Archiv der Kategorie: Verantwortung der Eltern

Leitkultur in der Schule

Die Ermordung des französischen Lehrers Samuel Paty durch einen 18-jährigen Islamisten hat auch hierzulande die Frage aufgeworfen, wie groß  in unseren Schulen der Einfluss des politischen Islam gediehen ist. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger sprach davon, dass in Schulen mit hohem Anteil muslimischer Schüler die Lehrer unter Druck gesetzt würden, Themen wie Nahostkonflikt oder Israel  im Unterricht zu vermeiden. Die Schere im Kopf führe sogar dazu, dass  Lehrkräfte  Filme wie „Schindlers Liste“ nicht mehr zeigten.

Die Schule ist eine Institution, in der sich  gesellschaftlichen Verwerfungen hautnah abbilden. Alle Konflikte, die in der Gesellschaft ausgefochten werden, landen über kurz oder lang auch in den Klassenzimmern. Deshalb wären die Kultusminister gut beraten, die Spielregeln, die in der Schule gelten sollen, klarer und deutlicher als bisher zu definieren. Die Schulgesetze reichen dafür offensichtlich nicht mehr aus.  Ich habe mich nie gescheut, von einer Leitkultur zu sprechen, die als Leitplanke für innerschulisches Handeln dienen könnte. Der Begriff Leitkultur wurde  1996 von dem deutsch-syrischen Politologen Bassam Tibi geprägt. Er zählte dazu die Werte der „kulturellen Moderne“ wie Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft. Der in den letzten Jahren ausgetragene politische Streit um den Begriff der „deutschen“ Leitkultur war überflüssig, weil die von Tibi formulierten Werte für jedes Staatswesen des Westens gelten, das den Anspruch erhebt, demokratisch zu sein. Wie könnte eine Leitkultur für die Schule aussehen?

Wichtigstes Prinzip der demokratischen Schule ist ihre Neutralität. Sie ist  nötig, weil sich im Kosmos Schule Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, sozialer Schichtzugehörigkeit, Lebensstile,  religiöser und weltanschaulicher  Prägung begegnen. Ein friedliches Zusammenleben aller Schüler – wichtigste Voraussetzung für erfolgreichen Unterricht – ist nur gewährleistet, wenn das Trennende, die Identitätsunterschiede, ausgeblendet werden. Dies gelingt nur in einer Kultur der Toleranz, durch  Akzeptanz des Andersseins. Daraus folgt schlüssig, dass politische und religiöse Einflussnahmen – gleichgültig,  von welcher  Seite sie kommen –  in der Schule nicht gestattet werden können. Deutschland kennt nicht die strenge französische Laizität. Im Religionsunterricht geben  wir  den Konfessionen Raum,  ihren Glauben zu präsentieren. Im Unterricht aller anderen Fächer muss hingegen strikte weltanschauliche   und religiöse Neutralität herrschen, wenn man nicht riskieren will, dass die heftigen Affekte, die sich oft  an „die letzten Dinge“ heften, den Bildungsprozess beschädigen. Vor dem Satz des Pythagoras oder Lessings Ringparabel sind alle Schüler gleich. Hier zählen nur Bildungswille und Auffassungsgabe. Die Integrationsleistung unserer Schulen ist gerade deshalb so hoch, weil das Wissen, das sie vermitteln, alle Schüler einander  gleich macht.

Ein leidiges Problem an unseren Schulen ist das Kopftuch muslimischer Lehrerinnen. Sie versuchen, das Neutralitätsgebot aufzuweichen, indem sie sich beim Tragen des Kopftuchs auch im Unterricht auf die Religionsfreiheit nach Art. 4 des Grundgesetzes berufen. Man kann sich lebhaft ausmalen,  welche Wirkung von dem Kopftuch ausgeht, das eine Lehrerin trägt. Für Schüler sind Lehrer Vorbilder. Eine Lehrerin mit Kopftuch signalisiert den muslimischen Mädchen, dass eine streng religiöse Einstellung letztlich  wichtiger  sei als gute  Bildung. Solche Mädchen werden kaum Widerstand leisten können, wenn ihre Eltern bestimmen, dass sie nach der 10. Klasse die Schule verlassen, um zu heiraten. Dabei zählen  gerade muslimische Mädchen, wenn sie es bis zum Abitur schaffen, zu den Besten. Wenn die Religionsfreiheit von Lehrerinnen mit dem Neutralitätsgebot kollidiert, sollten der Bildungsauftrag der Schule und  das Schülerwohl den Ausschlag geben. Wenn dazu die Schulgesetze nicht ausreichen, muss die Neutralität der Schule im Grundgesetz verankert werden.

Der Unterricht in der demokratischen Schule   will die Schüler zu mündigen Staatsbürgern erziehen. Sie sollen sich für das Gemeinwohl  engagieren. Politisches und zivilbürgerliches Engagement ist  durchaus  erwünscht.  Unzulässig ist jedoch,  politische Aktivitäten  in die Schule hineinzutragen. In Oberstufenkursen trifft man häufig auf Schüler, die in ihrer Freizeit als Aktivisten unterwegs sind. Sie engagieren sich als Klimaschützer, Hausbesetzer oder Flüchtlingshelfer. Im Rahmen eines gut geführten Politikunterrichts dürfen sie in Referaten ihr Anliegen erläutern. Keinesfalls aber sollte ihnen erlaubt sein, Mitschüler zu agitieren oder gar zu bedrohen, wenn sie ihrem Anliegen  nichts abgewinnen können. Die Vertreter von Fridays  for Future schrammten haarscharf an dieser Grenze vorbei, als sie sich mit Mitschülern anlegten, die es ungerecht fanden, dass sie für das Schwänzen am Freitag keine Fehlzeiten eingetragen bekommen. Die hymnische Bewunderung, die Fridays for Future in der Öffentlichkeit erhält, spiegelt nach meiner Erfahrung  nicht die Stimmung in den Klassen wider. Von ihren Mitschülern werden die Klimaaktivisten häufig als arrogant und überheblich wahrgenommen.“ FFF“ hat auch Lehrkräfte in Versuchung geführt, von der Anwendung gültiger Fehlzeitenregelungen abzusehen. Eine solche Pädagogik im Dienste des Guten verletzt ein wichtiges schulisches Prinzip: die Gleichheit aller Schüler. Die Regeln müssen für alle gelten. Würde man sie aufweichen, öffnete man die Büchse der Pandora. Bald würden  Aktivisten mit weniger honorigen  Zielen dasselbe Recht beanspruchen. Die Demokratie zeichnet sich gerade dadurch aus, dass ihre  Spielregeln  sakrosankt  sind. Das sollte auch für die Schule gelten, in der Schüler die Demokratie erproben.

Ein wichtiges Prinzip der Schule ist  die  Wissenschaftlichkeit des Unterrichts. In den „exakten“ Fächern, Mathematik und Naturwissenschaften, ist das unumstritten. Schwieriger wird es in den Gesellschaftswissenschaften, vor allem in Politischer Wissenschaft und  Geschichte. In diesen Fächern gibt es keine objektive Wahrheit, sondern nur Annäherungen, sinnfällige Evidenzen,  vorläufige Erkenntnisse, die sich durch Neubewertung der Quellen oder durch  gesellschaftliche Erfahrungen verändern können. Ein Blick in die Lehrwerke der Schulbuchverlage zeigt, wie man durch selektive Quellenauswahl und durch geschickt formulierte Kommentare das Wissen der Schüler lenken kann. Häufig wird die Soziale Markwirtschaft  in Frage gestellt, indem ihr die Attitüde  eines Raubtierkapitalismus unterstellt wird. Es gibt kaum ein Lehrwerk über die Wiedervereinigung, indem nicht  der Treuhandanstalt  unterstellt würde, die Wirtschaft der DDR ruiniert und an westdeutsche Konzerne verscherbelt zu haben. Seit die Archive der Treuhandanstalt für wissenschaftliche Recherchen zugänglich sind, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Die Treuhand hat aus dem Staatsbankrott der DDR das Optimum herausgeholt. Die Schulbücher der Verlage sollten genauer auf ideologische Voreingenommenheit untersucht werden.

Das Fach Geschichte ist neuerdings  Ziel von tagespolitisch motivierten Interventionen. Im Leistungskurs Geschichte treten Schüler auf, die – beeinflusst vom Konzept des Cancel Culture – historische Personen nachträglich moralisch diskreditieren und dazu aufrufen, Statuen solcher Personen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. So werden  Bismarck  die Verbrechen des deutschen Kolonialismus angelastet, seine Verdienste um Deutschland –  Reichseinigung und Sozialgesetzgebung –  hingegen ausgeblendet. Einem solchen unhistorischen Ansinnen sollten die Geschichtslehrer deutlich entgegentreten. Es gehört zu den Axiomen der Geschichtswissenschaft, dass man historische Ereignisse und Personen  nur aus der Zeit heraus   verstehen kann.  Wenn man von  Gegenwartsproblemen  ausgeht, ist man immer versucht, die Messlatte heutiger Demokratie- und  Moralvorstellungen an vergangene Zeiten anzulegen, was zu falschen Urteilen führen muss. Kein vernünftiger Mensch würde Martin Luther aus dem Gedächtnis der Deutschen löschen wollen, weil er dazu aufrief, die aufständischen Bauern zu erschlagen und die Synagogen der Juden niederzubrennen. Seine Verdienste um die Erneuerung des christlichen Glaubens und um die Erschaffung einer deutschen Einheitssprache durch seine Bibelübersetzung wiegen die Schattenseiten  seines Wirkens auf. Die Nachgeborenen müssen lernen,  die Ambivalenz historischer Personen zu ertragen. Das kollektive Gedächtnis einer Nation benötigt ein Geschichtsbild, dass nur der historischen Wahrheit verpflichtet ist und sich tagespolitischen Instrumentalisierungen entzieht. Ein guter  Geschichtsunterricht kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten.

Willy Brandt sagte im Jahre 1969, in  einer ähnlich turbulenten Zeit wie der heutigen,   den bemerkenswerten Satz: „Die Schule der Nation ist die Schule.“ Er hätte sich damals nicht träumen lassen, dass diese Aussage im Jahre 2021 eine ganz neue Wahrheit gewinnt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Fehlzeiten, Geschichtsunterricht, Islam in der Schule, Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Schulgesetz, Unterrichtsinhalte, Verantwortung der Eltern

Es ist das Elternhaus, Dummerchen!

In der ZEIT vom 10. September 2020 ist  ein Artikel des „Bildungsexperten“   Anant Agarwala   zu lesen.   Darin  bedient er  ein gern gepflegtes Vorurteil: Wenn die Eltern  Ärztin  und  Rechtsanwalt   sind,  urteilt der Lehrer: „Na klar, diese Kinder müssen aufs Gymnasium“. Bei den Kindern einer Kassiererin  und eines Bandarbeiters   senkt die Lehrerin den Daumen: „Ab mit ihnen in die Hauptschule“. Wer einmal einen Fuß in einen Klassenraum gesetzt hat, weiß, wie absurd dieses Szenario  ist. Die Grundlagen  für eine erfolgreiche Schullaufbahn werden im Elternhaus gelegt. Auch für das Scheitern ist das Elternhaus verantwortlich. Bevor ein Kind in die Schule kommt, wurde es nämlich sechs Jahre lang zu Hause erzogen: zum Guten wie  zum Schlechten. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Islam in der Schule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Verantwortung der Eltern

Schreiben an den Justizsenator von Berlin, Dr. Dirk Behrendt (Die Grünen)

Sehr geehrte Herr Senator,

ich beglückwünsche Sie zu dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Kopftuchproblematik in der Schule. Sie können zufrieden sein, weil   es  dieses Urteil  leichter macht, das fragwürdige  Berliner Neutralitätsgesetz auszuhebeln.  Die säkularen Kräfte, die krampfhaft an diesem Gesetz festhalten, verkennen, wie wichtig  Religion  in unserer Gesellschaft  geworden ist, seit die Christen nicht mehr unter sich sind. Die zahlreichen Muslime, die inzwischen in Deutschland leben, haben ein Recht darauf, dass sie ihre  Religion frei leben können, auch wenn es einigen atheistischen  Aktivisten, die mit Religion nie etwas am Hut hatten, missfällt.  Es schadet nichts, wenn das Kopftuch einer Lehrerin den Kindern vermittelt, dass Religiosität  genauso wichtig ist wie Bildung. Viele dieser Mädchen werden ohnehin früh  heiraten, weil es die familiäre Tradition  verlangt. Dafür ist eine gefestigte Bindung an die tradierte Religion wichtiger als der beste Schulabschluss. Dass  muslimische Eltern schulischen Erfolg  für ihre Mädchen nicht so wichtig finden, kann man  in Neukölln und Kreuzberg schon jetzt  täglich erleben. Immer mehr Imame stellen Atteste aus, die der Schulleitung anzeigen, dass das Mädchen der Familie Karimi ab jetzt ein Kopftuch trägt und das es ratsam sei, es  vom  Schwimmunterricht zu befreien. Dass diesen Mädchen Schulfeste und Klassenfahrten  verwehrt werden, kann man nur begrüßen,  weil dort die moralischen Gefährdungen am größten sind.  Das Kopftuchurteil wird schon bald  mehr muslimische Lehrerinnen in die Klassen der Berliner Schulen locken. Dann  wird es leichter sein, für die Rechte muslimischer Mädchen zu kämpfen und den Götzendienst, der  um die Bildung gemacht wird, in Frage zu stellen. Die Gegner  des Kopftuchs lassen nichts unversucht, muslimische Eltern ins Unrecht zu setzen. Sie behaupten, solche Eltern würden junge Mädchen schon im Alter   von 10 Jahren  unters Kopftuch zwingen, also  bevor sie überhaupt in der Pubertät sind. Dadurch würden ihre  Rechte als   Kinder verletzt. So ein Unsinn.  Mütter wissen am besten, wann bei  ihren Töchtern die Pubertät beginnt. Und früh mit den Traditionen der Familie und den Regeln der  Religion vertraut gemacht zu werden, kann den Mädchen nicht schaden. Das ist allemal besser, als sie den Gefährdungen unserer Großstädte auszusetzen, wo  Sex, Drogen und Alkohol  das Leben von Kindern und Jugendlichen gefährden. Dass minderjährige Mädchen noch nicht heiraten dürfen, ist ohnehin ein Vorurteil unserer eurozentrischen Rechtsauffassung. Auch hier wäre mehr Toleranz am Platze.

Sehr geehrter Herr Senator, Sie  sollten noch ein anderes Problem in den Blick nehmen und nach einer Lösung suchen. Immer mehr Väter aus arabischen Herkunftsländern stören sich daran, dass in den Berliner Schulen überwiegend Frauen unterrichten. Das ist für die Söhne dieser Familien ein echter Nachteil, weil  sie Frauen gegenüber nicht den Respekt aufbringen können, den sie für erfolgreiches Lernen benötigen. Wir sollten den Familien entgegen kommen und dann auf weibliche Lehrkräfte verzichten, wenn muslimische Eltern dies wünschen. Es ist ohnehin bedenklich, dass der Lehrerberuf inzwischen überwiegend ein Frauenberuf ist. Heranwachsende benötigen zur Ausbildung von Rollenbildern auch männliche Vorbilder. Vielleicht hat das weibliche Übergewicht in der Schule zur Verweichlichung unserer männlichen Jugend beigetragen. Bei muslimischen Familien ist das männliche Rollenbild ungleich wichtiger als bei deutschen Familien. Wir sollten  dieser kulturellen Eigenart Rechnung tragen und  den Vätern ein Mitspracherecht bei der Lehrerverteilung an den Schulen einräumen. Auch eine andere religiöse  Tradition  findet  in der Berliner Schule nicht die Beachtung, die  sie verdient. So sollten während des Ramadan  keine Klassenarbeiten geschrieben werden, weil muslimische Kinder wegen der Ernährungsriten nicht die nötige Konzentration aufbringen können.  Die offene und tolerante Gesellschaft verlangt, dass wir den Traditionen und Gepflogenheiten der Menschen, die aus fremden Kulturkreisen zu uns kommen,  mit Nachsicht und Entgegenkommen begegnen. Das Urteil aus Erfurt  könnte den Weg frei machen für mehr Mitsprache für muslimische Eltern in der Berliner Schule.

Eine unschöne Nebenwirkung des Urteils muss man vielleicht in Kauf nehmen. Neben  den anderen Religionsgemeinschaften werden bald auch weltanschauliche Gruppierungen vorstellig werden und verlangen, dass auch ihre Symbole in der Schule gezeigt werden dürfen. Es kann also sein, dass junge Lehrer mit Pegida-Stickern am Revers  oder mit den Aufklebern der Antifa in die Klassenzimmer stürmen. Ganz wird man das nicht verhindern können, wenn man der Freiheit des Bekenntnisses das Wort redet. Schüler sollen in der Schule nicht nur lernen. Sie sollen so früh wie möglich mit den Kontroversen, die es in unserer Gesellschaft gibt, vertraut gemacht zu werden.  Wissenschaftliche Bildung wird ohnehin überschätzt.  Früher hieß der gymnasiale Anspruch: „Nicht  für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ – Heute könnte es heißen: „Holen wir das pralle  Leben herein in die Schule.“

Für Ihre aufopferungsvolle Arbeit im Dienste unserer muslimischen  Community danke ich Ihnen aufrichtig.

Mit den besten Grüßen

Rainer Werner

Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politische Wissenschaft, Berlin

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Verantwortung der Eltern

Gibt es ein Recht auf ein offenherziges Dekollete´?

Während meines Skiurlaubs in den Alpen sah ich im Hotel eine Sendung, die ich zu Hause nie sehe: „Brisant“ (ARD). Ein Beitrag beschäftigte sich mit einem Vorfall, der sich  auf einem Flug der Thomas Cook Airlines von Birmingham nach Teneriffa ereignet hat. In der Kabine wird der 21-jährigen Emily O´Connor von einem Mitglied  des Kabinenpersonals mitgeteilt, dass ihre Kleidung nicht angemessen sei und dass sie damit die Vorgaben der Airlines verletze. Der Stuart  meinte das tief ausgeschnittene Dekolleté  der jungen Dame.  Nach den Regeln der meisten Airlines  kann  Passagieren, die „vulgär, obszön oder offensichtlich anstößig“ gekleidet sind, der Zutritt zum Flugzeug untersagt werden. Die Dame durfte erst mitfliegen, als sie  ein bis oben geschlossenes Hemd anzog. Es versteht sich von selbst, dass Miss O´Connor nach dem Flug gegenüber der Airlines den Vorwurf des Sexismus erhob. Ich frage mich, ob man nicht umgekehrt der Dame den Vorwurf machen könnte, durch die Ausstellung ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale sexistisch gehandelt zu haben – sexistisch im Sinne einer im Kontext einer Flugzeugkabine unangemessenen sexuellen Körpersprache. Was in einer Disco durchaus erwünscht ist und den Reiz  des Etablissements erhöht, verbietet sich in einer Umgebung, in der andere Menschen  nicht durch die erotischen Anzüglichkeiten einer Einzelnen  behelligt  werden wollen. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit findet eben dort ihre Grenze, wo die Freiheit anderer verletzt wird.

Als Lehrer musste ich häufiger  einschreiten, als Schülerinnen ähnlich offenherzig gekleidet wie Miss O´Connor in die Schule kamen. Auch sie verwies ich auf die Hausordnung, die für die Schule  eine „angemessene Bekleidung“ vorschreibt. Es gibt kein Recht von jungen Mädchen, in einem öffentlichen Raum wie der Schule Teile ihrer Brüste vorzuzeigen. Erstaunlicher Weise bekam ich den meisten Zuspruch von Schülerinnen. Sie fühlten sich durch das Auftreten ihrer Geschlechtsgenossinnen in ihrer Würde verletzt, die sie darin sahen, dass die Frau eben nicht auf die Rolle als Sexualobjekt  reduziert werden darf. Die  Mädchen, die meine Intervention verteidigten,  wollten mit ihren Geistesgaben glänzen und nicht mit ihren körperlichen Vorzügen. Sie hatten erkannt, dass die freizügigen  Mädchen der   Gleichberechtigung  der Geschlechter einen Bärendienst erweisen,   wenn sie durch ihre Kleidung signalisieren, dass es bei einer Frau  letztlich doch auf ihren Sexappeal  ankomme und nicht auf ihre geistigen  Gaben. Ich muss nicht betonen, dass ich von diesen klugen Mädchen begeistert war. Besser hätte ich das  Anliegen der Frauen  auch nicht ausdrücken können.

Merkwürdig fand ich die Kommentierung des Vorfalls durch die Moderatorin. Sie drückte sich vor einer eindeutigen Meinung und bat die Zuschauer, ihre Meinung auf der Facebook-Seite von „Brisant“ zu äußern. Eine eindeutige Haltung zu dem Vorfall  müsste der Moderatorin eigentlich nicht schwer gefallen sein, weil sie doch selbst –  im öffentlichen Raum  wirkend  –  dezent gekleidet war.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern

Schwierige Schüler brauchen einfühlsame Lehrer

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 28. 01. 2020

Kinder mit Migrationshintergrund  sind in unserem Schulsystem benachteiligt, dabei ist Bildung die wichtigste Voraussetzung für das spätere Berufsleben. Das erfordert mutige Maßnahmen.

 

Als am Himmelfahrtstag 2018 die ehrwürdige Harvard-Universität in Boston die Graduierten verabschiedete, hielten drei Studenten des Jahrgangs die Abschiedsreden. Es waren eine Studentin aus der Dominikanischen Republik, eine Kommilitonin aus Algerien und ein Student aus Indien. Letzterer hielt seine Rede in flüssigem Latein. Deutlicher hätte nicht zum Ausdruck kommen können, dass es in einer offenen Gesellschaft, deren Bildungssystem nur dem Leistungsprinzip verpflichtet ist, auch Kinder aus Migrationsfamilien ganz nach oben schaffen können. Auch in Deutschland gibt es inzwischen viele  Beispiele für erfolgreiche Bildungsbiografien von Kindern mit Migrationsgeschichte. Unter den besten Abiturienten eines Jahrgangs finden sich regelmäßig  Schüler, deren Eltern aus ärmlichen Verhältnissen  nach Deutschland eingewandert sind, um hier ihr Glück zu suchen. Ihre Kinder haben es geschafft.

Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat nahezu jeder vierte  Deutsche einen Migrationshintergrund, bei Kindern ist es jedes dritte. Wie ist es um die  Bildung der Migrantenkinder bestellt?  Auskunft   gibt der  12. Bericht zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, den die    Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration  Annette Widmann-Mauz im Dezember  2019 vorstellte.  Der Bericht zeigt gegenüber dem letzten Bericht aus dem Jahre 2016  eine  positive Entwicklung von Kindern mit Zuwanderungshintergrund  hin zu höher qualifizierten Abschlüssen.  Sie    schaffen häufiger den  Mittleren Schulabschluss  und  das Abitur. Die Quote derer, die nur den Hauptschulabschluss schaffen, hat abgenommen. Dennoch ist die Kluft  zwischen Migrantenkindern und Kinder aus deutschen Familien  noch immer  sehr groß. An den Schulbesuchsquoten kann man es ablesen. An Hauptschulen beträgt der  Anteil  ausländischer  Schüler  20,8 Prozent, der  deutscher  Schüler nur  6,3 Prozent; am Gymnasium beträgt er 24,7  Prozent gegenüber 49  Prozent bei deutschen Schülern.  Der Bericht sieht die Ursachen für das  fortbestehende Bildungsgefälle im Zusammenklang dreier  „Risikolagen“, von denen viele Kinder aus Einwandererfamilien  betroffen sind: Die Eltern haben oft einen geringen Bildungsstand, sind seltener erwerbstätig und verfügen über ein niedrigeres Einkommen. Während nur zwei  Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund von allen drei Risiken gleichzeitig betroffen sind, sind es bei Kindern mit Migrationsgeschichte acht  Prozent.  Diese Risikolagen bedingen einen schlechten Start in die frühkindliche Bildung. Kinder mit fremdländischen Wurzeln besuchen immer  noch seltener eine Kindertagesstätte als Kinder der Mehrheitsbevölkerung, wobei der Kita-Besuch mit dem Bildungsgrad der Eltern steigt. Alarmierend ist zudem, dass Kinder  aus dem Migrantenmilieu  seltener informelle Bildungs- und Fördergelegenheiten wahrnehmen, wie etwa Babyschwimmen, Kindersport oder musikalische Frühförderung. In der Entwicklungspsychologie gilt  als  gesichert, dass solche Angebote die Entwicklung eines Kindes günstig beeinflussen, weil in der Kleinkindphase  das  Zusammenspiel von Körper und Geist besonders wichtig ist. Grundschulstudien wie IGLU, TIMSS und IQB-Bildungstrend belegen, dass sich die Benachteiligung von Kindern aus Migrationsfamilien in der Grundschule fortpflanzt. Dort erzielen diese Kinder im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften schlechtere Ergebnisse als Kinder ohne Migrationshintergrund.

Leider differenziert der Bericht der Migrationsbeauftragten  nicht  nach  ethnischen Einwanderer-Gruppen. Deshalb muss man andere Studien zu Rate ziehen. Migrationsforscher  attestieren türkischen Schülern den schlechtesten Schulerfolg unter den Migrantengruppen.   Die Defizite türkischer Schüler  werden oft darauf zurückgeführt,  dass viele türkische Einwanderer aus der Unterschicht stammen, in der es keine familiäre Bildungstradition und auch keine positiven Vorbilder gebe. Bei asiatischen, polnischen und  russischen Einwanderern sei das anders,  weil sie oft der Mittelschicht entstammten. Wenn man, wie es das  Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)  2015  in einer Studie  getan hat,  den sozialen Status der Eltern herausrechnet, sind  die „Kompetenznachteile“ türkischer Schüler immer  noch  „substantiell“. Andererseits weiß jeder Lehrer, dass Kinder am erfolgreichsten lernen, wenn sie sich wertgeschätzt und angenommen fühlen. Das ist bei türkischen Schülern offensichtlich nicht immer der Fall. Beobachtungen im Unterricht an Berliner Sekundarschulen zeigten, dass Schüler mit türkischen und arabischen Wurzeln bei einem Mathematiktest besser abschnitten, wenn sie vor dem Test von der Lehrkraft positiv motiviert worden sind. Es ist nicht auszuschließen, dass es Lehrkräfte gibt, die nach dem Prinzip der sich  selbst  erfüllenden Prophezeiung verfahren. Sie trauen Schülern mit türkischen Wurzeln weniger zu, was sich bei der Bewertung ihrer Leistungen dann auch tatsächlich  einstellt.

Bildung ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben. Sie bietet auch Gewähr für eine aktive Teilhabe am kulturellen Leben.  In einer modernen Leistungsgesellschaft ist Bildung  zudem  der wichtigste Rohstoff, Garant für Wachstum und  Wohlstand. Wir sollten alles tun, um die Kluft zwischen deutschen Schülern und solchen mit Migrationsgeschichte zu schließen. Für Kinder jeglicher Herkunft gilt, dass  sich  Intelligenz  über Sprache bildet. Muttersprachliche Verbalisierungsstrategien schon  im frühesten Kindheitsalter   sind deshalb  die besten Garanten für schulischen Erfolg. Dies gilt in besonderem  Maße für Kinder aus Migrationsfamilien. Wenn dort nur eingeschränkt oder gar nicht Deutsch gesprochen wird, wenn auch das Fernsehen via Satellit nur in der Heimatsprache konsumiert wird,  geraten diese Kinder schon im frühen Alter gegenüber ihren deutschen Altersgenossen ins Hintertreffen. Sprachforscher haben festgestellt, dass diese Verbalisierungsrückstände nie mehr ganz aufgeholt werden können. Dies ist  auch die Ursache für den  deprimierenden Befund des Berichts der Integrationsbeauftragten, dass selbst Ausländerkinder mit Abitur als Erwachsene einem  höheren  Armutsrisiko ausgesetzt sind als deutsche Schüler mit Abitur. Sie tragen die Benachteiligung quasi als Handicap  durch ihr ganzen Leben.

In allen  Bundesländern gibt es inzwischen Sprachstandfeststellungen, mit deren Hilfe man die sprachlichen Defizite von Kindern noch  rechtzeitig vor der Einschulung erkennen kann.  Getestet werden in der  Regel Kinder  im Alter zwischen  drei  und  vier  Jahren. Das erste Testverfahren  wurde in den 1990er Jahren  in Berlin entwickelt. Es trägt den schönen Namen  „Bärenstark“. Das zu testende Kind wird mit einem Teddybären konfrontiert.  Das Kind muss den Bären beschreiben, einzelne Körperteile benennen und mit dem  Bären kommunizieren. Die Sätze des Kindes werden Wort für Wort protokolliert. Sprachforscher halten diesen Test für sehr aussagekräftig, weil er zeigt, wie differenziert  das  Sprachvermögen der Kinder ausgebildet ist. Ein eventueller  Förderbedarf lässt sich verlässlich feststellen. Die Krux dieser Tests liegt allerdings darin,  dass die Schulbehörden der Bundesländer  sich schwer damit tun, die Kinder mit Förderbedarf zu einem Kita-Besuch zu verpflichten. Kulanz gegenüber widerstrebenden Eltern ist  fehl am Platze, wenn es um die Zukunft der Kinder geht.

Mit der Sprachförderung in Kita und Grundschule ist es nicht getan. Für Schüler aus Ausländerfamilien  müsste man auch im Sekundarbereich  eine sprachliche Zusatzförderung  anbieten, die  den  regulären Fachunterricht  ergänzt. Das Ziel dieser Förderung müsste sein, dass sich  die Schüler dasselbe elaborierte Sprachverständnis aneignen, das Kinder aus  deutschen Familien in ihrer frühkindlichen Sozialisation naturwüchsig  erwerben. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man sich auf dem Niveau einer Zweitsprache artikulieren kann, wo  oft schon 5.000 Wörter für die Alltagskommunikation  ausreichen, oder ob man in der Lage ist, literarische Texte oder anspruchsvolle Sachtexte zu  verstehen, für die man einen Wortschatz von 20.000 Wörtern benötigt.  Schüler, die trotz dieser Fördermaßnahmen keinen Schulabschluss erreichen, sollte man so lange beschulen, bis   sie den  Hauptschulabschluss schaffen, der  ihnen den Weg in einen Lehrberuf ebnet. Dazu müsste die gesetzlich limitierte Dauer der Schulpflicht im Einzelfall verlängert werden können. Was spricht dagegen, für solche Schüler eine spezielle Einrichtung, eine „Schule Plus“, zu schaffen?  Dort sollten sie von  Lehrern betreut werden, die  wegen ihrer starken  Persönlichkeit  einen Zugang zu diesen Schülern finden. Leidenschaftlichen Lehrern kann es  gelingen, mit Sachkompetenz, Empathie und persönlicher  Ausstrahlung  selbst  schwierigste Schüler auf den richtigen Weg zu führen.

Vor dem  Hintergrund, dass ein Viertel der 15-jährigen Schüler mit Migrationshintergrund nur über eine eingeschränkte Lesekompetenz verfügt, drängt sich die Frage auf, ob  ein  Sprachförderpakt nicht  sinnvoller wäre  als der von der Regierung mit den Ländern verabredete Digitalpakt. Jeder Schule, die einen Ausländeranteil von mehr als 30 Prozent aufweist, sollte ein  Sprachlehrer mit DaF-Kompetenz zugewiesen werden, der die  Fachlehrer dabei unterstützt, die Sprachschulung der Schüler zur täglichen Pflicht zu machen. Man möchte sich nicht ausmalen, wie Schüler, die analphabetisch unterwegs sind, mit  ihren  Smartphones und Tablets hantieren. Die ihnen  antrainierte Technikaffinität wird ihre sprachlichen Defizite  mit Sicherheit  nicht  beheben können.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Verantwortung der Eltern

Armut und Bildung

Erschienen in DIE WELT vom 7. März 2019

Wie kommt es, dass trotz einer boomenden Wirtschaft und Hunderttausender offener Stellen die Zahl der Abgehängten nicht sinkt? Viele Sozialpolitiker wollen das Problem durch höhere Sozialtransfers an bedürftige Familien lösen. Ein Fehler.

Deutschland hat in den letzten zehn Jahren einen beispiellosen Wirtschaftsboom erlebt. Seit dem Einbruch im Krisenjahr 2009 wächst das Bruttoinlandsprodukt stetig. Die Zahl der Beschäftigten ist auf  45 Millionen Menschen gestiegen, während die Arbeitslosenzahl auf 2,4 Millionen zurückging. Das entspricht einer Quote von 5,3  Prozent. Diese gute Bilanz wird  durch eine traurige Zahl getrübt: Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen  ist seit 2010 annähernd konstant. Im Jahr 2018  betrug  er 34,8 Prozent.  Wie kommt es, dass trotz einer boomenden Wirtschaft und 758.000 offener  Stellen die Zahl der Abgehängten  nicht abnimmt? Lässt man Ursachen wie Krankheit oder Drogensucht beiseite, ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich bei den Arbeitslosen um Menschen mit niedrigen  Qualifikationen  handelt. Die meisten von ihnen haben keinen Schulabschluss und deshalb auch keinen erlernten Beruf. Man kann auch vermuten, dass sich von den 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in unserem Land  eine gehörige Anzahl unter diesen Dauerarbeitslosen findet. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethoden, Verantwortung der Eltern

Schule als Gefahrenzone

Der Beitrag wurde veröffentlicht in der WELT vom 06. 02. 2019.

Mobbing ist fatal. Schreitet niemand ein, können die Schikanen unter Kindern im schlimmsten Fall für Lebensüberdruss sorgen. Dabei gibt es für Lehrer bewährte  Methoden, die Klasse zu befrieden.

Vor kurzem starb ein 11-jähriges Mädchen, das eine Berliner Grundschule besucht hatte. Dem „Tagesspiegel“ zufolge soll es einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein.  Das Mädchen soll  zuvor  in ihrer  Klasse von  Mitschülern  verbal  und körperlich   attackiert worden  sein. Eltern aus der Klasse berichteten, dass  Lehrer und Schulleitung auf das Problem  schon lange vorher  aufmerksam gemacht  worden seien. Sie hätten jedoch abgewiegelt, weil doch alles nicht so tragisch sei. Ein fataler Irrtum. Mobbing ist für die Betroffenen immer tragisch. Es führt zu Angst,  Ohnmachtsgefühlen  und schließlich zu Lebensüberdruss. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass eine Institution, der die Eltern ihre Kinder tagtäglich  anvertrauen, deutliche Hinweise auf  Mobbing nicht ernst nimmt. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Mobbing, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern

Schule als neutralen Ort verteidigen

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 15. 11. 2018

 

Bei den Berliner Grünen gibt es Bestrebungen, das Berliner Neutralitätsgesetz aufzuweichen. Für den Schulfrieden hätte dies gravierende Folgen.

Meine erste Lehrerstelle erhielt ich  an  einem privaten  Oberstufen-Kolleg, das vom katholischen Franziskanerorden geführt wurde. Ein kleiner Teil des Kollegiums war weltlich, der überwiegende Teil gehörte dem Orden an. Die Mönche trugen die traditionelle  braune Kutte mit weißer Kordel und sommers wie winters Sandalen. Auch  religiöse Rituale gab es, die von allen Schülern befolgt wurden. Das ist nicht verwunderlich, da an Schulen mit konfessioneller Trägerschaft  der Hausherr  die Spielregeln bestimmen kann.  Die von den beiden christlichen Kirchen betriebenen Schulen tun  dies inzwischen sehr dezent. Schüler jeglicher Konfession, aber auch  Konfessionslose dürfen die Schulen  besuchen. Die Andachten zielen nicht auf religiöse Überwältigung, sondern auf geistige Anregung. Das Wertefundament, das an diesen Schulen vermittelt wird, ist bei Eltern  so beliebt, dass die Wartelisten für diese  Schulen  immer länger werden. An muslimischen Privatschulen geht es strenger zu, weil die Träger oft noch einem Selbstbild verpflichtet sind, das die islamische Identität höher veranschlagt als Offenheit und Toleranz gegenüber Angehörigen anderer Konfessionen. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern

Lernen mit Konfuzius

       Erschienen in der Tageszeitung DIE WELT vom 4. 9. 2019

 In Schulen hierzulande erzielen asiatische Kinder den größten Erfolg. Sie könnten Einheimischen und Zuwanderern als Vorbild dienen. Das Problem: Bei uns ist Spaß die wichtigste pädagogische Kategorie.

In den Klassenzimmern unserer Schulen sitzen  Schüler mit fremdländischen Wurzeln, die nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Sie schlagen  sich nicht auf dem Pausenhof, sind nicht aufsässig und verstoßen auch nicht  gegen die Regeln. Sie sind höflich, zuvorkommend und leistungsorientiert. Gemeint sind die Kinder asiatischer Eltern. In Deutschland leben zur Zeit 450.000 Menschen aus asiatischen Staaten.  Chinesen, Inder, Vietnamesen und Thais bilden unter ihnen die größten Gruppen. Oft habe ich im Lehrerzimmer  Kollegen  von asiatischen Schülern schwärmen hören, weil sie sich still und beharrlich, mit Fleiß und Ehrgeiz an die Leistungsspitze emporarbeiten. Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland schaffen 64 Prozent der vietnamesischen Kinder den Sprung aufs Gymnasium. Dieser Anteil ist um 11 Prozentpunkte höher als der Anteil der deutschen Schüler und  fünfmal so hoch wie bei türkischen Schülern. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Migrantenkinder in der Schule, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Verantwortung der Eltern

Bildungsstand der Eltern und Schulerfolg

Bildungsforscher betonen immer wieder, dass die Bildungsnähe oder -ferne ein wichtiges Kriterium für den Schulerfolg der Kinder sei. Für Lehrkräfte, die in der Grundschule unterrichten, ist das keine neue Erkenntnis. Sie erleben, wie Kinder aus einem bildungsaffinen Elternhaus schon als 6-Jährige differenziert mit der Sprache umgehen können, während Kinder aus der sozialen Unterschicht nur in grammatisch einfachen Sätzen und mit einem reduzierten Wortschatz sprechen. Da außer den Naturwissenschaften der Lernprozess aller Schulfächer einen hohen sprachlichen Anteil  aufweist, muss man kein Prophet sein, um zu erahnen, dass Kinder mit  einem elaborierten Sprachvermögen eindeutig im Vorteil  sind. Kinder aus Migrantenfamilien sind besonders gefährdet, schon in der Grundschule abgehängt zu werden. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie keine Kita besucht und deshalb nicht richtig  Deutsch gelernt haben. In Berlin müssen Kinder, die keine Kita besuchen, im vierten Lebensjahr an einer Sprachstandserhebung teilnehmen. Die Eltern werden von der Bildungsverwaltung angeschrieben. Trotzdem verweigern  jedes Jahr viele  Eltern diesen Test. Sie nehmen die schulischen Nachteile für ihre Kinder  offensichtlich  in Kauf. Und die Senatorin hat noch keinen Weg gefunden, die Eltern mittels Sanktionen in  die Pflicht zu nehmen. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Verantwortung der Eltern