Schummeleien in der Doktorarbeit

In den letzten  Jahren haben verschiedene Politiker ihren Doktortitel verloren, weil ihnen „Unsauberkeiten“ bei der wissenschaftlichen Arbeit, teilweise auch offene Plagiate  nachgewiesen werden konnten. Darunter waren auch zwei Bundesminister: Baron zu Guttenberg, Annette Schavan. Beide Politiker haben mit dem Titel  nicht nur ihren guten Ruf, sondern auch ihre politischen Ämter verloren. Jetzt ist auch die Doktorarbeit von Franziska Giffey ins Visier der Recherche-Plattform „VroniPlag Wiki“ geraten. Sie will bei 140 Sätzen der Arbeit unsaubere oder falsche Zitierweisen entdeckt haben. Als Deutschlehrer ärgere ich mich immer wieder aufs Neue über solche Schummelmeldungen. Jeder Schüler am Gymnasium bekommt zu Beginn der Gymnasialen Oberstufe erklärt, wie man wissenschaftliche Arbeiten verfasst. Dabei wird erläutert, wie man mit fremden Meinungen umgeht, die man in der eigenen Arbeit verwerten möchte. Das direkte (mit Anführungszeichen) und das indirekte Zitieren (im Konjunktiv I), beides  mit Verweis auf die Quelle  werden  eingeführt und an Beispielen geübt. Jede  Schülerarbeit wird abgewertet, wenn  Verstöße gegen die intellektuelle Redlichkeit nachweisbar sind. Bei gehäuften Verstößen wird die Arbeit als „mangelhaft“ gewertet. Facharbeiten, die zu Hause verfasst werden dürfen, werden mit einer speziellen Software auf Plagiate überprüft. Dieselben strengen Sitten gelten auch an der Universität. Warum fallen den Doktorvätern und -müttern dann selbst grobe Verstöße gegen die Zitierregeln nicht auf? Warum müssen erst private Prüfinstanzen, die hobbymäßig unterwegs sind, solche Fehler aufdecken? Weiterlesen

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Eingeordnet unter Ricchtiger Umgang mit der Sprache

Schule als Gefahrenzone

Der Beitrag wurde veröffentlicht in der WELT vom 06. 02. 2019.

Mobbing ist fatal. Schreitet niemand ein, können die Schikanen unter Kindern im schlimmsten Fall für Lebensüberdruss sorgen. Dabei gibt es für Lehrer bewährte  Methoden, die Klasse zu befrieden.

Vor kurzem starb ein 11-jähriges Mädchen, das eine Berliner Grundschule besucht hatte. Dem „Tagesspiegel“ zufolge soll es einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein.  Das Mädchen soll  zuvor  in ihrer  Klasse von  Mitschülern  verbal  und körperlich   attackiert worden  sein. Eltern aus der Klasse berichteten, dass  Lehrer und Schulleitung auf das Problem  schon lange vorher  aufmerksam gemacht  worden seien. Sie hätten jedoch abgewiegelt, weil doch alles nicht so tragisch sei. Ein fataler Irrtum. Mobbing ist für die Betroffenen immer tragisch. Es führt zu Angst,  Ohnmachtsgefühlen  und schließlich zu Lebensüberdruss. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass eine Institution, der die Eltern ihre Kinder tagtäglich  anvertrauen, deutliche Hinweise auf  Mobbing nicht ernst nimmt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Migrantenkinder in der Schule, Mobbing, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern

Verfehlte Testmethoden der Schulinspektion

Veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. 01. 2019

 

Wichtige Qualitätskriterien werden vernachlässigt.

In Deutschland wird inzwischen alles getestet. Vom elektrischen Eierkocher bis zum Seniorenheim werden Waren und Dienstleistungen  einer akribischen Prüfung unterzogen und  die Ergebnisse  in Test-Zeitschriften veröffentlicht. Wenn „Stiftung Warentest“ über eine Marke den Daumen senkt, kann dies für sie das Aus bedeuten. Schnelle Nachbesserung ist dann angesagt.  Lange haben sich Bildungspolitiker dagegen gesträubt, die Qualität der Schulen, für die sie die Verantwortung tragen, testen zu lassen. Nach der erste PISA-Studie 2001 und den durchwachsenen Ergebnissen deutscher Schüler war das Desinteresse an Schulqualität nicht länger aufrechtzuerhalten. Die Stunde der Schulinspektion hatte geschlagen. Inzwischen gibt es sie in allen Bundesländern. Ein Inspektionsteam aus Lehrkräften, die keinen Bezug zur jeweiligen Schule haben dürfen, besucht und bewertet in regelmäßigen Abständen die Schulen. Doch wie testet man eine Schule? Schule ist ein komplexer Kosmos von der Größe eines mittelständischen Unternehmens. Große Schulen haben über 100 „Mitarbeiter“ und bis zu 1000 „Kunden“, die jeden Tag anwesend sind und die angebotene Dienstleistung abrufen. Die Schüler erwarten guten Unterricht und  bestmögliche Schulabschlüsse, die sie jedoch nur erreichen, wenn die Schule in all ihren Facetten optimal funktioniert. Deshalb werden bei der Inspektion alle Aspekte des Schullebens auf den Prüfstand gestellt: Schulleiterhandeln, innerschulische Kommunikation, (digitale) Ausstattung, Einbeziehung von Eltern und Schülern in Entscheidungsprozesse, Schulklima, programmatische Schulentwicklung  und als wichtigstes Kriterium das Kerngeschäft: der Unterricht. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Rolle des Lehrers, Schülerleistungen, Schulinspektion, Unterrichtsmethode, Unterrichtsmethoden, Unterrichtsqualität

Frauen sind die besseren Lehrer

Veröffentlicht in der WELT vom 17. 01. 2019

 

In allen Schulformen bilden weibliche Lehrkräfte inzwischen die Mehrheit – mit steigender Tendenz. Wie kann man sich das erklären? Sie verfügen neben mehreren Kernqualifikationen über eine erzieherische Geheimwaffe.

 

Frauen, die die Lehrer werden wollten, hatten eine Frauenquote noch   nie nötig. Vor kurzem  eroberten sie  aus eigener Leistung die letzte Männerbastion, das Gymnasium. Auch dort bilden sie inzwischen in den Lehrerkollegien die Mehrheit, wie das schon in den anderen Schulformen seit längerem der Fall ist. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen für sich: Fast drei Viertel der der deutschen Lehrer (72 Prozent) im Schuljahr 2014/2015 waren weiblich – deutlich mehr als vor zehn Jahren (67 Prozent). Zum Vergleich der Frauenanteil in Politik und Wirtschaft: Im aktuellen Deutschen Bundestag sitzen 30,9 Prozent Frauen, in den Vorständen der 200 größten Unternehmen gerade einmal 8 Prozent. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Unterrichtsmethode

Leitkultur in der Schule

Veröffentlicht in  DIE WELT vom 19. 12. 2018

Jeden Tag machen sich von der Öffentlichkeit unbemerkt an den Schulen unserer Republik  Lehrkräfte ans Werk, um  ihren Schülern eine Leitkultur zu vermitteln. Sie dient dem friedlichen Zusammenleben im Kosmos Schule, der in unseren  Großstädten von Kindern aus über 50 Nationen „bevölkert“ wird. Sie dient aber auch der Festigung von Werten, ohne die ein zivilisiertes Miteinander in der Gesellschaft nicht möglich wäre. Die Lehrkräfte tun dies, ohne auch nur eine Sekunde lang an die ideologisch aufgeladene Debatte um eine „deutsche Leitkultur“ zu denken. Das Wort „deutsch“ spielt bei der in der Schule vermittelten  Kultur eine untergeordnete Rolle. Außer in den Fächern Deutsch und Geschichte gehören die  Stoffinhalte der  gymnasialen Fächer zum Weltwissen: die Sprachen, Mathematik, die Naturwissenschaften, Musik und Kunst. Selbst im Fach Geschichte ist die deutsche Nationalgeschichte in die Weltgeschichte  eingebettet. Wenn Lehrkräfte kulturelle Werte vermitteln,  ist ihnen bewusst, dass eine solche Werteerziehung  in erster Linie  der Persönlichkeitsbildung der Schüler dient.  Denn nur starke Persönlichkeiten sind in der Lage, im Strudel des Lebens ihren Mann oder ihre Frau zu stehen. Man denke an  Goethes Lobpreis auf die Persönlichkeit aus seinem Gedichtzyklus „Westöstlicher Diwan“: „Höchstes Glück der Erdenkinder / Sei nur die Persönlichkeit.“  Goethe war  der Meinung, dass der  Wesenskern der Persönlichkeit in jedem Menschen schon von klein an  angelegt sei, er müsse  nur durch die helfende und leitende Hand des Pädagogen zum Erblühen gebracht werden. „Werde, der du bist!“ – Dieses Wort von Friedrich Nietzsche wurde zum Leitfaden einer Pädagogik, die die Kinder nicht mehr nach den Regeln der Gesellschaft modeln, sondern ihnen den Weg ins Offene, in eine freie Selbstbestimmung zeigen wollte. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern, Historisches Bewusstsein, Unterrichtsinhalte

Wie die AfD Schüler zum Petzen animiert

Die digitalen „Informationsportale“ der AfD verstoßen nicht nur  gegen die Schulgesetze, sie gefährden auch den Schulfrieden.

Oft fragen  Eltern  ihre Kinder beim gemeinsamen  Abendbrot, was sich in der Schule zugetragen hat. Wenn Renate berichtet, dass  ihr Sozialkundelehrer für eine Greenpeace-Aktion geschwärmt habe, bei der  Aktivisten einen Braunkohlebagger besetzt haben, kann es passieren, dass der konservativ geprägte Vater in der Schule vorstellig wird, um den Lehrer nach seiner politischen Neutralität im Unterricht zu befragen. Es ist auch  vorgekommen, dass grün gestimmte  Eltern, die erfahren haben, dass ein Lehrer im politischen Unterricht die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung als „unverantwortlich“ bezeichnet hat, den Schulleiter aufgesucht haben, um ihn auf die „politische Beeinflussung“ der Klasse durch die Lehrkraft aufmerksam  zu machen. In der Regel führt die Aussprache mit Schulleitung und   Lehrkraft dazu, dass der Vorwurf ausgeräumt wird. Manchmal muss aber das Rechtsamt einschreiten und disziplinarische Maßnahmen ergreifen. So bei einem Geschichtslehrer in Berlin-Steglitz, der in  einem Buch die Beteiligung der Wehrmacht an der Judenvernichtung bagatellisiert hat; oder bei einem Grundschullehrer in Berlin-Wedding, der auf Youtube  Videos verbreitet hat, in denen er die  Geschichte des Holocaust als „voller Lügen“ bezeichnet hat. Diese Beispiele zeigen, dass das Warnsystem der Schule funktioniert und dass die immer wieder entstehenden Konflikte relativ  geräuschlos gelöst werden. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Datenschutz an der Schule, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Schulgesetz

Schule als neutralen Ort verteidigen

Veröffentlicht in der Tageszeitung DIE WELT vom 15. 11. 2018

 

Bei den Berliner Grünen gibt es Bestrebungen, das Berliner Neutralitätsgesetz aufzuweichen. Für den Schulfrieden hätte dies gravierende Folgen.

Meine erste Lehrerstelle erhielt ich  an  einem privaten  Oberstufen-Kolleg, das vom katholischen Franziskanerorden geführt wurde. Ein kleiner Teil des Kollegiums war weltlich, der überwiegende Teil gehörte dem Orden an. Die Mönche trugen die traditionelle  braune Kutte mit weißer Kordel und sommers wie winters Sandalen. Auch  religiöse Rituale gab es, die von allen Schülern befolgt wurden. Das ist nicht verwunderlich, da an Schulen mit konfessioneller Trägerschaft  der Hausherr  die Spielregeln bestimmen kann.  Die von den beiden christlichen Kirchen betriebenen Schulen tun  dies inzwischen sehr dezent. Schüler jeglicher Konfession, aber auch  Konfessionslose dürfen die Schulen  besuchen. Die Andachten zielen nicht auf religiöse Überwältigung, sondern auf geistige Anregung. Das Wertefundament, das an diesen Schulen vermittelt wird, ist bei Eltern  so beliebt, dass die Wartelisten für diese  Schulen  immer länger werden. An muslimischen Privatschulen geht es strenger zu, weil die Träger oft noch einem Selbstbild verpflichtet sind, das die islamische Identität höher veranschlagt als Offenheit und Toleranz gegenüber Angehörigen anderer Konfessionen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Migrantenkinder in der Schule, Neutralitätsgebot, Rolle des Lehrers, Verantwortung der Eltern