Schlagwort-Archive: Gemeinschaftsschule

Zeit für das Leistungsprinzip

Alle politischen Beobachter sind sich darüber einig, dass die  SPD-geführten Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen auch deshalb abgewählt wurden, weil ihre  Schulpolitik gravierende Mängel aufweist, die den Eltern nicht verborgen bleiben konnten. Ich spreche hier nicht von den Dauerbaustellen „G8 oder G9?“  oder „Inklusion“, die vor allem in NRW negativ zu Buche schlugen, weil sich die grüne Bildungsministerin Sylvia Löhrmann nicht sehr professionell anstellte. Wenn ich von Defiziten spreche, meine ich die grundsätzliche Ausrichtung der Schulpolitik auf das  ewige  SPD-Ziel  „Mehr Gerechtigkeit“. Wenn man dieses Prinzip in der Schule nämlich überstrapaziert, muss es zwangsläufig mit einem anderen Prinzip kollidieren: mit der Leistungsfähigkeit der Schule, also  mit den schulischen Leistungen der Schüler und mit der Qualität der Abschlüsse, die sie erreichen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung

Von Schulschwänzern, Helikopter-Eltern, Bildungsbürgern und Geschäftemachern

Der Leser wird sich fragen, was diese vier Begriffe miteinander zu tun haben. Eigentlich wenig. Einem Kommentator im Kulturradio im RBB ist es allerdings gelungen, die vier Vokabeln zusammenzurühren. Er heißt André Bochow und ist den Radiohörern in Berlin vor allem durch seinen  Satirischen Wochenrückblick bekannt, der am Sonnabend gesendet wird. Schon in diesen satirischen drei Minuten zeigt sich des Kommentators  starke linke Schlagseite, umso mehr in seinen Einlassungen in Kommentaren in voller  Länge.

Beim Kommentar vom 04. 01. 2017 ging es um die Frage, warum Berlins Schulen den bundesweiten Rekord an Schulschwänzern aufweisen. Im letzten Schulhalbjahr 2015/2016 haben in den Klassen 7 bis 10 mehr als 2.000 Schüler über vier Wochen, manche oder sogar über acht Wochen lang,  unentschuldigt gefehlt, weitere 2.300 Schüler schwänzten den Unterricht zwei bis vier Wochen. Rechnet man die Schwänzer in der Grundschule, die in dieser Statistik nicht erfasst sind, hinzu, kommt man auf eine riesige Zahl an Schulschwänzern an Berlins Schulen. Die Folgen sind bekannt: Die Schüler verlieren den Anschluss an den vermittelten Stoff, schreiben schlechte Klassenarbeiten, verlieren die Lust an der Schule  ganz  und bekommen zum Schluss keinen Schulabschluss. Weiterlesen

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Rote Laterne für Berlin

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Bildungswelten, 17. 11. 2016

Rote Laterne für Berlin

von Rainer Werner

Lernbüros, Stationenlernen, Freiarbeit und offener Unterricht gelten als schülerfreundliche Methoden – auf ihre Wirksamkeit überprüft wurden sie aber nie. Berlin praktiziert sie dennoch weiter und muss bei Leistungsvergleichen eine Niederlage nach der anderen einstecken.

Seit Jahren belegt das Land Berlin im bundesweiten Schulvergleich den letzten oder vorletzten Platz. In diesem Jahr haben gleich zwei Studien diese trostlose  Platzierung   am Ende der Länderskala bestätigt: die Studien des „Instituts der Deutschen Wirtschaft“  und des „Instituts für Qualitätsentwicklung im  Bildungswesen“. Das Deprimierende dieser Befunde liegt darin, dass eine Besserung der Schulqualität nicht in Sicht  ist. Teilweise haben sich die schulischen Leistungen sogar  verschlechtert, wie die Erhöhung der Zahl der Schüler ohne   Schulabschluss von 9%  (2014) auf 11%  (2015) zeigt.

Die neue Legislaturperiode des Berliner Abgeordnetenhauses und des Senats von Berlin bietet die Gelegenheit, endlich die Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um aus dem „Tal der Tränen“ herauszukommen. Dabei sollte der neue Senat das beherzigen, was der pädagogische Sachverstand für die Qualitätssteigerung  einer Schule als besonders wirksam herausgefunden hat. In der Medizin gilt  es als  selbstverständlich, dass  nur Therapien und Medikamente zur Anwendung kommen, deren Wirksamkeit eindeutig erwiesen ist. In der Pädagogik kann man oft den Eindruck gewinnen, dass das   politisch Wünschenswerte an die Stelle dessen tritt, was wirklich Qualität verspricht.  Weiterlesen

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Bessere Bildung durch mehr Geld?

Über die Sozialdemokratie gibt es das Bonmot, wonach sie für jedes gesellschaftliche Wehweh ein passendes Pflaster parat hält: ein Geldgeschenk. Für eine Partei der Solidarität, die eigentlich ein kritisches Verhältnis zum Geld haben sollte, ist das zumindest eine merkwürdige Haltung. Als wollte die SPD das Vorurteil bestätigen, ihr gehe es nur ums Geld, wurde jüngst publik, dass sie folgende Forderungen ins „Wahlprogramm 2017“ schreiben wolle: Beitragsfreiheit für alle Kitas, neun Milliarden Euro für die Sanierung der Schulen, hohe Finanzmittel für die flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen und hohe Beträge für die „digitale Aufrüstung“ der Schulen. Eine bessere Bildung durch höhere finanzielle Aufwendungen erzwingen zu wollen, ist gut gemeint, geht aber an der Problematik unseres Schulsystems vorbei. Weiterlesen

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Verteidigung der Gesamtschule

Das deutsche Erbrecht kennt die Regelung, dass man ein  Erbe   ausschlagen kann. Dies ist  vor allem dann ratsam, wenn man von dem Verstorbenen Schulden erbt, die man mit dem eigenen Vermögen nicht begleichen kann. In der Politik kommt es selten vor, dass man das politische oder moralische Erbe negiert, das von einem früheren Heros der Partei überkommen ist. So sonnt sich die  CDU  heute noch im Glanze  Konrad Adenauers. In der SPD ist Willy Brandt fast zur Heiligenfigur aufgestiegen. Mit der Sachpolitik früherer Parteiführer geht man schon etwas vorsichtiger um. Manches Erbteil wird auch schlicht verweigert.  So distanzieren sich heute große Teile der  SPD  von der Agenda 2010 von Gerhard Schröder, obwohl diese Reform die Grundlage für unser heutiges Wirtschaftswachstum gelegt und den Sozialstaat vor dem Kollaps bewahrt hat. Schändlich geht die SPD heute mit einer Schulform um, die sie einst erfunden hat und die auf eine lange, ehrwürdige Geschichte zurückblicken kann: die Gesamtschule. Weiterlesen

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Gut gehütete Tabus

Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. 9. 2016 (Bildungswelten)

Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 startete die Pilotphase der Gemeinschaftsschule, an der zunächst  24  Berliner  Schulen teilnahmen. Inzwischen haben zwei  Schülergenerationen diese Schulform vollständig durchlaufen. Grund genug, Bilanz zu ziehen. Wenn eine neue Schulform gegründet wird, steht sie unter einem besonderen Rechtfertigungszwang. Sie muss unter Beweis stellen, dass sich ihre Gründung gelohnt hat, weil sie  gute Lernergebnisse erzielt. Dies wollen vor allem die Eltern wissen, die jedes Jahr aufs Neue vor der Frage stehen, in welche Schule sie ihre Kinder schicken sollen. Aber auch der Steuerzahler hat ein Recht darauf zu erfahren, ob die neue Schule die Investitionskosten wert ist, die sie verursacht hat.

Im März 2016 hat nun die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin, vertreten durch die Senatorin, Frau Sandra Scheeres, den Abschlussbericht zur Pilotphase der Gemeinschaftsschule der Öffentlichkeit vorgestellt und, wie es bei Politikern üblich ist, voreilig eine positive Bilanz gezogen. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch Zweifel an der Erfolgsbilanz  und viele Fragen, die nicht beantwortet werden. Weiterlesen

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Schulqualität in Schleswig-Holstein

Da ich in Schleswig-Holstein ein privates Gymnasium in seiner pädagogischen Schulentwicklung unterstütze, habe ich mit besonderem Interesse den Teil der  Studie des „Instituts der Deutschen Wirtschaft“ („Bildungsmonitor 2016) vom August 2016 zur Kenntnis genommen, der sich mit diesem Bundesland befasst. Hier ist die Bewertung der Schulqualität in Schleswig-Holstein.

 

Bildung ist in Deutschland  föderal organisiert. Jedes Bundesland kann sein Schul- und Hochschulsystem nach eigenem Gutdünken gestalten. Von der  Kultusministerkonferenz (KMK) werden nur allgemeine Rahmenbedingungen festgelegt. Gegen einheitliche Prüfungsanforderungen beim  Mittleren Schulabschluss und beim Abitur wehren sich die Kultusminister hartnäckig, weil sie um ihre „Bildungshoheit“ fürchten. Deshalb wird unser Bildungssystem noch auf Jahre zerklüftet bleiben.

Wenn die Bundesländer schon auf der Eigenständigkeit der Bildungspolitik bestehen, müssen sie es sich zumindest gefallen lassen, dass die Qualität ihrer  Schulen und Hochschulen  von wissenschaftlichen Instituten mit der Qualität in anderen Bundesländern verglichen wird. Nur so kann ein Wettbewerb zwischen den Ländern entstehen, der letztlich zur Qualitätssteigerung beiträgt.  Auch in der Bildung belebt Konkurrenz das Geschäft. Weiterlesen

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