Leitkultur – pädagogisch

Jeden Tag machen sich von der Öffentlichkeit unbemerkt an den Schulen unserer Republik  Lehrkräfte ans Werk, um bei ihren Schülern eine Leitkultur einzuüben. Sie dient dem friedlichen Zusammenleben im Kosmos Schule, der in unseren  Großstädten von Kindern aus über 100 Nationen „bevölkert“ wird. Sie dient auch der Festigung der Werte, ohne die ein zivilisatorisches Miteinander in der Gesellschaft nicht möglich wäre. Die Lehrkräfte tun dies, ohne auch nur eine Sekunde lang an die ideologisch aufgeladene Debatte um eine „deutsche Leitkultur“ zu denken. Sie tun dies aus reiner Selbstverständlichkeit und weil eine Werteerziehung  der Persönlichkeitsbildung der Schüler dient. Im folgenden Glossar findet man die Werte, die mir in meiner Arbeit als Lehrer besonders wichtig waren. Sie reflektieren natürlich meine Unterrichtsfächer Deutsch, Geschichte und Politik. Aber auch meine Liebe zur Musik. Lehrkräfte anderer Fachrichtungen (Naturwissenschaften, Sprachen, Künste) mögen andere Vorlieben haben. Das zivilisatorische Wertefundament bleibt  jedoch stets das gleiche.

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Eingeordnet unter Bildungserlebnisse, Der richtige Umgang mit Schülern

Zeit für das Leistungsprinzip

Alle politischen Beobachter sind sich darüber einig, dass die  SPD-geführten Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen auch deshalb abgewählt wurden, weil ihre  Schulpolitik gravierende Mängel aufweist, die den Eltern nicht verborgen bleiben konnten. Ich spreche hier nicht von den Dauerbaustellen „G8 oder G9?“  oder „Inklusion“, die vor allem in NRW negativ zu Buche schlugen, weil sich die grüne Bildungsministerin Sylvia Löhrmann nicht sehr professionell anstellte. Wenn ich von Defiziten spreche, meine ich die grundsätzliche Ausrichtung der Schulpolitik auf das  ewige  SPD-Ziel  „Mehr Gerechtigkeit“. Wenn man dieses Prinzip in der Schule nämlich überstrapaziert, muss es zwangsläufig mit einem anderen Prinzip kollidieren: mit der Leistungsfähigkeit der Schule, also  mit den schulischen Leistungen der Schüler und mit der Qualität der Abschlüsse, die sie erreichen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung

Alternative Fakten im Bildungsdiskurs

Als Lehrer bin ich immer wieder aufs Neue irritiert, wenn ich Artikel in seriösen Presseerzeugnissen lesen muss, die von „Bildungsexperten“ verfasst worden sind und die dennoch der Komplexität des Themas in keiner Weise gerecht werden. So erging es mir, als ich den Artikel „Auslese fürs Gymnasium / So sortiert Deutschland seine Kinder aus“ in der Online-Ausgabe des  SPIEGEL lesen musste (13. 05. 2017). Autorin ist Silke Fokken, ihres Zeichen freischaffende Autorin mit dem Schwerpunkt Bildung. Schon die Überschrift des Artikels  ist auffallend reißerisch. Die Begriffe „Auslese“ und „sortieren“ erzeugen die Assoziation  einer kalten Sortiermaschine, mit  deren Hilfe faules Obst oder angeschlagene Eier aussortiert und anschließend entsorgt werden. Wie die  Zwischenüberschriften zeigen („Wir haben ein schreiend ungerechtes Schulsystem“), sind solche Konnotationen durchaus gewollt. Es hätte mich auch gewundert, wenn in dem Artikel die Lieblingsvokabel rot-grüner Schulkritik – Selektion – gefehlt hätte. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Schulformdebatte, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsqualität

G8, G9 oder doch lieber G8+9?

Nach  vierzigjähriger Tätigkeit als Lehrer habe ich mir abgewöhnt, daran zu glauben, dass Schulpolitiker mit ihren Entscheidungen vor allem den Schülern ihres Landes Gutes tun wollen. Sie arbeiten genauso die Agenda ihrer Partei ab, wie das die  Verkehrs-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister tun. Deshalb sollte man auch bei schulpolitischen Entscheidungen immer nach dem zugrunde liegenden ideologischen Kern fragen. Von lyrischen Wortgirlanden sollte man sich nicht verwirren lassen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Schulformdebatte

„Di Foirwer retete eine oile aus dem Stal“ – Wie unsere Schüler das Schreiben verlernen

Veröffentlicht in   „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Bildungswelten)                                       

06. 04. 2017

Am 4. Mai 2017 werden sich in  400 Berliner Grundschulen 28.000 Schüler der dritten Klassen über ein Aufgabenblatt beugen, das ihnen eine einheitliche Schreibaufgabe abverlangt.  An diesem Tag  findet der  landesweite  Test „VERA 3“ im Fach Deutsch statt. Schüler und Eltern werden der Veröffentlichung der Ergebnisse mit Interesse entgegensehen. Die Berliner Schulverwaltung wird diesen Tag eher mit Bangen erwarten. Die Besorgnis hat gute Gründe. Beim „VERA 3“-Test im Schuljahr  2014/2015 waren die Ergebnisse für die Berliner Grundschüler verheerend. Die Hälfte der Drittklässler erfüllte nicht die Mindestanforderungen an die Rechtschreibung, die die Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegt hatte. Sie können, wie es im Kommentar des Instituts für Schulqualität (ISQ) hieß, gerade einmal „lautgetreu“ schreiben. Im Klartext heißt das: Die Schüler bringen Wörter so  zu Papier, wie sie  sie hören, nicht aber,  wie sie korrekt geschrieben werden. Auch in den Folgejahren verbessern sich die  Schreibleistungen der Schüler nicht, wie die schlechten Ergebnisse   beim  Deutsch-Test „VERA 8“  belegen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Lehrplanverfehlungen, Leistungsbereitschaft, Ricchtiger Umgang mit der Sprache, Unterrichtsmethode, Unterrichtsqualität

Griechisch für den Tischler

Vortrag im Rahmen des Humboldt-Gedenkens  am 16. März 2017, Humboldt-Gymnasium Berlin-Tegel

 Das Bildungskonzept Wilhelm von Humboldts 

 

„Bienen haben Vorfahrt“

Im Jahre 1989 kam ich als Lehrer  an das  reformpädagogisch geprägte Internatsgymnasium Schulfarm Scharfenberg.  Schon in der vierten  Woche hatte ich eine überraschende Begegnung mit dem ganzheitlichen Bildungskonzept der Schule. Für einen erkrankten Kollegen hatte ich eine Klausur zu beaufsichtigen. Mitten in der Stunde schrillte ein hohe Klingel. Drei Schüler sprangen auf und verließen fluchtartig den Raum. Ich fragte die anderen Schüler, was hier los sei. Eine Schülerin klärte mich auf: Dies sei die Imker-Klingel gewesen. Bestimmt sei ein Bienenvolk ausgeschwärmt und müsse jetzt von den Schülern der Imkerei wieder  eingefangen werden. Nach der Klausur fragte ich etwas indigniert den Schulleiter, ob das rechtens  sei, dass die Schüler mitten in der Klausur den Raum verlassen – wegen der Bienen. Er meinte schmunzelnd: „Lieber Kollege, an eines müssen Sie sich gewöhnen. An unserer Schule haben die Bienen Vorfahrt.“ – Dieser Vorfall war für mich eine Art von  Paulus-Erlebnis in Bezug auf die Reformpädagogik. Ich lernte das Engagement der Schüler außerhalb des  Unterrichts schätzen, weil ich sah, mit welcher Begeisterung und Verantwortung sie ihre Aufgaben in den Werkstätten, die wir altertümelnd „Innungen“ nannten,  wahrnahmen und wie sie dabei  in ihrer Persönlichkeit reiften. Weiterlesen

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Gefühlte Wahrheiten statt Fakten

Es ist kein gutes Zeichen, wenn selbst Medien, die sich aufklärerischem Denken verpflichtet fühlen, die Analyse von Fakten durch suggestiv dargebotene „gefühlte Wahrheiten“ ersetzen. So geschah es in der Titelgeschichte des SPIEGEL „So gut /so  schlecht geht es den Deutschen“ (Heft 9/2017). Da liest man folgenden Satz:

„Noch immer studieren hierzulande vor allem Kinder, deren Eltern selbst Akademiker sind.“

Die Aussage des Satzes ist richtig, trotzdem erklärt er so gut  wie nichts. Er soll auch nichts erklären, sondern ein Gefühl bedienen: So ungerecht geht es zu in Deutschland. Nicht einmal das „Aufstiegsversprechen im Wirtschaftswunderland“ (SPIEGEL) werde eingelöst. Schuld sei der Neoliberalismus, der in  seinem Effektivitätsdenken die Schwachen – die Arbeiterkinder – zurücklässt. Damit stimmt der SPIEGEL in den Gerechtigkeitssound ein, den  zur Zeit Martin Schulz (SPD) landauf, landab anstimmt. Merkwürdig, dass sich selbst  Journalisten, die der kühlen Analyse verpflichtet sind, vom Erlösungsversprechen eines Politikers anstecken lassen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit den Eltern, Der richtige Umgang mit Schülern, Rolle des Lehrers, Sozialer Aufstieg durch Bildung, Unterrichtsmethode