Archiv der Kategorie: Ricchtiger Umgang mit der Sprache

Wie eine Kulturtechnik verkümmert

Das Berliner Gymnasium, an dem unterrichtet habe, bekam seine Schüler aus über zehn Grundschulen „angeliefert“. Den Lehrkräften der Eingangsklassen (in Berlin ist das die 7. Klasse) war schnell klar, welche Grundschulen ihre Schüler gut auf die Oberschule vorbereitet haben und welche nicht. In Deutsch beherrschten einige Schüler schon Wortarten und  Satzglieder, während andere  diese Fachbegriffe noch nie  gehört hatten. Auch beim Lesen gingen die Leistungen weit auseinander. Ich habe erlebt, dass (männliche) Schüler mich vor der Stunde baten, sie nicht laut vorlesen zu lassen, weil „sie das nicht können“. Sie wollten sich nicht vor ihren Mitschülern blamieren. Diese Unterschiede bestanden nicht  nur – was inzwischen gesichertes Wissen ist – zwischen Schülern aus kulturell unterschiedlich geprägten Elternhäusern. Die Leistungen differierten nach der Grundschule, die die Schüler jeweils  absolviert hatten. Man kann also den Schluss wagen, dass  es Schulen gibt, die ihren Auftrag, die Kinder auf die weiterführenden Schulen vorzubereiten, ernst nehmen und dabei auch erfolgreich sind, und solche, die sich eher einer Laissez-faire-Pädagogik verschrieben haben. Weiterlesen

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„Di Foirwer retete eine oile aus dem Stal“ – Wie unsere Schüler das Schreiben verlernen

Veröffentlicht in   „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Bildungswelten)                                       

06. 04. 2017

Am 4. Mai 2017 werden sich in  400 Berliner Grundschulen 28.000 Schüler der dritten Klassen über ein Aufgabenblatt beugen, das ihnen eine einheitliche Schreibaufgabe abverlangt.  An diesem Tag  findet der  landesweite  Test „VERA 3“ im Fach Deutsch statt. Schüler und Eltern werden der Veröffentlichung der Ergebnisse mit Interesse entgegensehen. Die Berliner Schulverwaltung wird diesen Tag eher mit Bangen erwarten. Die Besorgnis hat gute Gründe. Beim „VERA 3“-Test im Schuljahr  2014/2015 waren die Ergebnisse für die Berliner Grundschüler verheerend. Die Hälfte der Drittklässler erfüllte nicht die Mindestanforderungen an die Rechtschreibung, die die Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegt hatte. Sie können, wie es im Kommentar des Instituts für Schulqualität (ISQ) hieß, gerade einmal „lautgetreu“ schreiben. Im Klartext heißt das: Die Schüler bringen Wörter so  zu Papier, wie sie  sie hören, nicht aber,  wie sie korrekt geschrieben werden. Auch in den Folgejahren verbessern sich die  Schreibleistungen der Schüler nicht, wie die schlechten Ergebnisse   beim  Deutsch-Test „VERA 8“  belegen. Weiterlesen

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Respektlose Sprache

Erschienen in:

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09. 02. 2017 (Bildungswelten)

 Eine Eigenart der deutschen Sprache bringt es mit sich, dass Gattungsbezeichnungen oft durch männliche grammatische Formen bezeichnet werden. Wenn von einem Lehrer die Rede ist, sind deshalb die weiblichen Lehrkräfte inbegriffen. Das Amtsdeutsch flüchtet sich, um der Gleichberechtigung der Geschlechter auch sprachlich Genüge zu tun, in unschöne Doppelbezeichnungen,  wie z.B.  Lehrer und Lehrerinnen. Ähnlich umständliche Wortverbindungen findet man auch in Stellenanzeigen. In amtlichen Stellenausschreibungen sind sie gesetzlich vorgeschrieben.  Sprachwissenschaftlerinnen, die sich dem Feminismus verpflichtet fühlen, gingen noch einen Schritt weiter. Sie führten in ihren Texten den Gendergap ein („Bürger_innen“). Eine Variante davon ist der Genderstern („Schüler*innen“). Diese beiden Formen haben inzwischen das Binnen-I verdrängt, das in der ersten Generation der „geschlechtergerechten Sprache“ noch üblich war („SchauspielerInnen“). Weiterlesen

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