Monatsarchiv: Januar 2016

Fragwürdige Experimente

Wie Bildungspolitiker mit den Lebenschancen unserer Kinder umgehen

 In unserer repräsentativen Demokratie legen wir die Geschicke unseres Landes für vier (in den Ländern fünf) Jahre in die Hand der Parlamente. Die Fraktionen, die die Regierung bilden, haben dann das Recht, die Gesellschaft nach ihren politischen Vorstellungen zu formen. Große Ausschläge nach rechts oder links sind bei einem Machtwechsel nicht zu erwarten. Dazu ist unsere Republik inzwischen zu pragmatisch geworden. Die scharfen ideologischen Kanten, die unsere Parteien noch vor 30 Jahren ausgezeichnet haben, sind abgeschliffen. Fast alle Parteien sind untereinander koalitionsfähig.

Nur in der Pädagogik haben Ideologien noch eine Heimstatt, vor allem in der Schulpolitik. Hier sind Politiker unterwegs, die die Schullandschaft nach streng weltanschaulichen Vorgaben verändern wollen. Rot-grüne Bildungspolitiker treibt dabei eine Agenda um: Sie wollen die Schule nach den Prinzipien der „sozialen Gerechtigkeit“ umgestalten. Dazu muss das dreigliedrige Schulsystem „überwunden“ werden. Das klingt, als handle es sich bei diesem schulische Prinzip um eine ansteckende Krankheit. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

„Wann machen Sie wieder einmal Ihren begnadeten Frontalunterricht?“

Veröffentlicht in:    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. 01. 2016 (Bildungswelten)

Wie „moderne“ Unterrichtsmethoden dazu beitragen, die intellektuelle Substanz des Unterrichts zu untergraben

 Kluge Schüler helfen Lehrern manchmal auf die Sprünge. Als ich an einer Berliner Gesamtschule unterrichtete, öffnete mir eine Schülerin die Augen darüber, was im Unterricht dieser Schule im Argen liegt. Sie fragte mich zum Beginn der Stunde: „Müssen wir heute schon wieder das machen, was wir machen wollen?“ – Hintergrund dieser erstaunlichen Frage war die Angewohnheit einiger Lehrer, schwierige Klassen dadurch „ruhig zu stellen“, dass sie ihnen eine „stille Selbstbeschäftigung“ – natürlich mit dem laufenden Stoff – gestatteten. Dieser gönnerhafte Verzicht auf Unterricht war in Wahrheit eine Form der Kapitulation vor den disziplinarischen Schwierigkeiten, die in Schulklassen immer wieder auftreten – auch am Gymnasium. Diese Lehrer gingen selbstverständlich von der Annahme aus, den Schülern dadurch einen Gefallen zu tun, dass sie ihnen die Konfrontation mit dem anstrengenden Stoff ersparten. Allzu oft erweckt das aufmüpfige Gebaren der Schüler, der Gestus des hinhaltenden Widerstandes den Anschein, sie wollten nur eines: das Lernen vermeiden. Das mag für einige Schüler in einer Klasse durchaus zutreffen, keineswegs aber für die Mehrheit. Die aufgeweckte Schülerin, die diesen bemerkenswerte Satz sagte, sprach für diejenigen, die etwas lernen wollten und die von der Lehrkraft zurecht erwarteten, dass sie in der Lage ist, eine ruhige Lernatmosphäre herzustellen, auch wenn es einer Kraftanstrengung bedarf und mit Konflikten verbunden ist. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Kompetenzen, Rolle des Lehrers, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsmethode

Wie die Friedrich-Ebert-Stiftung eine umstrittene Schulreform schönredet

Als bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg im Jahre 2011 die grün-rote Regierung an die Macht kam, machte sie sich sofort ans Werk, das bis dahin sehr erfolgreiche Schulsystem gehörig „umzupflügen“. Zentrum der „Schulreform“ war die Gründung von Gemeinschaftsschulen, mit deren Hilfe das Kernanliegen von Grün-Rot, ein (sozial) „gerechtes Schulsystem“ verwirklicht werden sollte. Da an dieser Schulform die Spreizung der Begabungen bei den Schülern sehr groß ist, kann der Unterricht nicht mehr im Klassenverband stattfinden, er wird deshalb individualisiert. Jeder Schüler arbeitet einen auf sein Leistungsvermögen abgestimmten Lernplan ab. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität