Wie die AfD Schüler zum Petzen animiert

Die digitalen „Informationsportale“ der AfD verstoßen nicht nur  gegen die Schulgesetze, sie gefährden auch den Schulfrieden.

Oft fragen  Eltern  ihre Kinder beim gemeinsamen  Abendbrot, was sich in der Schule zugetragen hat. Wenn Renate berichtet, dass  ihr Sozialkundelehrer für eine Greenpeace-Aktion geschwärmt habe, bei der  Aktivisten einen Braunkohlebagger besetzt haben, kann es passieren, dass der konservativ geprägte Vater in der Schule vorstellig wird, um den Lehrer nach seiner politischen Neutralität im Unterricht zu befragen. Es ist auch  vorgekommen, dass grün gestimmte  Eltern, die erfahren haben, dass ein Lehrer im politischen Unterricht die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung als „unverantwortlich“ bezeichnet hat, den Schulleiter aufgesucht haben, um ihn auf die „politische Beeinflussung“ der Klasse durch die Lehrkraft aufmerksam  zu machen. In der Regel führt die Aussprache mit Schulleitung und   Lehrkraft dazu, dass der Vorwurf ausgeräumt wird. Manchmal muss aber das Rechtsamt einschreiten und disziplinarische Maßnahmen ergreifen. So bei einem Geschichtslehrer in Berlin-Steglitz, der in  einem Buch die Beteiligung der Wehrmacht an der Judenvernichtung bagatellisiert hat; oder bei einem Grundschullehrer in Berlin-Wedding, der auf Youtube  Videos verbreitet hat, in denen er die  Geschichte des Holocaust als „voller Lügen“ bezeichnet hat. Diese Beispiele zeigen, dass das Warnsystem der Schule funktioniert und dass die immer wieder entstehenden Konflikte relativ  geräuschlos gelöst werden. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Datenschutz an der Schule, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Schulgesetz

Schule als neutralen Ort verteidigen

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 15. 11. 2018

 

Bei den Berliner Grünen gibt es Bestrebungen, das Berliner Neutralitätsgesetz aufzuweichen. Für den Schulfrieden hätte dies gravierende Folgen.

Meine erste Lehrerstelle erhielt ich  an  einem privaten  Oberstufen-Kolleg, das vom katholischen Franziskanerorden geführt wurde. Ein kleiner Teil des Kollegiums war weltlich, der überwiegende Teil gehörte dem Orden an. Die Mönche trugen die traditionelle  braune Kutte mit weißer Kordel und sommers wie winters Sandalen. Auch  religiöse Rituale gab es, die von allen Schülern befolgt wurden. Das ist nicht verwunderlich, da an Schulen mit konfessioneller Trägerschaft  der Hausherr  die Spielregeln bestimmen kann.  Die von den beiden christlichen Kirchen betriebenen Schulen tun  dies inzwischen sehr dezent. Schüler jeglicher Konfession, aber auch  Konfessionslose dürfen die Schulen  besuchen. Die Andachten zielen nicht auf religiöse Überwältigung, sondern auf geistige Anregung. Das Wertefundament, das an diesen Schulen vermittelt wird, ist bei Eltern  so beliebt, dass die Wartelisten für diese  Schulen  immer länger werden. An muslimischen Privatschulen geht es strenger zu, weil die Träger oft noch einem Selbstbild verpflichtet sind, das die islamische Identität höher veranschlagt als Offenheit und Toleranz gegenüber Angehörigen anderer Konfessionen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern

Unterforderung ist das Übel der Zeit

Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 18. 10. 2018

Warum wir einen literarischen Kanon in der Schule brauchen

Als ich 1975 an einem hessischen Gymnasium  zum ersten Mal vor einer  Klasse stand, um die Schüler  in deutscher Literatur zu unterrichten, war ich mit den Folgen der drei Jahre zuvor erlassenen „Hessischen  Rahmenrichtlinien Deutsch“ konfrontiert. Literaturunterricht sollte nicht mehr die Interpretation der „schönen“ klassischen Literatur sein,   sondern der „Umgang mit Texten“. Diesem Textbegriff war  alles eins: ein Gedicht von Rilke, eine Stellenanzeige und  ein Zeitungsartikel. Die  „hohe“ Literatur sollte vom Sockel geholt werden, um die Benachteiligung der  Schüler zu beseitigen, denen es nicht vergönnt ist, im Elternhaus mit Büchern und intellektuellen Gesprächen aufzuwachsen. Statt dem Kind aus der Unterschicht den Umgang mit Literatur wenigstens in der Schule zu ermöglichen, wurde  die Literatur gleich ganz  eliminiert.  Aus der „Ungleichheit“ weniger wurde   Ungleichheit für alle. Welch  fataler Irrtum, der bis heute nachwirkt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Historisches Bewusstsein, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsqualität

Quereinsteiger tun den Schulen gut

Veröffentlicht in der „Welt am Sonntag“ vom 9. 9. 2018

Weil Lehrer fehlen, werden vermehrt angelernte Kräfte aus anderen Berufen angeworben. Die meisten sind keine Notlösung, sondern eine Bereicherung.

Landauf, landab wird zur Zeit  darüber geklagt, dass der Lehrermangel  an unseren Schulen vor allem durch Quereinsteiger kompensiert  wird.  Je nach Temperament des  Kommentators werden sie als „Anfänger“, „Dilettanten“ oder „Amateure“ bezeichnet.  Auch von  „Laientheater“ ist die Rede. Für Außenstehende erscheint die Situation an unseren Schulen bedrohlich: Laien kapern die heiligen Hallen unserer Ausbildungsstätten – zum Schaden unserer Kinder. Aus der Sicht des Lehrers  halte ich  diese Schelte für maßlos übertrieben. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Quereinsteiger in der Schule, Rolle des Lehrers

Lernen mit Konfuzius

       Erschienen in der Tageszeitung DIE WELT vom 4. 9. 2019

 In Schulen hierzulande erzielen asiatische Kinder den größten Erfolg. Sie könnten Einheimischen und Zuwanderern als Vorbild dienen. Das Problem: Bei uns ist Spaß die wichtigste pädagogische Kategorie.

In den Klassenzimmern unserer Schulen sitzen  Schüler mit fremdländischen Wurzeln, die nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Sie schlagen  sich nicht auf dem Pausenhof, sind nicht aufsässig und verstoßen auch nicht  gegen die Regeln. Sie sind höflich, zuvorkommend und leistungsorientiert. Gemeint sind die Kinder asiatischer Eltern. In Deutschland leben zur Zeit 450.000 Menschen aus asiatischen Staaten.  Chinesen, Inder, Vietnamesen und Thais bilden unter ihnen die größten Gruppen. Oft habe ich im Lehrerzimmer  Kollegen  von asiatischen Schülern schwärmen hören, weil sie sich still und beharrlich, mit Fleiß und Ehrgeiz an die Leistungsspitze emporarbeiten. Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland schaffen 64 Prozent der vietnamesischen Kinder den Sprung aufs Gymnasium. Dieser Anteil ist um 11 Prozentpunkte höher als der Anteil der deutschen Schüler und  fünfmal so hoch wie bei türkischen Schülern. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Migrantenkinder in der Schule, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Verantwortung der Eltern

Entzaubert

Am Ländervergleich schulischer Leistungen wird deutlich, dass das „längere gemeinsame Lernen“ die damit verbunden positiven Erwartungen  nicht erfüllt.

Fast jeder vierte Einwohner Deutschlands hat einen Migrationshintergrund. Diese ethnische Vielfalt bildet sich in keiner anderen Institution so sichtbar ab wie in der Schule.  Kinder aus aller Herren Länder lernen gemeinsam mit deutschen Kindern. Die Vielfalt der Herkunftssprachen ist  enorm.   Alle Schüler bringen die geistigen und kulturellen Prägungen  mit, die  sie im Elternhaus und in ihrem sozialen Milieu erworben haben. Heute lautet die Gretchenfrage der Pädagogik: Wie kann man  die Vielfalt an Begabungen, sprachlichem Vermögen, sozialem Verhalten und kulturellen Prägungen  pädagogisch  so  handhaben, dass für jedes Kind das optimale Lernergebnis herauskommt. Nicht-Pädagogen, die zum ersten Mal eine quirlige Multi-Kulti-Klasse live erleben, erscheint diese Aufgabe als die Quadratur des Kreises. Sie empfinden die Lehrkraft auf einer „mission impossible“. Doch die Lehrkräfte  wissen sich offensichtlich zu helfen. Darum gelingt auch der Unterricht im ganzen Land  überwiegend konfliktfrei. Auf einem anderen Blatt steht jedoch die Frage, wie sich der Umgang mit der heterogenen Schülermischung in den Lernergebnissen niederschlägt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Leistungsbereitschaft, Rolle des Lehrers, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

Bildungsstand der Eltern und Schulerfolg

Bildungsforscher betonen immer wieder, dass die Bildungsnähe oder -ferne ein wichtiges Kriterium für den Schulerfolg der Kinder sei. Für Lehrkräfte, die in der Grundschule unterrichten, ist das keine neue Erkenntnis. Sie erleben, wie Kinder aus einem bildungsaffinen Elternhaus schon als 6-Jährige differenziert mit der Sprache umgehen können, während Kinder aus der sozialen Unterschicht nur in grammatisch einfachen Sätzen und mit einem reduzierten Wortschatz sprechen. Da außer den Naturwissenschaften der Lernprozess aller Schulfächer einen hohen sprachlichen Anteil  aufweist, muss man kein Prophet sein, um zu erahnen, dass Kinder mit  einem elaborierten Sprachvermögen eindeutig im Vorteil  sind. Kinder aus Migrantenfamilien sind besonders gefährdet, schon in der Grundschule abgehängt zu werden. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie keine Kita besucht und deshalb nicht richtig  Deutsch gelernt haben. In Berlin müssen Kinder, die keine Kita besuchen, im vierten Lebensjahr an einer Sprachstandserhebung teilnehmen. Die Eltern werden von der Bildungsverwaltung angeschrieben. Trotzdem verweigern  jedes Jahr viele  Eltern diesen Test. Sie nehmen die schulischen Nachteile für ihre Kinder  offensichtlich  in Kauf. Und die Senatorin hat noch keinen Weg gefunden, die Eltern mittels Sanktionen in  die Pflicht zu nehmen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Verantwortung der Eltern