Durchgeknallte „Pädagogen“

Die Szenerie: Blockade einer Hauptverkehrsstraße, heftige Straßenschlachten der Blockierer mit der Polizei, angezündete Autos, Tränengasschwaden, Schusswechsel, sechs Tote, über 100 Verletzte, darunter 45 Polizisten, die Schusswunden erlitten hatten. So die Bilanz. Wer waren die Randalierer? Bergwerkarbeiter in Südafrika? Bauern in Argentinien? Nein! Es waren Lehrer, mexikanische Lehrer, die der radikalen Gewerkschaft CNTE angehören. Sie wollen eine Schulreform verhindern, die alle vernünftigen Beobachter und auch internationale Organisationen wie die OECD für dringend geboten halten.

Rückblick: Bei der PISA-Studie 2009 belegte Mexiko unter 74 Industriestaaten (inklusive Schwellenländern) die Plätze 53 (Mathematik), 55 (Naturwissenschaften) und 50 (Leseverständnis). Es bestand also dringender Handlungsbedarf, um die schulischen Leistungen der mexikanischen Kinder zu verbessern. Ein Schritt in dieser Richtung sollte durch die Evaluation der Unterrichtsqualität geschehen. Die Lehrkräfte sollten sich in regelmäßigen Abständen einer Leistungsüberprüfung stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste zuerst die Macht der Gewerkschaften gebrochen werden. Sie hat für unser Empfinden unvorstellbare Auswirkungen gezeitigt: Ohne Einwilligung der Gewerkschaften kann keine einzige Lehrkraft eingestellt werden. Auch für die Beförderung von Lehrern braucht es die Zustimmung der Gewerkschaften. Dass dabei vor allem Günstlinge der Gewerkschaften zum Zuge kommen, kann man sich denken. In einigen Bundesstaaten haben die Gewerkschaften sogar durchgesetzt, dass die Lehrerstellen vererbt oder an Interessenten verkauft werden können. Unter diesen korrupten Bedingungen hat vor allem die Qualität des Unterrichts gelitten, weil die von den Gewerkschaften eingestellten Lehrkräfte zwar ideologisch willfährig, aber nicht unbedingt die besten Lehrer waren.

Eine solche Günstlingswirtschaft führt über kurz oder lang zu Korruption in großem Stil. Der Vorsitzende der CNTE im Bundesstaat Oaxaca, Ruben Nunez, wurde verhaftet, weil er Lehrbücher für die Schulen nur unter der Bedingung bestellen ließ, dass die Verlage an die Gewerkschaft eine „Gebühr“ bezahlten. Mit diesem Geld finanzierte die CNTE u.a. ihre Streiks. Der Gewerkschaftsführer zweigte davon auch Beträge für private Zwecke ab. Die langjährige Chefin einer anderen Lehrergewerkschaft, der SNTE, Elba Ester Gordillo, wurde wegen des Vorwurfs der Unterschlagung von 150 Millionen Euro verhaftet. Mit dem erschlichenen Geld hatte sie sich mehrfachen Schönheitsoperationen unterzogen und war im Privatflugzeug durch die Welt gereist.

Die Lehre: In den mexikanischen Berufsverbänden der Lehrer ist das pädagogische Ethos völlig unter die Räder gekommen. Es geht nicht mehr um das Wohl der Kinder, um ihre fundierte Ausbildung, sondern nur noch um Pfründen und Privilegien für die eigene Organisation. Als Lehrer in Deutschland steht man fassungslos vor solchen Ereignissen und Entwicklungen. Es fällt schwer daran zu glauben, dass diese Kriminellen wirklich Lehrer sind. Wir können froh sein, dass wir unseren schönen Beruf in einem Land ausüben können, in dem cum grano salis die Berufspositionen nach Leistungskriterien vergeben werden und in dem es in der Schule in erster Linie um das Wohl der Kinder geht.

 

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