Neuerscheinung: „Auf den Lehrer kommt es an“

Im Jahre  2012  schrieb ich nach vielen Fachbüchern  für den Deutschunterricht mein erstes pädagogisches Buch, in dem ich meine Erfahrungen aus über 30 Jahren Unterricht an einer Gesamtschule und zwei Gymnasien in die griffige Botschaft kleidete, die auch den Titel des Buches bildete: „Auf den Lehrer kommt es an“ / „Wie Schule gelingen kann“.  Damals  galt man in pädagogischen Kreisen durchaus noch als Außenseiter, wenn man,  wie ich es tat,  mit Überzeugung  betonte, dass es in der Schule vor allem auf die Fähigkeiten des Lehrers ankomme. Zu stark war noch der Glaube, dass man mit neuen Schulformen, wie z.B. der Gemeinschaftsschule, oder mit  neuen didaktischen Konzepten wie dem Kompetenzmodell eine schöne neue Lernwelt  begründen könne.

Im Jahre 2013 erschien dann die deutsche Übersetzung der Studie „Lernen sichtbar machen“ des neuseeländischen  Bildungsforschers John Hattie. Mit ihr veränderte sich der pädagogische Diskurs grundlegend. Anhand zahlreicher Einzelstudien wies Hattie  nach, dass es vor allem  an der Lehrkraft liegt, ob die Schüler viel oder wenig lernen. Er zeigte, dass das Unterrichten vor allem ein Handwerk ist, das der eine Lehrer gut, der andere eher mäßig beherrscht. Selten hat eine wissenschaftliche Studie so exakt beschrieben, welche Faktoren für erfolgreiches Lernen verantwortlich sind und welche man eher vernachlässigen kann. Die Studie von Hattie zerstörte lang gehegte Gewissheiten, wie z.B. den Glauben  an die segensreiche Wirkung kleiner Klassen,  die Bedeutung eines  höheren Finanzbudgets   oder an die Wirkung einer besseren  Ausstattung mit digitalem Equipment.

Die meisten Lehrer waren von der Hattie-Studie begeistert, weil ihr Beruf durch sie eine kräftige Aufwertung erfährt. Es gab aber auch Lehrer, die sich der entscheidenden  Konsequenz der Studie verweigerten: die eigene Performance im Unterricht kritisch zu überprüfen und sie notfalls durch Fortbildungen zu verbessern. Ich habe Schulen erlebt, die sich z.B. weigerten, die von Hattie dringend geforderte Feedback-Kultur oder ein Qualitätsmanagement einzuführen. Es gab sogar Konferenzbeschlüsse, die dies zu verhindern versuchten, obwohl der Berliner Senat eine Feedback-Kultur ausdrücklich befürwortet.   Zu sehr hingen die Lehrer noch am überkommenen Selbstverständnis, wonach Lehrer schon wissen, was zu tun ist, und sie es deshalb nicht nötig haben, sich der Bewertung durch ihre  Schüler zu stellen. Ich habe aber auch Schulen erlebt, die konsequent und mutig versucht haben, die wichtigsten Forderungen von Hattie an einen guten Unterricht zu realisieren. Schon nach zwei Jahren kann man in der Regel die Früchte solcher Anstrengungen ernten. Am Ranking der Berliner Schulen kann man ablesen, wer sich den nötigen Reformen gestellt hat und wer sie verweigert hat. In den Inspektionsberichten, die alle fünf Jahre über eine Schule erstellt werden, können interessierte Eltern nachlesen, wie es an der betreffenden Schule  um die  Unterrichtskultur  bestellt ist.

Das Buch „Auf den Lehrer kommt es an“ liegt jetzt in einer zweiten Auflage vor. Der Text wurde  gegenüber  der  ersten Auflage  grundlegend überarbeitet. Im ersten Teil wird gezeigt, wie die Persönlichkeit eines Lehrers beschaffen sein muss, damit er das einlösen kann, was der Schriftsteller  Klaus Mann mit dem Wort „Seelenfänger“ benannt  hat. Einer Lehrkraft muss es gelingen, seine Schüler für den Unterrichtsgegenstand zu begeistern.

Die Kapitel des Mittelteils erläutern anhand der Erkenntnisse der Hattie-Studie  das Unterrichten als Handwerk.

Den Schluss bilden zwei Kapitel über den Deutsch- und Geschichtsunterricht. Diesen beiden Fächern kommt in der schulischen Lernkultur eine besondere Verantwortung zu, weil sie dazu prädestiniert sind, den Schülern Orientierung zu geben und Sinnstiftung zu vermitteln. Dieser Aspekt  ist  in unserer fragilen Zeit nicht zu überschätzen.

 

 

 

 

 

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Eingeordnet unter Der richtige Umgang mit Schülern, gegenseitige Besuche im Unterricht, Innere Schulreform, Rolle des Lehrers, Unterrichtsqualität

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