Ist die Jugend rechtspopulistisch?

Gesellschaftliche Konflikte machen vor dem Schultor nicht Halt. Deshalb  ist es  sinnvoll, sie zum Gegenstand des Unterrichts zu machen. Bedenklich wird es, wenn Aktivisten unter den  Schülern  die freie Diskussion erschweren.

 Am 15. Oktober 2019  wurden  die Ergebnisse der  18. Shell-Jugendstudie vorgestellt. Schon bald  konnte man in den Medien  besorgte Kommentare lesen, die den Jugendlichen einen Rechtsruck unterstellten. „Populismus auf dem Pausenhof“ titelte ein Redakteur eines bekannten Nachrichtenmagazins. Was ist der Grund für diese Aufregung? 68 Prozent der befragten Jugendlichen hatten der Aussage zugestimmt, in Deutschland dürfe  man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden. Ist dieses Ergebnis  ein Beleg für die Anfälligkeit der Jugend für „rassistische Ausgrenzung und Verschwörungstheorien“, wie  besagter Redakteur mutmaßt? Keineswegs! Ich habe in den letzten Jahren hautnah erleben können, wie sich der Streit über die gesellschaftlichen Großkonflikte  Flüchtlinge und Klima  im Unterricht am  Gymnasium  niederschlagen. Wenn Schüler Erfahrungen mit stigmatisierender Etikettierung  machen, dann im Unterricht, und zwar  durch ihre Mitschüler. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Jugendkultur, Mobbing, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Schulstreik

Schüler sollten mehr über Israel wissen

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 21. 10. 2019

Antisemitismus an Schulen speist sich vor allem aus dem Nahostkonflikt. Dabei ist auffällig, dass neben  muslimischen  auch linksliberale deutsche Schüler antijüdisch denken.

 Glaubt man dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung Felix Klein, so hat  der Antisemitismus an Schulen  deutlich  zugenommen. Auch die Presse nimmt davon Notiz. Immer wieder kann man Berichte lesen, dass jüdische Schüler an öffentlichen Schulen gemobbt, ja geschlagen werden. In Berlin  sind  antisemitische Attacken unter Schülern so  häufig geworden, dass in den Notfallplänen der Berliner Schulen Antisemitismus als eigenständige Kategorie gilt. Die  Schulleitungen sind  verpflichtet, solche  Vorfälle der Senatsverwaltung für Bildung  und der Polizei zu melden. Familienministerin Franziska Giffey (SPD), die auch für die Jugend zuständig ist, will 170 „Anti-Mobbing-Profis“ an die  Schulen schicken, die in Klassen mit einer großen multikulturellen Mischung  für einen friedfertigen Umgang miteinander sorgen sollen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Antisemitismus, Geschichtsunterricht, Historisches Bewusstsein, Migrantenkinder in der Schule, Nationalsozialismus und Holocaust

Wie eine Schule ihre reformpädagogische Tradition verspielt

Vor genau 190 Jahren erschien ein Roman, der ein pädagogisches Konzept enthält, das aus heutiger Sicht verblüffend modern erscheint: „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ von Johann Wolfgang von  Goethe. Wilhelm Meister  besucht mit seinem Sohn Felix in der  „pädagogischen Provinz“ eine Internatsschule, die in unberührter Natur liegt, um seinen Sprössling   dieser Einrichtung anzuvertrauen. Beim Rundgang durch die Schule  erfährt der alleinerziehende Vater die Grundsätze der dort geübten Pädagogik. Deutlich wird, dass der Persönlichkeitsbildung der jungen Schüler  höchstes  Gewicht beigemessen wird. Musik, Gesang und Tanz, aber auch die Arbeit in  Garten und  Landwirtschaft  fördern und fordern die ganze Person, weil in diesen Tätigkeiten alle Sinne angesprochen werden. Goethe, der die sinnliche Wahrnehmung überaus schätzte, entwirft hier das Konzept einer ganzheitlichen Pädagogik,  das dem durchrationalisierten Ausbildungsbetrieb  unserer heutigen staatlichen  Schulen fundamental widerspricht. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, ganzheitliche Bildung, Schulinspektion, Unterrichtsmethode

Sackgasse Berlin

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 25. Sept. 2019

Seit Jahren landen die Schüler der Hauptstadt beim Vergleich der Länder auf dem letzten Platz.  Die Schulverwaltung weigert sich hartnäckig, die Rezepte erfolgreicher Bundesländer zu übernehmen. Eine Abrechnung.

Auswärtige Expertise soll es jetzt richten: Eine Kommission unter Prof. Olaf Köller vom Leibniz-Institut für die  Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel hat die Arbeit aufgenommen, um die Misere des Berliner Schulsystems zu durchleuchten und auf Abhilfe zu  sinnen. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sah sich zu diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen, weil  sich zu Beginn des neuen Schuljahres die Katastrophenmeldungen über die Berliner Schule häuften.  Aktuelle Schulleistungsdaten verweisen Berlins Schüler wieder einmal auf den letzten Platz.  Im „Bildungsmonitor 2019“ der Neuen Initiative Soziale Markwirtschaft (NISM) erreicht die Hauptstadt bei der Schulqualität nur 10 von möglichen 100 Punkten, der Sieger Sachsen glänzt mit 85 Punkten. Beim „Vera 3“- Vergleichstest, der die Leistungen der Grundschüler misst,  erfüllen in Deutsch  52 Prozent  nicht den durchschnittlichen Standard, in Mathematik sind es 56 Prozent. Von 2015 bis 2017 ist die Anteil der Schüler ohne Abschluss von 9,3 Prozent auf 11,7 Prozent gestiegen. Im bundesdeutschen  Durchschnitt beträgt die Quote nur 6,9 Prozent. Die Bildungsverwaltung musste zu Schulahrbeginn zugeben, dass bis zum Schuljahr 2021/2022  bis zu  9.500 Schulplätze  fehlen. Wegen all dieser schlechten Nachrichten legte der  „Landeselternausschuss Berlin“ der Schulsenatorin indirekt den Rücktritt nahe, weil er ihr  nicht mehr zutraut, Berlins Schulen aus der Misere herauszuführen.  Diese Attacke hat die SPD kalt erwischt, hatte sie doch gerade finanzielle Wohltaten unters Wahlvolk gestreut: kostenlose Kita, Freiticket im Öffentlichen Nahverkehr, freies Essen in der Schule. Diese Spendierfreudigkeit bestätigt wieder einmal, dass für die SPD  Schulpolitik  letztlich Sozialpolitik ist. Sie ist auch eine  Form von Ablasshandel: Geld soll den Unmut der Eltern über die schlechten Schülerleistungen besänftigen. Der Elternverband schreibt sarkastisch,  das durch die Freitickets eingesparte Geld  müsse  locker wieder ausgegeben werden, um Nachhilfe oder  eine  Privatschule zu bezahlen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Kompetenzen, Lehrplanverfehlungen, Leistungsbereitschaft, Schülerleistungen, Schulformdebatte, Schulgesetz, Stärkung des Gymnasiums, Unterrichtsinhalte

Inselparadies mit dunkler Vergangenheit

Auf der Insel Reiswerder im Tegeler See versteckten sich 1943 fünf Juden. Nach 18 Monaten wurden sie von der Gestapo entdeckt und in verschiedene  Konzentrationslager verschleppt.

Betritt man nach kurzer Fahrt mit der Fähre das kleine Eiland Reiswerder im Tegeler See, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt: Kleine Lauben, eine Gaststätte namens „Inselbaude“, ein insulares Rathaus versammeln sich  unter dem Kronendach  hoher alter Bäume stattlichen Ausmaßes. Die Uferzonen sind durch dichtes Gestrüpp und grüne  Schilfgürtel  vom bunten Treiben auf der Insel abgetrennt. Auf Reiswerder gibt es seit 1914 den „Verein der Naturfreunde Baumwerder-Reiswerder e.V.“, der den „ökologisch verwalteten ´Inselstaat`“ – so der zweite Vorsitzende des Vereins Lothar Berndorff – organisiert. Auf der Insel können Städter  dem Großstadttrubel  entkommen und  in unberührter Natur Ruhe  und Entspannung  finden. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Geschichtsunterricht, Historisches Bewusstsein

Versager Grundschule

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 28. 08. 2019

Sie bereitet immer schlechter auf weiterführende Schulen vor. Das hat fatale Folgen für alle Kinder. Doch das eigentliche Problem sind Bildungspolitiker und Pädagogen, die hilfreiche Methoden als politisch  unkorrekt abqualifizieren.

Jedes Kind in Deutschland besucht eine Grundschule. Mit ihr beginnt die allgemeine Schulpflicht. 2018 gab es in unserem Land  15.400 Grundschulen.  Eingeschult wird man in der Regel in einer wohnortnahen Schule, damit weite Wege für die  sechs  Jahre alten Kinder vermieden werden.  Weil die Grundschule  eine Zwangsgemeinschaft ist, der sich kein Kind entziehen kann, achten Eltern  auf die pädagogische Qualität der ins Auge gefassten  Schule. Sie lässt sich verlässlich an den Ergebnissen eines Testverfahrens ablesen, das in ganz Deutschland angewandt wird.  In  dem Vergleichstest  VERA  für Schüler  der  3. Klasse  werden Kenntnisse und  Fähigkeiten in Deutsch und Mathematik abgefragt. Den Test in der 3. Klasse durchzuführen, ist sinnvoll, weil danach noch ein ganzes Schuljahr  bleibt (in Berlin und Brandenburg noch drei), bevor der Übergang auf die weiterführende Schule stattfindet. Da einige Bundesländer den Zugang zum Gymnasium noch nicht gänzlich dem Elternwillen anheimgestellt haben, können die Eltern an den „VERA 3“-Ergebnissen ablesen, ob „ihre“ Grundschule die Schüler gut auf den Übergang in die beliebteste Schulform  vorbereitet. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Armut und Bildung, Der richtige Umgang mit Schülern, Grundschule, Migrantenkinder in der Schule, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode

Auch schwierige Schüler haben Potential

Abgedruckt in der WELT vom 14. 08. 2019

In vielen Problemschulen kapitulieren Lehrkräfte und lassen sich an „leichtere“ Schulen versetzen. Exzellenz gibt es bei uns nur in der Beletage des Bildungssystems.  Warum nicht auch im Souterrain?

Jedes Jahr  verlassen in Deutschland knapp 50.000 Schüler die Schule ohne  Abschluss.  Diese Zahl ist wie in Stein gemeißelt.  Dabei sind die Ursachen für  Schulversagen   gut erforscht. Dauerhaftes Schwänzen steht  an erster Stelle.   Schulbehörden greifen inzwischen durch.  Gegen uneinsichtige Eltern  verhängen sie Bußgelder. Säumige  Kinder werden  auch schon mal  von der Polizei zur Schule gebracht. In vielen Großstädten gibt es Polizeistreifen, die morgens um 10 Uhr   in den Elektronikmärkten Jugendliche  „einsammeln“ und zur Schule bringen. Wer über einen längeren Zeitraum den Unterrichtsstoff versäumt, hat über kurz oder lang so große Lücken, dass er sie kaum noch ohne fremde Hilfe  füllen kann. Ein Teufelskreis beginnt: Um der Schmach des Versagens im Unterricht zu entgehen, bleibt der Schüler lieber ganz der Schule fern. Funktionale Analphabeten berichten, dass sie schon in der Grundschule wegen  Schwänzens den Anschluss verloren hätten. Aus Scham und Frust hätten sie nur noch  versucht, sich bis zur Ausschulung ohne Schreiben  durchzumogeln.  Sich die Schreibhand zu verbinden, ist dabei ein beliebtes  Täuschungsmittel. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Fehlzeiten, Leistungsbereitschaft, Migrantenkinder in der Schule, Quereinsteiger in der Schule, Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Unterrichtsmethode