Archiv der Kategorie: Schulformdebatte

Jahrzehnte lang stritten sich die beiden politischen Lager in unserem Land um die richtige Schulform. Dabei geriet die wichtige Erkenntnis aus dem Blick, dass der Unterrichtserfolg vom einzelnen Lehrer abhängt. Auf den Lehrer kommt es an!

Das Bildungsroulette

Ich kann mich noch gut an den Brief einer Schülerin erinnern, die mit ihren Eltern von Berlin nach München gezogen war. Sie klagte darüber, dass sie, die ehemals gute Schülerin, in München nur im Mittelfeld landete. In zwei wichtigen Fächern (Englisch und Mathematik) war die Klasse im Stoff  über ein ganzes Schuljahr weiter als ihre Berliner Klasse. Sie beschrieb den Unterricht als straff geführt, die gestellten Aufgaben als absolut verbindlich – kurzum: Es handelte sich um die Leistungskultur, die die Berliner Schulen – auch die Gymnasien – allzu oft vermissen lassen. Die Schülerin schaffte, wie sie mir später mitteilte, mit großen Anstrengungen den Anschluss und bald darauf auch das Abitur. Sie konnte sich damit trösten, dass das bayerische Abitur unter der Hand mehr wert ist als das anderer Bundesländer. Bei Bewerbungsgesprächen gilt es als besonderes Qualitätssiegel. Weiterlesen

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Den Bildungsföderalismus verteidigen!

Im Volksmund gibt es den Spruch: „Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch.“ – Der Besteller kann dann auch über die Musikstücke befinden, die auf dem Fest gespielt werden. Auf die Bildung in Deutschland übertragen hieße der Satz: „Wer für die Bildung verantwortlich ist, muss auch finanziell für sie aufkommen. Er darf die Bildung dann auch nach seinem Gutdünken gestalten.“   Deutschland ist ein föderal gegliederter Bundesstaat. Die Bildung gehört zu den wichtigsten Verantwortlichkeiten der Bundesländer. Bisher haben sie eifersüchtig darüber gewacht, dass ihnen der Bund kein Jota von diesen Befugnissen aus der Hand nimmt, gilt doch die Bildung als idealer Bereich, in dem man seine Gestaltungskraft unter Beweis stellen kann. Das ist auch der Grund für die großen Unterschiede im Schulsystem, die beim Umzug von Familien von einem Bundesland in ein anderes  manchmal bei den Kindern zu kleinen Tragödien  führen können. Weiterlesen

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Ein Schritt vorwärts – zwei Schritte zurück

Alarmierender  Rückschritt in der Schulqualität

Mitte August 2017 wurde der „Bildungsmonitor 2017“ veröffentlicht, der vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ in Köln jedes Jahr herausgegeben wird. Diese Studie untersucht die Qualität von Bildung in Schule und Hochschule  und erstellt daraus ein Ranking der Bundesländer. Wie  zu erwarten war, belegen auch dieses Jahr  die Länder Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg  die vordersten Plätze. Die drei Länder Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin rangieren am Ende  der Tabelle. Studiert man die Ergebnisse der Studie im einzelnen, fallen einige Verbesserungen ins Auge. So nahm die Qualität in den Handlungsfeldern Internationalisierung um 16,5 Punkte, bei der  Förderinfrastruktur um 10,7 Punkte und bei den  Betreuungsbedingungen um 8,8 Punkte zu. Alarmierend ist hingegen die Abnahme der Schulqualität um 7,3 Punkte. Diese Verschlechterung ist deshalb besorgniserregend, weil die Schulqualität den Kernbereich der Bildung betrifft. Weiterlesen

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Pädagogische Gretchenfrage

Der bildungspolitische Streit zwischen dem rot-grünen und dem konservativen Lager macht sich vor allem an der Frage fest, wie man mit der Heterogenität der Schülerschaft umgehen soll. Selten wird in der Diskussion auf die Erfahrung der Lehrer zurückgegriffen. Dabei könnten  sie am besten über wirkungsvolle Unterrichtskonzepte Auskunft geben. Dies ist ein Plädoyer für  pädagogische  Vernunft.

Wer als Lehrer schon einmal in einer heterogen zusammengesetzten Klasse – etwa in einer Gesamtschule – unterrichtet hat, dem wird folgende Situation vertraut vorkommen. Die Lehrkraft erläutert im Geschichtsunterricht der 8.  Klasse die Gewaltenteilung, die in der Französischen Revolution das  absolute Herrschaftssystem der Könige zerbrochen hat. Schnell wird deutlich werden, dass die leistungsstarken Schüler das Prinzip der Trennung der staatlichen Gewalten im Nu  verstehen, während es den leistungsschwachen Schülern, denen abstraktes Denken oft nicht gegeben ist, schwer fällt, den Sinn dieser demokratischen Herrschaftsform zu begreifen. Der Lehrer  wird den Umweg über ein lebensnahes Beispiel – etwa aus dem schulischen Leben – nehmen müssen, um Gewaltenteilung auch für die Schüler mit geringem Abstraktionsvermögen sinnlich erfahrbar  und dadurch begreiflich  zu machen. Mit den guten Schülern hätte er  schon längst im Stoff voranschreiten und noch weit schwierigere Sachverhalte diskutieren können. Die meisten Lehrer  werden jedoch, dem  sozialen Anspruch der Gesellschaft und ihrem eigenen pädagogischen Gewissen gehorchend, so lange auf die Verständnisschwierigkeiten der leistungsschwachen Schüler eingehen, bis sie das Gefühl haben, dass sie das Geforderte annähernd verstanden haben. In der Regel bleiben während dieser „Förderphase“ die guten Schüler ohne Aufgabe, im besten Fall wird ihnen  die Lehrkraft raten, im Geschichtsbuch schon einmal das nächste Kapitel zu lesen. Eine nachhaltige Förderung der leistungsstarken Schüler kann man das nicht nennen. Weiterlesen

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Ist die Schule daran schuld?

 Immer wieder kann man in der Zeitung  lesen, in Deutschland gehe es deshalb ungerecht zu, weil die Aufstiegserwartungen junger Menschen aus der sozialen Unterschicht nicht erfüllt würden. Selbst begabten Schülern falle es zunehmend schwer, in höhere Regionen –  Abitur oder Hochschulabschluss – aufzusteigen.  Die Schuld daran wird fast immer der Schule zugewiesen, die es nicht schaffe, die sozial benachteiligten Schüler ausreichend zu motivieren. Unterstützung bekommen diese Kritiker stets von Organisationen wie der OECD und der Bertelsmann-Stiftung, die seit Jahren  beklagen, dass bei uns der schulische Erfolg  der Kinder noch zu sehr vom Geldbeutel der Eltern abhänge. Weiterlesen

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Tropfende Dächer sind schuld

Die SPD will im Bundestagswahlkampf auch mit der Bildung punkten. In Anzeigen, die in Magazinen wie SPIEGEL oder „Stern“ platziert wurden, kann man lesen: „Wenn es in den Schulen ins Dach reinregnet oder die Kinder nicht zur Toilette gehen können, brauchen Sie…Handwerker.“ Gleichzeitig wurde bekannt, dass im rot-grün regierten Hamburg 5,1 Prozent der Abiturienten (das sind 500 Schüler) das Abitur nicht geschafft haben. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte. Hinzu kommt, dass schon im Vorfeld 7,9 Prozent der Schüler von allein aufgegeben hatten oder wegen schlechter Vorzensuren nicht zum Abitur zugelassen worden waren. Die schlechten Abiturleistungen erklären sich damit, dass zum ersten Mal Aufgaben aus dem bundesweiten Abituraufgaben-Pool verwendet wurden, mit  denen Hamburgs Abiturienten offensichtlich überfordert waren. Im Umkehrschluss kann man schlussfolgern, dass das Abitur in Hamburg  im Vergleich der Bundesländer  in den letzten Jahren zu leicht war. Angesichts der Hamburger Abiturergebnisse müsste die  SPD eigentlich  ihren Slogan ändern: „Wenn fünf Prozent der Abiturienten das Abitur nicht bestehen, muss dringend die Didaktik des Unterrichts  geändert werden.“ Eine solche Forderung wird man wohl vergeblich lesen. Für die SPD, die in den 1960er Jahren die Partei der bildungspolitischen Innovation schlechthin war, hat Bildung nur noch mit „mehr Geld“ zu tun. Was in den Klassenzimmern passiert, die schön saniert worden sind, interessiert sie weniger. Dabei gäbe es dafür Anlass genug. Weiterlesen

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Zeit für das Leistungsprinzip

Alle politischen Beobachter sind sich darüber einig, dass die  SPD-geführten Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen auch deshalb abgewählt wurden, weil ihre  Schulpolitik gravierende Mängel aufweist, die den Eltern nicht verborgen bleiben konnten. Ich spreche hier nicht von den Dauerbaustellen „G8 oder G9?“  oder „Inklusion“, die vor allem in NRW negativ zu Buche schlugen, weil sich die grüne Bildungsministerin Sylvia Löhrmann nicht sehr professionell anstellte. Wenn ich von Defiziten spreche, meine ich die grundsätzliche Ausrichtung der Schulpolitik auf das  ewige  SPD-Ziel  „Mehr Gerechtigkeit“. Wenn man dieses Prinzip in der Schule nämlich überstrapaziert, muss es zwangsläufig mit einem anderen Prinzip kollidieren: mit der Leistungsfähigkeit der Schule, also  mit den schulischen Leistungen der Schüler und mit der Qualität der Abschlüsse, die sie erreichen. Weiterlesen

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