Olympische Spiele in Berlin oder sanierte Schulen?

Auch in der Demokratie hat sich der Bürger   inzwischen daran gewöhnt, dass Politiker danach streben, sich durch glanzvolle Events zu verewigen, die unter ihrer Verantwortung stattgefunden haben. Eines dieser begehrten Highlights sind Olympische Spiele, von denen man sich den hellsten Glanz und den imponierendsten Nachruhm verspricht. Politiker sind bei solchen Vorhaben meistens blind für die Realität, in der sich das Gemeinwesen befindet, das für die Kosten von „Brot und Spiele“ aufkommen muss. Deshalb ist es zu begrüßen, dass es in Berlin kritische Bürger gibt, die die verlockenden Versprechungen in den Hochglanz-Broschüren kritisch hinterfragen. Diese Bürger fragen sich, ob es sinnvoll ist, in Berlin Olympische Spiele auszurichten, solange noch zahlreiche Schulen auf ihre bauliche Sanierung warten.

Im „Tagesspiegel“ war am 16. Oktober 2014   ein deprimierender Bericht über den baulichen Zustand an den Gymnasien im Bezirk Steglitz-Zehlendorf zu lesen. Dreizehn Direktoren schlugen nach einer Begehung ihrer Schulen Alarm und forderten das Bezirksamt auf, gemeinsam mit dem Schulsenat auf Abhilfe zu drängen. Der Baustadtrat des Bezirks beziffert den Sanierungsaufwand auf 410 Millionen Euro. Die Schäden betreffen alle baulichen Bereiche: kaputte Dächer, marode Dachstühle, abbröckelnde Fassaden, Asbest in den Decken, Schimmelbefall in den Sanitärräumen usw.

Die Eltern, die ihre Kinder in diese Schulen geschickt haben, sind beunruhigt, ja zornig. Sie glauben, ein Recht darauf zu haben, dass ihre Kinder in Schulen unterrichtet werden, die nicht dem baulichen Zustand eines Entwicklungslandes entsprechen. Bei allen Schulqualitätsvergleichen landet Berlin seit Jahren auf dem letzten Platz aller Bundesländer. Vielleicht hat das auch etwas mit dem äußeren Zustand unserer Schulen zu tun. Denn:   Lerneifer und Lernerfolg unserer Kinder können nur in einer intakten Lernumgebung gedeihen.

Eines der sanierungsbedürftigen Gymnasien habe ich als Vertretungslehrer kennen gelernt: das Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz. Dort mussten im November 2014 einzelne Fassadenbereiche abgesperrt werden, weil Schüler und Lehrer durch herunterstürzende Putzteile akut gefährdet sind. Eine Sanierung der Außenfassade dieser Schule wird vom Bezirk dennoch abgelehnt. Dabei handelt es sich beim Fichtenberg-Gymnasium um eine Schwerpunktschule zur Inklusion, die eigentlich zum „Leuchtturm“ in der Schullandschaft ausgestaltet werden müsste, wenn man den hehren Bekundungen der Politik Glauben schenken soll. In der Presse wurde über die Zustände an der „vergitterten“ Schule berichtet.

Der Senat von Berlin hat die Kosten für Olympia auf 2 Milliarden Euro beziffert. Nach den Erfahrungen, die man mit Großprojekten gesammelt hat, kann man ruhig davon ausgehen, dass es bei dieser Summe nicht bleiben wird. Für diesen hohen Betrag könnte man auf einen Schlag alle Schulen in ganz Berlin sanieren. Diese Aufwendungen wären eine nachhaltige Investition in die Zukunft der Stadt Berlin, während der Effekt Olympischer Spiele, wie man weiß, allzu schnell verpufft.

Es ist zu begrüßen, dass sich in Berlin und vor allem im Internet eine Bewegung gebildet hat, die eine solche kritische Güterabwägung anstellt und sie in die Öffentlichkeit trägt. Wenn den berechtigten Anliegen der Schüler und ihrer Eltern zur Sanierung der maroden Schulen nicht Rechnung getragen wird, könnte sich die Stimmung der Berliner Bevölkerung genauso schnell gegen Olympia wenden, wie es im Mai diesen Jahres bei der Abstimmung über das Tempelhofer Feld geschehen ist.

Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gibt es ein Gymnasium, in dem die Schüler und Lehrer schon seit 7 (sieben!) Jahren darauf warten, dass ihre Toiletten saniert werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Berlin Olympische Spiele stattfinden können, solange noch ein Kind auf eine vergammelte Schultoilette gehen muss.

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