommen. Dann zahlt eine staatliche Behörde das Bußgeld, das eine andere Behörde gegen eine Familie verhängt hat. Absurder geht´s nimmer. Am Schwänzen hat all dies wenig geändert. Weiterlesen

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Klassenziel nicht erreicht – Wie in der Hauptstadt eine Schulreform missrät

Vor vier Jahren gründete die von der SPD geführte Schulverwaltung zwei neue Schulformen. Haupt- und Realschulen wurden zur Integrierten Sekundarschule zusammengelegt, die Gemeinschaftsschule wurde als Einheitsschule neu gegründet. Zwei Ziele sollten mit dieser Reform erreicht werden. Die ungeliebte Hauptschule, die als Restschule gebrandmarkt war, sollte abgeschafft werden. Die beiden neuen Schulen sollten das sozialpolitische Postulat der Gerechtigkeit – keine Selektion der Schüler mehr nach Begabungen – verwirklichen. Die Sekundarschule besuchen Schüler, die nach der Grundschule den Sprung aufs Gymnasium nicht schaffen. Auf die Gemeinschaftsschule gehen Schüler aller Begabungen, also vom Hauptschüler bis zum Gymnasiasten. Eltern begabter Kinder wählen manchmal aus sozialen Gründen für ihr Kind die Gemeinschaftsschule. Trotz seiner guten Geistesgaben soll es sich nicht von den „normalen“ Kindern separieren.

In der Gründungsphase dieser beiden Schulformen wurden Proteste von Betroffenen (vor allem aus den Realschulen) ignoriert und ihre Bedenken, die neuen Schulformen würden zu einer Verschlechterungen der Leistungen führen, als Schwarzmalerei abgetan. Vertreter des Schulamtes verstiegen sich zu der optimistischen Prognose, die Hauptschüler würden sich, wenn sie erst einmal aus ihren Ghetto-Schulen befreit seien, dem Verhalten und dem Leistungswillen der Realschüler anpassen – zum Nutzen aller. Weiterlesen

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Olympische Spiele in Berlin oder sanierte Schulen?

Auch in der Demokratie hat sich der Bürger   inzwischen daran gewöhnt, dass Politiker danach streben, sich durch glanzvolle Events zu verewigen, die unter ihrer Verantwortung stattgefunden haben. Eines dieser begehrten Highlights sind Olympische Spiele, von denen man sich den hellsten Glanz und den imponierendsten Nachruhm verspricht. Politiker sind bei solchen Vorhaben meistens blind für die Realität, in der sich das Gemeinwesen befindet, das für die Kosten von „Brot und Spiele“ aufkommen muss. Deshalb ist es zu begrüßen, dass es in Berlin kritische Bürger gibt, die die verlockenden Versprechungen in den Hochglanz-Broschüren kritisch hinterfragen. Diese Bürger fragen sich, ob es sinnvoll ist, in Berlin Olympische Spiele auszurichten, solange noch zahlreiche Schulen auf ihre bauliche Sanierung warten. Weiterlesen

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Einwandererkinder ohne Chancen?

Jedes Jahr stellt der/die „Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration“ den „Bericht zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland“ vor. Seit der letzten Bundestagswahl im September 2013 wird die Position der „Beauftragten“ von der SPD-Politikerin Aydan Özoguz wahrgenommen. In der Öffentlichkeit wurde nach der Vorstellung des Berichts vor allem über den Aspekt der Bildung diskutiert, weil immer davon die Rede ist, dass Integration am besten durch Bildung gelinge. Der Bericht registriert zwar Verbesserungen bei den Schulabschlüssen von Kindern mit ausländischen Wurzeln gegenüber den Vorjahren. Im Vergleich zu den deutschen Kindern seien sie aber immer noch „benachteiligt“. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Ausländische Kinder sind an den Hauptschulen mit 27,5 % (im Vergleich dazu deutsche Kinder: 10,6 %) und an den Gymnasien mit ca. 26 % (deutsche Kinder: ca. 52 %) vertreten. Keinen Schulabschluss schaffen 11,6 % der ausländischen Kinder, während bei den deutschen nur 5 % zu den absoluten Schulversagern zählen. Als Fazit formuliert der Bericht, dass die Chancengleichheit und -gerechtigkeit „trotz Verbesserungen in den letzten Jahren in unserem Bildungssystem nicht gewährleistet sind.“ Weiterlesen

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